Prof. Dr. Anabel Ternès

Prof. Dr. Anabel Ternès ist Unternehmerin, Social Entrepreneur, Autorin und Keynote Speaker. Sie blickt auf eine langjährige Führungserfahrung in internationalen Unternehmen zurück und leitet das Institut für Nachhaltiges Management (IISM), hält eine Professur für Kommunikationsmanagement und E-Business an der SRH International Management University Berlin, sowie eine Gastprofessur an der German University in Cairo. Ihre Schwerpunktthemen sind Digitalisierung, Nachhaltiges Management und Strategisches Marketing. Im Bereich Digitalisierung forscht Anabel Ternès mit mehreren Teams praxisnah zu den Themen Work 4.0, darunter zu Home Office-Lösungen, Life Long Learning und Gesundheitsmanagement.

Anabel Ternès engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Integration und Bildung. Sie leitet die gemeinnützige Organisation Get Your Wings und ist Botschafterin für Same Sky. Als Geschäftsführerin eines Company Builders unterstützt sie Start-ups mit nachhaltigen Geschäftsmodellen. Anabel Ternès ist in verschiedenen internationalen Gremien, Expertengruppen, Editorial Boards und Think Tanks vertreten, die sich mit ihren Schwerpunktthemen beschäftigen.

Weitere Informationen:
Anabel Ternès
http://www.anabelternes.de

Institut für Nachhaltiges Management (IISM):
https://www.srh-hochschule-berlin.de/de/forschung/forschungsinstitute/internationales-institut-fuer-nachhaltigkeitsmanagement-iism/


NACHHALTIGKEITSMANAGEMENT

Ein Entwicklungsansatz für unternehmerische, soziale und digitale Nachhaltigkeit

Mehr denn je sind die Gesellschaft und ihre Unternehmen gefordert, ihre Lebens- und Wirtschaftsweise an den Erfordernissen einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Die steigende soziale Ungleichheit, zunehmende Zahl an psychischen und physischen Erkrankungen, Übernutzung natürlicher Ressourcensteigende sowie die politischen und wirtschaftlichen Krisen und schlechtes Management stehen beispielhaft für die zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Menschheit heute und in Zukunft stellen müssen. Die Fortschritte in den Entwicklungs- und Schwellenländern und eine prognostizierte Weltbevölkerung von über neun Milliarden bis zur Mitte dieses Jahrhunderts verschärfen die Dringlichkeit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.

Nachhaltigkeit ist in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft daher inzwischen zu einem akzeptierten Leitbild geworden. Am  Internationalen Institut für Nachhaltiges Management (IISM) wird sie als langfristige Wirkung, aber auch als Balance in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und bzw. oder ökologischen Systemen verstanden. Das Institut beschäftigt sich u.a. mit Nachhaltigkeit in Human Resources Management, Change Management, Capacity Building, Entrepreneurship, E-Business, Marketingkommunikation, Interkulturellem Management, Corporate Social Responsibility und Energy & Environment.

Die wesentliche Leitidee einer nachhaltigen Wirtschaftsweise (Sustainable Development) ist die globale Gewährleistung individueller Chancen zur Sicherung von Grundbedürfnissen. Ebenfalls ist die Verwirklichung hoher Lebensqualität bei Erhalt der Natur und menschengerechter Gesellschaftsverhältnisse ein zentraler Aspekt. Mit einem exzellenten Nachhaltigkeitsmanagement sollen soziale, ökonomische und ökologische Aspekte in und mit Unternehmen integrativ berücksichtigt und zu einer neuen innovativen Denk- und Sichtweise, einem Nachhaltigkeitsbewusstsein (Sustainability Awareness), zusammengeführt werden.

Das Ziel des IISM ist es daher, nachhaltige Entwicklungen an den Schnittstellen von Wirtschaft & Umwelt sowie Wirtschaft & Gesellschaft zu erforschen. Gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen werden identifiziert und ihre globale Vernetzung analysiert. Die Projekte des Instituts sind interdisziplinär angelegt und orientieren sich an praktischen Problemstellungen. Es ist mit einer Reihe von exzellenten nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen vernetzt und steht für Kooperationen und die gemeinsame Bearbeitung von Forschungsfragen, dem wissenschaftliche Austausch sowie die gemeinsame Betreuung von Master-Absolventen und Doktoranden zur Verfügung. Für die nachstehenden Themen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, besitzt das Institut ein exzellentes Renommee:

A) Kommunikation, Marketing und Vertrieb

In der VUKA-Welt, die von den Megatrends Digitalisierung, Globalisierung, Wertewandel und demografischer Wandel bestimmt wird, ist Kommunikation der essentielle Faktor für die erfolgreiche Gestaltung eines Wandels hin zu mehr Nachhaltigkeit, der sogenannten großen Nachhaltigkeitstransformation (Sustainability Transformation), und einer vernetzten, lebendigen und menschlichen Kultur.

Kommunikation ist der Schlüssel, welcher Menschen, Unternehmen und Nationen sowie alle Themen und Disziplinen verbindet, um gemeinschaftlich die besten inter- und transdisziplinären Lösungen zu finden. Im Mittelpunkt steht eine Nachhaltigkeitspsychologie (Sustainability Psychology) bzw. Nachhaltigkeitsphilosophie (Sustainability Philosophy) der Balance und Harmonisierung, welche sich bereits im Triple-Bottom-Line-Ansatz, auch als "Drei-Säulen-Prinzip der nachhaltigen Entwicklung“ bezeichnet, zeigt. Innovation ist fast immer das Ergebnis von Kommunikation. 80% aller Innovationen sind Rekombinationen von existierenden Ideen, Konzepten und Technologien.

In der Mikroökonomie hat das Thema Nachhaltigkeit bereits Einzug in das Marketing und Reputationsmanagement sowie die Unternehmenskommunikation und Markenführung gehalten.

Vor allem die Digitalisierung spielt im Rahmen von Online Marketing, Digital Sales, Digital Branding oder Social Media Management eine zentrale Rolle und erzeugt eine ganz neue Dimension. Der digitale Wandel gilt daher als die zentrale unternehmerische und gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit und ist auf das engste mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden.

Ein Spezialgebiet, welches als Schnittstelle das Kommunikationsmanagement mit dem Personalmanagement und dem Digital Management vereint, ist das Employer Branding bzw. die Employer Reputation, welches zumeist in der HR-Abteilung angesiedelt ist.

B) Personalmanagement und People Management

Es wird immer deutlicher, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und immer mehr zum entscheidenden Faktor für ökonomischen Erfolg wird. Der Begriff „Humanressource“, welcher den Mitarbeiter letztlich als „Verbrauchsmaterial“ sieht, wird dem Bild des modernen Mitarbeiters nicht mehr gerecht. Die Mitarbeiter als Kompetenz-, Potenzial- und Innovationsträger sind der größte Wert eines jeden Unternehmens. Es ist Aufgabe des Managements die Kompetenzen der Mitarbeiter bestmöglich zu entwickeln und deren Potenziale zur Entfaltung zu bringen. Dabei gewinnt das Thema Kompetenz-Management aufgrund der zunehmenden Vernetzung und Komplexität der Digital Global Business World immer mehr an Bedeutung. Zu den essentiellen Skills zählen dabei Selbst-, Gesundheits- und Kommunikationskenntnisse, um in global vernetzten Organisationen und einer beschleunigten Arbeitswelt erfolgreich navigieren zu können. Dies drückt der Begriff „Human Potential“ oder „Human Relations“ wesentlich besser aus.

Mit einem nachhaltigen Personalmanagement (nHRM), das seine Handlungen, Konzepte und Strategien an langfristigem, wirtschaftlichem Erfolg und an allen betroffenen Stakeholdern ausrichtet steht das Personalmanagement vor einem Paradigmenwechsel. Es spricht dabei sowohl die Funktion der Personalführung als auch die der Personalverwaltung an. Ein nHRM beinhaltet aber auch zentral die Themen Betriebliches Sozialmanagement, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Demografie- und Diversity- Management sowie Betriebliches Bildungsmanagement. Denn vor allem gesunde, motivierte, vernetzt denkende und kreative Mitarbeiter sind der Schlüssel für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Veränderungen des Führungsstils und der Führungskultur haben dabei wichtige positive Effekte auf die Motivation und das ganzheitliche Wohlbefinden von Menschen sowie auf die Ergebnisqualität.

Die Digital Business Transformation führt auch hier zu neuen Möglichkeiten im Rahmen von Digital HR, Digital BGM, Digital Learning bzw. Blended Learning.

C) Unternehmertum und Verantwortung

Eine Nachhaltigkeitstransformation erfordert auch im Kern den Wandel von Unternehmen. Nach- haltiges Unternehmertum ist hier ein bedeutsamer Treiber einer umfassenden Transformation. Nachhaltigkeitspioniere bzw. nachhaltige Unternehmer führen neue Produkt- und Dienstleistungsangebote ein und treiben Nachhaltigkeitsinnovationen voran. Nachhaltiges Unternehmertum (Sustainable Entrepreneurship) beinhaltet allerdings nicht nur die Optimierung von Produktionsprozessen und Produkten zur nachhaltigen Unternehmens- und Geschäftsentwicklung, sondern auch eine gesellschaftliche Gestaltungsrolle als Kernaktivität. Es ist daher eines der besten Mittel gegen Armut und soziale Spaltung.
In einer Welt, die immer komplexer und digitaler wird und mit ihr auch das eigene Leben, vernetzt sich im Rahmen der Industrie 4.0 die reale Wirtschaft zunehmend mit der digitalen Wirtschaft. Eine zunehmende Komplexität kennzeichnet dabei alle Lebensbereiche als unüberschaubare Fülle an Daten und Informationen über sich immer rascher verändernde Faktoren und Zusammenhänge. Die Digitalisierung verändert dabei das Leben aller Menschen in einem Maße vergleichbar der Industriellen Revolution und es wird immer deutlicher wie eng die Schicksale miteinander verknüpft sind. 

Im Rahmen des digitalen Wandels ist es Zeit für eine Wirtschaft, welche ihren Erfolg auf sozialer unternehmerischer Verantwortung (Corporate Social Responsibility) baut. In den Unternehmen ist es an der Zeit, dass Gesundheit, Vielfalt, Innovation und Kreativität als Teil der Unternehmenskultur gelten, soziale Kompetenzen an Bedeutung gewinnen, Veränderungen gemeinsam angestrebt und als Chance gesehen werden, Individualität und Authentizität gefragt ist, und eine angstfreie Wohlfühlatmosphäre geschaffen wird. Es geht in den Unternehmen um eine klare Positionierung von ethischen Grundsätzen.

Wenn die Zukunft der Wirtschaft nicht in diese Richtung geht und der Mensch immer weiter an den Rand des Wirtschaftslebens gedrängt wird und eher als Störfaktor denn als Sinn des Ganzen empfunden wird, dann sieht es schlecht aus. Die entscheidende Frage ist daher, was ist zu tun, um diese Erkenntnisse in die Praxis zu übersetzen und den angeblichen Widerspruch zwischen zufriedenen, gesunden Menschen und Leistung zu schließen. Die Digitalisierung wird dies erforderlich machen.

Durch die Analyse zahlreicher Misserfolge der letzten Jahre stellt sich immer stärker heraus, dass Erfolg ausbleibt oder nicht nachhaltig ist, wenn ein Vorhaben von allzu vereinfachenden Annahmen über Menschen und ihr Verhalten ausgeht. Das betrifft sowohl den Gesamterfolg der Unternehmen, als auch Konzepte und Strategien, welche in und von Unternehmen umgesetzt werden wollen.

Solidarität als Prinzip der Menschlichkeit bzw. soziales Engagement ist immens wichtig für die Gestaltung einer Gesellschaft und nachhaltig erfolgreiche Unternehmen.

Stand: Januar 2017