Noel Klein Reesink

Noel Klein-Reesink
Der berufliche Weg führte Noel Klein-Reesink, Jahrgang 1978, führte von einer Sportartikel-Marke über eine internationale Werbeagentur zu Hess Natur. Als ein ehemaliger Geschäftsführer von KarmaKonsum, einer Internetplattform für nachhaltiges Wirtschaften agierte er als Veranstalter von Konferenzen und als Mitherausgeber von Studien zum Thema. Heute hat der Kommunikationswissenschaftler und Unternehmensberater seine Schuhmarke ekn footwear erfolgreich in den europäischen Markt eingeführt.
Weiterführende Informationen:
www.eknfootwear.com

Im Gespräch: Noel Klein-Reesink

Bernd Hausmann im Gespräch mit Noel Klein-Reesink:

Noel und Ich kennen uns schon einige Jahre. Als ich ihn das erste mal traf, arbeitete er noch bei Hess Natur. Vielen ist er noch aus seiner Zeit bei KarmaKonsum bekannt. Ab Februar kommen seine ersten Sneaker auf den Markt. Vorab sprach ich mit ihm über sein neues Label ekn footwear.

Dein erster Sneaker ?

Ich denke, das war ein adidas Marathon in hellblau. Der musste es damals sein, weil mein Bruder den Schuh auch hatte.
Dein All-Time-Favourite ?
Hm. Den habe ich glaub ich nicht. Da kann ich mich nicht festlegen. Ich mag verschiedene Modelle aus Running, Skateboarding oder Basketball der einzelnen Äras.

Warum ein neues ethisches Schuhbrand ?

Als Sneakerfan und Skateboarder trage ich die Idee einer nachhaltigen Schuhmarke seit einigen Jahren in mir. Die Idee hat sich immer weiter konkretisiert seitdem ich auf der Suche nach neuen Schuhen war und merkte, dass der Markt für schöne und nachhaltiges Schuhwerk sehr überschaubar ist. So habe ich die Idee 2 Jahre mit herumgetragen, mit vielen Leuten darüber besprochen und gespürt, dass es hier eine Not bei den Leuten und somit auch am Markt gibt. Diese Lücke möchten wir nun mit schönen und sinnvollen Produkten schließen.

Was ist ekn footwear ? Für was steht ekn ?

ekn [i‘kin] bedeutet Samen und Saatgut auf einer alten osmanischen Sprache. Als ich mich mit der Marke beschäftigt habe, suchte ich nach der mythologischen Verwendung von Schuhen in unserer Kultur. Dabei habe ich herausgefunden, dass Schuhe als Symbol für Fruchtbarkeit verwendet werden. Bei Aschenputtel z.B. kann der Moment als der Prinz ihr den Schuh überzieht als eine Metapher für Sex gedeutet werden. In dem Symbol der Fruchtbarkeit liegt vielleicht auch der Grund, warum viele Menschen so viele Schuhe besitzen.. Da zur Fruchtbarkeit natürlich Samen gehören, fand ich den Namen sehr passend. Mit dem Claim “be the seed” drücken wir aus, dass wir selbst das Saatgut sein können für eine etwas bessere Welt.

Wie groß ist die erste Kollektion ?

Die Produkte der Marke teilen sich auf in Schuhe und Accessoires. Die bereits in der ersten Kollektion angedeutete Aufteilung in Sneaker und Casual Schuhe mit Anlehnung an Klassiker wird fortgführt. In der ersten Kollektion haben wir 7 Schumodelle in drei bis fünf Farb- und Materialvarianten wie Leder, Suede oder Canvas. Unser Ziel war es, die Schuhe mit einem gewissen Understatement auszustatten. Auch werden handgemachte Accessoires auch aus chromfrei gegerbtem Leder angeboten: Vier Gürtelmodelle in unterschiedlichen Farben sowie eine iphone Tasche angeboten. So wie einige Teile der Kollektion ist auch die Denim-Tasche limitiert, die in Kooperation mit Affentor aus Frankfurt ebtstand. In der Affentor-Manufaktur in Frankfurt am Main werden langzeitarbeitslose Frauen bis zum Berufsabschluss als “Modenäherin” qualifiziert und verbessern so ihren Wiedereinstieg ins Berusleben.

Wie hast Du die Kollektion entwickelt?

Angelehnt an klassische Streetwear-Sneaker ist der Stil der Produkte modisch aber dennoch reduziert. Unser Ziel war es, die Schuhe mit einem gewissen Understatement auszustatten. Sie sollen eher über die Haptik, Qualität und besondere Details wie Materialkombinationen oder Stitchings funktionieren als über ein omnipräsentes Logo. Verantwortlich für die Produkte ist Sheldon McKenzie. Er ist der Produktdesigner bei ekn footwear. Sheldon ist Kanadier und hat in der Vergangenheit für Firmen wie adidas oder Puma gearbeitet. Nach unserem ersten Treffen war klar, dass wir uns schnell verständigen würden, was Styles und Materialauswahl angeht. Das Max Herre Modell ist von Max selbst entwicket worden. Als Desertboot-Fan hatte Max die Idee, den Klassiker abzuändern. Nach Sichtung seiner Schuhsammlung und Lieblingsschuhe war klar, dass es eine Art Desert für sein „Signature Modell“ werden wird..

Wie kam es zur Kooperation mit Max Herre?

Ich glaubte, dass Max als Mensch gut zur Marke passen könnte. Also habe ich versucht Kontakt aufzunehmen. Ich sprach ich möt Götz, seinem Manager und habe mit ihm die Idee besprochen. Danach haben wir (Max, Götz, Sheldon & ich) uns in Berlin getroffen und nach einem langen und inspirierenden Gespräch habe ich gemerkt, dass Max und Götz sehr wertegetrieben (im Sinne von conscientious) sind. Ich bin sehr happy, dass das geklappt hat. Die Jungs sind super

Was hältst Du von den aktuellen Sneakertrends?

Was ist das?  Du meinst, dass sich viele Sneaker gerade in die Casual-Richtung bewegen und erwachsener werden? Was ich mag sind reduzierte Fomen und Linien sowie Produkte, die ohne riesen Logos auskommen. Man sieht auf  jeden Fall eine Veränderung der Schuhe immer in Verbindung mit der Hosenentwicklung. Seit einigen Jahen werden die Hose enger und Schuhe schlichter und mit schlankeren Silhouetten ohne viel Schnick-Schnack versehen.  Aber schlichte Sneaker gab’s auch vor Jahrzehnten schon…

Wie ökologisch und fair können Sneaker produziert werden und wie hast Du dich hier aufgestellt ?

Das Leder für die Schuhe wird chromfrei gegerbt und nach den Öko-Richtlinien eines großen deutschen Ökotextilabieters ausschließlich aus Portugal verwendet. Die Accessoires werden aus deutschem pflanzlich gegerbten Leder in Deutschland gefertigt. Durch die umweltfreundliche pflanzliche Gerbung des Leders werden keine Schwermetalle über die Haut aufgenommen. Das Canvas ist aus kontrolliert biologisch angebauten Rohstoffen produziert. Die Sohlen bestehen aus aus Latex gewonnenem Kautschuk und Rohgummi. Außerdem werden nickelfreie Materialien bei den Verschlüssen und Ösen verwendet. Die Logistik ist Co2-neutral. Bei der Herstellung der Produkte ist uns wichtig, dass für die Arbeiter in Portugal gerechte Entlohnung, geregelte Beschäftigungsverhältnisse, keine überlangen Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit und keine Diskriminierung wegen Geschlecht, Hautfarbe, Religion etc. gegeben sind. In Zukunft werden wir für die Sozialstandards wahrscheinlich mit der Fair Wear Foundation zusammenarbeiten.

Warum Portugal ?

Die Idee von nachhaltigen Produkten bedeutet für mich auch, sie nicht über den halben Erdball zu schicken. Ich habe versucht, eine professionelle Produktionsstätten in Europa zu finden, die es erlauben, Produkte zu ordentlichen Preisen anzubieten. Das haben wir für die Accessoires in Deutschland und bei den Schuhen in Portugal gefunden.  Außerdem haben wir in Portugal eine Produktionsstätte, die in 30-jähriger Tradition die Schuhe per Hand hergestellen. Ich bin von der Qualität sehr überzeugt.
Wann kommen die ersten Sneaker in die Shops und wo werden sie verkauft ?
Die Schuhe werden  ab Februar 2012 in ausgewählten Eco Fashion- & Sneaker Stores in Deutschland (und in ein paar Stores in Europa) sowie im eigenen Webshop vertrieben.

Was sind die nächsten Ideen, die Du hast ?

ekn footwear stellt in der Herbst Winter 2012 Saison Variationen bereits existierender Modelle und insgesamt fünf neue Modelle in verschiedenen Farb- und Materialzusammenstellungen vor. So gibt es z.B. Neuinterpretationen klassischer Modelle, eine vegane Linie mit Produkten aus Bio-Kork(!) oder auch hohe gefütterte Modelle für Damen und Herren geben. Das Konzept des Customizings für Sohlenfarben wird beibehalten. So können sich Händler aus insgesamt 6 verschiedenen Sohlenarten- und Farben ihre „eigenen“ Modelle gestalten. Auch wird es eine zweite Version des Max Herre „Signature-Modells“ und neue Accessoires geben.

Danke für das Gespräch!

Mit unserer neuen Interviewreihe “Im Gespräch” wird unser Redaktionsmitglied Bernd Hausmann in regelmäßigen Abständen einen geschärften Blick auf die Arbeit der umtriebigsten Pioniere der Community werfen. Öko-Aktivisten, Weltretter, Freidenker, Gutmenschen, kreative Rebellen und rebellische Designer ermöglichen einen immer deutlicher werdenden Wandel auf dem Markt, der sowohl dessen Angebot als auch die Parameter der Nachfrage verändern. Also lasst uns intensiv Anteil nehmen an dem, was schon da ist, um immer wieder dem guten Beispiel zu folgen.

Quelle
http://www.kirstenbrodde.de/?p=1794