Peter Ristic

Peter Ristic, Jahrgang 1954, stieg 1977 ins elterliche Unternehmen ein, das 1961 in Nürnberg gegründet wurde und seit 1986 in Oberferrieden ansässig ist. Die Ristic AG ist heute ein weltweit führender Anbieter bei der Produktion und Vermarktung von Meeresfrüchten. Neben der Prime Catch Seafood GmbH im fränkischen Oberferrieden gehört auch die Rainbow Export Processing SA in Puntarenas / Costa Rica zur Unternehmensgruppe. Als einziger ­Hersteller in Deutschland bietet Ristic vom Institut für Marktökologie (IMO) und von Naturland ökologisch zertifizierte Zucht-Garnelen auf dem europäischen Markt an. Ristic hält damit eine Ausnahmeposition unter den Importeuren von rohen Garnelen. Das Unternehmen steuert vom fränkischen Firmensitz in Oberferrieden aus die weltweiten Import-, Vertriebs- und Service-Aktivitäten. Ristic beschäftigt insgesamt rund 250 feste Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Für sein Engagement wurde Peter Ristic 2010 vom Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) mit dem Preis für Unternehmensethik ausgezeichnet. Peter Ristic ist verheiratet und hat drei Kinder.

Weiterführende Informationen:
www.ristic.com

 

 

Handel & Konsum

Was eine nachhaltige Garnelenproduktion ausmacht

Der weltweite Fischbedarf wird durch etwa 50 Prozent durch konventionelle Aquakulturen abgedeckt – allerdings stellen sie vielfach eine enorme Umweltbelastung dar. Zudem sind sie mit der konventionellen Geflügelmast vergleichbar. Die Massentierhaltung auf engstem Raum hat einen intensiven Einsatz von Antibiotika, Pestiziden und Desinfektionsmitteln zur Folge. Zahlreiche Abwässer werden ungeklärt in die Landschaft gepumpt. Die Bio-Aquakultur dagegen ist Teil einer langfristigen Lösung: die Kultivierung bietet kontrollierbare Bedingungen, unter denen Bio-Qualität nachvollziehbar umgesetzt werden kann.

Bio-Garnelen aus Aquakulturen sind seit Jahren ein stark wachsender Bereich der Lebensmittelproduktion. Seit 2010 gibt es eine EU-Bio-Richtlinie für Bio-Meeresfrüchte und Bio-Fisch. Die Ristic AG ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das durch das Institut für Marktökologie (IMO) und Naturland ökologisch zertifizierte Zucht-Garnelen („Bio-Garnelen“) aus Ecuador auf dem europäischen Markt anbietet. Die Garnelen aus Costa Rica tragen das EU-Zertifikat für Bioprodukte und gehören zu den ersten, die nach den EU-Biorichtlinien ausgezeichnet wurden.

Nachgefragt bei: Peter Ristic, Vorstandsvorsitzender der Ristic AG

 

Worin besteht der Unterschied zu konventionellen Aquakulturen?

Peter Ristic: Bereits seit Jahren setzen wir uns für eine nachhaltige und artgerechte Garnelenproduktion, bei der Krankheiten, Überfütterung und der Einsatz von Antibiotika und anderen Chemikalien ausgeschlossen werden. Unsere Garnelen kommen aus Aquakulturen mit ökologischer Ausrichtung. Hier werden die Tiere, die später als Ristic Bio-Garnelen verkauft werden, artgerecht gehalten. Ihr Lebensraum sind großflächige Teiche, in denen genügend Algen und Plankton wachsen, so dass gar nicht oder nur wenig zugefüttert werden muss. Zudem erhalten sie ausschließlich Biofutter. Dadurch wird sichergestellt, dass sich im Futter keine gentechnischen Veränderungen befinden und weder Chemikalien noch Antibiotika an die Tiere verfüttert werden.

Ihre Garnelen erfüllen die Naturland-Voraussetzungen. Was bedeutet das konkret?

Naturland-Siegel werden für Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft und Aquakultur sowie auch für Produkte aus ökologischer Waldnutzung, Textilherstellung und Kosmetik vergeben. Das Management und Personal unserer Farmen ist sehr gut ausgebildet und setzt die Regelungen entsprechend um. Seit Mitte der 90er Jahre hat Naturland Richtlinien für die anerkannt ökologische Aquakultur entwickelt und ist weltweit federführend auf diesem Gebiet. Zu den strengen Richtlinien gehören z.B. die sorgfältige Standortwahl, Schutz von Gewässern und umliegenden Ökosystemen, niedrige Besatzdichten und artgerechte Haltung, zertifiziertes Öko-Futter, Verzicht auf Gentechnik und chemische Zusätze, keine Wachstumsförderer oder Hormone oder hohe Sozialstandards.

Gilt das auch für die Verarbeitung?

Selbstverständlich geht auch hier Naturland keine Kompromisse ein: So wird die Verarbeitungskette lückenlos kontrolliert, auch werden ausschließlich Verwendung zertifizierte Öko-Zutaten verwendet sowie auf Phosphat, Sulfit und Zusatzstoffe verzichtet.

Naturland hat die Abholzung der wertvollen Ökosysteme für die Errichtung von Teichen zur Shrimpszucht verboten und verlangt die Wiederaufforstung dieser sensiblen Gebiete. Die Erhaltung der Mangrovenwälder ist auch ein wichtiges persönliches Anliegen von Ihnen. Was wurde bisher konkret getan?

Bisher wurden fast 20.000 Mangroven zur Aufforstung der zum Beispiel durch exzessive Aquakultur zerstörten Küstengebiete eingepflanzt. Zudem finanzieren wir eine eigene Aufwuchsstation für Mangrovenpflanzen, die kontinuierlich ausgesetzt werden und so zukünftig ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten sollen.

Wie wird Ihr nachhaltiges Engagement von außen wahrgenommen?

Stiftung Warentest attestierte bereits 2006, dass die Bio-Garnelen von Ristic zwar etwas teuer, aber „gut“ sind und sich das Unternehmen durch ein hohes Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern auszeichnet. So entstand ebenfalls 2006 eine für Mittelamerika einzigartige, nach europäischen Richtlinien geplante Produktionsanlage. Dank der neuen Verarbeitungsfabrik „The Rainbow Export SA“ konnte die Weiterverarbeitung der Garnelen an Land den hohen Qualitätsvorstellungen unseres Unternehmens angepasst werden. Gleichzeitig wurden so rund 400 Arbeitsplätze in der wirtschaftlich sehr schwachen Region geschaffen. Regelmäßig besuchen unsere Mitarbeiter die Lieferländer und überprüfen die nach den strengen EU-Richtlinien vorgegebenen Standards. Das ist auch ein Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit kein leerer Begriff ist, solange wir glaubwürdig und transparent wirtschaften.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt.