Patrick Bungard

Patrick Bungard, Jahrgang 1980, ist in Köln geboren und aufgewachsen. Er arbeitet mit Akteuren aus der Wirtschaft (große und mittelständische Unternehmen) und der Zivilgesellschaft (Stiftungen, Vereine, Sozialunternehmen) daran, deren  individuellen Nachhaltigkeitsziele und -visionen zu verwirklichen und mit den gegebenen Mitteln eine größtmögliche Wirkung zu entfalten; sowohl für die Gesellschaft als auch für sie selbst. Zusammen mit dem Heldenrat e.V. unterstützt und begleitet Herr Bungard auf ehrenamtlicher Basis kleine soziale Initiativen und Vereine. Nach seinem Abitur hat Herr Bungard einige Jahre in Neuseeland, Mexiko und Spanien gelebt. Er besitzt einen Bachelor of Arts in europäischer Unternehmensführung und einen Master in internationalem Management. Als Zusatzqualifikation absolvierte er die Weiterbildung zum Stiftungsmanager an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Seine beruflichen Erfahrungen setzen sich im Wesentlichen aus drei Stationen zusammen. In der Wirtschaft hat Herr Bungard im Rahmen seiner Tätigkeiten bei der Unternehmensberatung Accenture in unterschiedlichen Branchen Change Management und IT Projekte konzipiert und begleitet. Den Nonprofit-Sektor kennt er durch seine Arbeit am Zentrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg. Dort hat er als Projektleiter mit Stiftungen, Sozialunternehmern und Nichtregierungsorganisationen kooperiert und Kompetenzen in den Bereichen der Wirkungsstrategien und Wirkungsmessung aufgebaut. Das Zusammenführen seiner Kompetenzen aus  dem Wirtschafts- und Nonprofit-Sektor führte Herrn Bungard in das Themenfeld der Corporate Social Responsibility  (CSR). In diesem Bereich  fungierte er als Lehrbeauftragter an der Universität Bayreuth und begleitete zahlreiche Unternehmen bei der Konzeption und Implementierung von CSR und Nachhaltigkeitsstrategien.
 

Nachhaltigkeit im Spannungsfeld zwischen Philanthropie und Greenwashing

Es gibt wohl nur wenige Begriffe, die in der jüngeren Vergangenheit inflationärer verwendet wurden als die der  Nachhaltigkeitsfamilie.  Dabei versteht unter Nachhaltigkeit jeder etwas anderes und für die einen ist es negativ, für andere positiv belastet. Besonders wenn sich Wirtschaftsunternehmen diesem Themenfeld nähern, gehen die Meinungen kontrovers auseinander. Fast jedes westliche Großunternehmen sowie eine Vielzahl an Mittelständlern wollen heute beweisen, dass sie ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen – und wie besonders gut sie das tun. Doch welche Motivation verbirgt sich dahinter? Sich als Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen zu schreiben, willkürlich Alibiprojekte durchzuführen und nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ zu hoffen, dass sich die Welt und die eigene Reputation verändert?  Sicher nicht. Das würde weder zu Marketingeffekten noch zur ernsthaften gesellschaftlichen Wertschöpfung führen. Dieser Versuch, Nachhaltigkeit als trojanischem Pferd für die Aufbesserung der Firmenreputation zu nutzen, wird im Volksmund auch „Greenwashing“ genannt. Ob es sich bei den zahlreichen Nachhaltigkeitsprojekten von Wirtschaftsunternehmen nun um Greenwashing handelt, ist von Fall zu Fall sicher unterschiedlich und von außen schwer zu beurteilen. In jedem Fall verliert das Thema Nachhaltigkeit kontinuierlich an Glaubwürdigkeit. Das ist bedauerlich, hat die Nachhaltigkeit mit ihrer tiefgehenden kulturellen und vielseitigen Vergangenheit nie etwas Böses gewollt.

Das andere Extrem ist das willkürliche Spenden oder das “selbstlose Engagement“.  Das verursacht “Kosten“ ohne Rendite und würde beim nächsten finanziellen Engpass der Organisation auf Rang eins der Streichliste stehen. Nachhaltigkeitsprojekte ohne die Erwartung etwas zurück zu bekommen, fallen in den Bereich der Philanthropie. Sicher sehr ehrenwert - aber für Wirtschaftsunternehmen leider nicht krisensicher. Aus diesem Grund wird auch in diesem Fall weder die potentielle gesellschaftliche Wertschöpfung vollends ausgeschöpft, noch würde sich das “Zurückziehen“ oder “Streichen“ von Nachhaltigkeitsaktivitäten positiv auf die Reputation bei Mitarbeitern, Kunden oder anderen Stakeholdern auswirken.

Das Pendel scheint also zwischen den zwei Extremen Greenwashing und Philanthropie zu schlagen. Aber was befindet sich in dem Bereich dazwischen? Wie kann es gelingen, betriebswirtschaftliche und soziale Wertschöpfung nicht zu trennen, sondern in  Einklang zu bringen? Das die eine Seite nicht auf Kosten der anderen geht, sondern die  Verknüpfung dieser beiden Seiten Potentiale auf der betriebswirtschaftlichen und sozialen Seite gleichzeitig erhöht? Die drei im Folgenden skizzierten Punkte sollen dazu als Orientierungshilfe dienen. 

1) Nachhaltigkeit als Investition verstehen

Wirtschaftsunternehmen sollten Nachhaltigkeit als “Investition“ verstehen. D.h. es entsteht Wertschöpfung und eine Rendite. In diesem Fall sowohl für den Investor, also das Unternehmen selbst, als auch für unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft. Um die wirtschaftliche Rendite einer Investition einschätzen zu können gibt es in den Unternehmen zahlreiche Experten. Aber wie schaut es mit der sozialen und gesellschaftlichen Rendite aus?

2) Wirkungsorientierung als Managementaufgabe institutionalisieren

Die Komplexität, die Wirkung (Rendite) einer Nachhaltigkeitsinvestition zu antizipieren und zu verstehen wird häufig unterschätzt. Gleichwohl bedeutend ist es, dies zu lernen und als Managementaufgabe anzunehmen. Wirkung hängt nicht in erster Linie alleine von der Höhe des finanziellen Rahmens ab. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr “Gutes“ automatisch damit passiert. Wichtiger ist die Frage, was mit dem Geld gemacht wird. Wie bei einer monetären Investition, ist es entscheidend, die richtigen Hebel zu bewegen. Hierbei geht es um Effizienz und Effektivität. Die Effizienz einer Nachhaltigkeitsinvestition beschreibt das Verhältnis von eingesetzten Ressourcen zu den durchgeführten Maßnahmen. Wie in klassischen Wirtschaftsprojekten gibt es zahlreiche Ansätze diese zu optimieren. Ein ebenso bedeutender Punkt, ist das Hinterfragen der Effektivität. Diese beschreibt den Zielerreichungsgrad und die tatsächliche Wirkung auf Ebene der unterschiedlicher Zielgruppen und der Gesellschaft im Allgemeinen im Verhältnis zu den durchgeführten Aktivitäten.

Die Effizienz und Effektivität von Nachhaltigkeitsinvestitionen zu “managen“ beinhaltet klassische Management-Zyklen wie die Erarbeitung einer Mission, der Formulierung von “S.M.A.R.T.en“ Wirkungszielen, dem Erarbeiten einer Strategie, dem Ableiten, Entwickeln und Umsetzen von Projekten und Programmen, der Evaluation und Erfolgskontrolle und dem stetigen optimieren und verbessern.

Die im Folgenden aufgezählten Effekte bieten einen oberflächlichen Eindruck, welche Hürden im Rahmen von Nachhaltigkeitsprojekten auftreten können:

• Der Attributions-Effekt beschreibt den Anteil anderer Organisationen an der Wirkung. Gibt es bereits Akteure, die die eigentliche Wirkung hervorrufen und somit das eigene Nachhaltigkeitsprojekt überflüssig machen?

• Das Deadweight hinterfragt: Was wäre sowieso passiert? Oft werden Veränderungen in der Gesellschaft bestimmten Projekten und Initiativen zugeordnet. Bei genauem Hinschauen lässt sich jedoch dann feststellen, dass eigentliche natürliche Veränderungen der Auslöser waren.

• Der Drop-Off Effekt bestimmt den Grad der Abnutzung. Projekte können im Laufe der Zeit stark an Wirkung verlieren. Sollte die Abnutzung der Wirksamkeit nicht festgestellt werden, werden Ressourcen unnötig verschwendet.

• Die Subjektivität von Wirkung ist besonders für Nachhaltigkeitsprojekte mit internationaler Ausrichtung von Bedeutung, vorrangig bei großen internationalen Konzernen. In unterschiedlichen Kulturen und Nationen herrscht teilweise ein vollkommen anderes Verständnis von Nachhaltigkeit.

• Der Displacement-Effekt, auch Verdrängungseffekt genannt,  dient der Fragestellung ob ein Problem tatsächlich vollständig gelöst wurde; oder ob es an anderer Stelle in gleicher oder veränderter Form wieder auftaucht.

• Ein Verständnis der Dynamik von Nachhaltigkeitsprojekten ist wichtig, da Nachhaltigkeitsziele sich während der Projektlaufzeit verändern können. 

Ein Unternehmen, das durch Nachhaltigkeits- und CSR-Strategien “auch“ betriebswirtschaftliche Wettbewerbsvorteile erreichen möchte, sollte neben den betriebswirtschaftlichen, dringend auch im Bereich der Wirkungsorientierung Kompetenzen aufbauen.

3) Kerngeschäft des Unternehmens als Innovationsquelle sehen

Um effizient und effektiv sein zu wollen, muss ein Unternehmen versuchen, Kräfte und Ressourcen sinnvoll einzusetzen, anstatt unnötig zu verschwenden. Nachhaltigkeit muss dafür eng mit dem eigentlichen Kerngeschäft verknüpft werden. Dabei ist eine systematische Betrachtung entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig.