Prof. Dr. Nicole Fabisch

Prof. Dr. Nicole Fabisch lehrt seit 2008 als Professorin für Marketing und Internationales Management an der EBC Hochschule Hamburg u.a. Business Ethics/CSR. Sie ist Leiterin der Steuerungsgruppe „Fairtrade University“ und des Forschungs-Clusters „CSR und Nachhaltigkeit“. Nach Abschluss ihres Studiums der Kommunikationswissenschaft und Germanistik (M.A.) an der FU Berlin war Nicole Fabisch in verschiedenen beruflichen Positionen in den Bereichen Medien (ARD, SAT1), Marketing (MCA/Universal Music) und Beratung in Deutschland und im asiatischen Raum (China, Thailand, Singapur) tätig. Sie absolvierte ein postgraduiertes Aufbaustudium Marketing und promovierte berufsbegleitend zum Thema „Soziales Engagement von Banken“ zur Dr. rer. pol. (BWL) Sie ist Autorin einer Vielzahl von Artikeln zu Corporate Social Responsibility/Nachhaltigkeit, verheiratet und Mutter einer Tochter.
 

Corporate Social Responsibility (CSR) entspricht unternehmerischer Nachhaltigkeit
 

Corporate Social Responsibility (CSR) ist sowohl auf europäischer wie deutscher Ebene in Politik und Wirtschaft angekommen. Dies wird auch durch die bereits 2014 verabschiedete Richtlinie zur „Offenlegung nichtfinanzieller Informationen“ für Unternehmen bekräftigt, die Anfang 2017 in Kraft trat. Sie verpflichtet „große im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehende Unternehmen (börsennotierte Unternehmen, Banken, Versicherungsunternehmen und andere von den EU-Ländern als wichtig eingestufte Unternehmen) mit mehr als 500 Beschäftigten […] nichtfinanzielle und die Diversität betreffende Informationen in ihren Geschäftsberichten offenzulegen“ (EU Kommission 2016). Die Themen, die seitens der EU aufgelistet werden, umfassen die Umwelt, soziale und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte, die Bekämpfung von Korruption und Bestechung und Diversität in den Leitungs- und Kontrollorganen (ebd.).

Der Begriff der CSR wird aber noch keineswegs von allen Akteuren gleich verstanden. Dies liegt unter anderem daran, dass im angloamerikanischen Sprachraum unter CSR lange Zeit eher Aktivitäten verstanden wurden, die man „hierzulande als bürgerschaftliches Engagement“ bezeichnen würde (Loew/ Rohde 2013, S. 5). Zum anderen wurde das Englische „social“ oftmals verkürzt als „sozial“ wiedergegeben, anstatt es mit gesellschaftlich zu übersetzen und somit auch die umweltpolitische Komponente einzubeziehen (vgl. Fabisch 2004, S. 30). Andererseits hatte sich in Deutschland das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung vor allem aus dem Umweltschutzgedanken heraus entwickelt, was dazu führte dazu, dass CSR teilweise eher als „soziales Engagement“ und „Nachhaltigkeit“ eher als Umweltthema verstanden wurde.

Mittlerweile setzt sich jedoch länderübergreifend zunehmend das Verständnis durch, dass CSR und Nachhaltigkeit weitgehend die gleichen Inhalte umfassen.

Diese Auffassung wird durch zwei zentrale Initiativen und deren Publikationen bestärkt: Die DIN ISO Norm 26000 von 2010 und die neue „EU-Strategie (2011-14) für die soziale Verantwortung von Unternehmen“ (EU-Kommission 2011). Da sich die nicht zertifizierbare ISO-Norm nicht nur an Unternehmen richtet, wurde das „Corporate“ getilgt und durch „gesellschaftliche Verantwortung“ ersetzt. DIN ISO 26000 definiert folgendermaßen: „Zentrales Merkmal gesellschaftlicher Verantwortung ist der Wille einer Organisation, soziale und umweltbezogene Überlegungen in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen und Rechenschaft über die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf Gesellschaft und Umwelt abzulegen“  (DIN ISO 26000 2011, S. 20).

Auch die EU Kommission legte nach dem Grünbuch von 2001, in dem die internen  Themenfelder „Humanressourcenmanagement, Arbeitsschutz, Anpassung an den Wandel, Umweltauswirkungen und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen“ sowie die externen Bereiche „Lokale Gemeinschaften, Geschäftspartner, Zulieferer und Verbraucher Menschenrechte und globaler Umweltschutz adressiert und die Freiwilligkeit aller Maßnahmen betont wurde, im Jahr 2011 eine neue Definition vor. Hiernach versteht die EU unter CSR „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“. „Nur wenn die geltenden Rechtsvorschriften und die zwischen Sozialpartnern bestehenden Tarifverträge eingehalten werden, kann diese Verantwortung wahrgenommen werden“ (EU Kommission, 2011, S. 7). Damit die Unternehmen ihrer […] [gesellschaftlichen] Verantwortung in vollem Umfang gerecht werden, sollten sie auf ein Verfahren zurückgreifen können, mit dem soziale, ökologische, ethische, Menschenrechts- und Verbraucherbelange in enger Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in die Betriebsführung und in ihre Kernstrategie integriert werden. (ebd.).

Beide Definitionen zur CSR kommen einem aktuellen Verständnis von Nachhaltigkeit (Sustainability) sehr nahe. So definiert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) CSR als „die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens“ (BMAS 2016) und der, von der deutschen Bundesregierung berufene Rat für nachhaltige Entwicklung formuliert: “Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen“ (Nachhaltigkeitsrat 2016). Dieser Dreiklang wird in der angloamerikanischen Literatur auch als „Triple P“ als der Verantwortung gegenüber people, planet und profit beziehungsweise als Triple Bottom Line bezeichnet (Elkington 1997).

Auf nationaler Ebene lässt sich der Dreiklang in die verschiedenen unternehmensrelevanten Handlungsfelder Markt, Umwelt, Arbeitsplatz und Gemeinwesen aufteilen (CSR Forum 2010, S. 8). Letzteres macht dahingehend Sinn, da die soziale Säule, People, interne und externe Stakeholder und Themenfelder umfasst (vgl. Abb. 1). Hierbei kann es sich beispielsweise um Mitarbeiter/innen im In- und Ausland, Anwohner/innen neben den Produktionsstätten oder auch Bedürftige im Umfeld des Unternehmens handeln. Im globalen Kontext lassen sich diese Aktionsfelder um die Verantwortung innerhalb der Lieferkette oder gegenüber globalen Ressourcen ausdifferenzieren. So gehören menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne entlang der Lieferketten auch außerhalb der EU in den Sektor „Arbeitsplatz“. Weitere global relevante Themen lassen sich aus den Ende 2015 verabschiedeten 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ableiten (UNSDG 2015).

CSR hat sich im Sinne der Nachhaltigkeit vom Aushängeschild einiger Unternehmen zur strategischen Herausforderung für die gesamte Wirtschaft gewandelt. So gab es zwar immer schon ehrbare Kaufleute, sozial verantwortliche Unternehmen und großzügige Mäzene, doch „echte“ CSR modernen Zuschnitts geht tiefer. Sie adressiert nicht nur die Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt, sondern hinterfragt das Kerngeschäft des Unternehmens, indem sie dessen licence to operate einfordert. Bestimmten sozial und ökologisch besonders schädlichen Formen der Geschäftstätigkeit wird zukünftig unter Umständen diese Legitimation abgesprochen.

Es wird also deutlich, dass zwischen Sustainability Reporting, „CSR- und Nachhaltigkeitsberichten oder CSR-Management und Nachhaltigkeitsmanagement in der Praxis kein Unterschied besteht.“ (Loew/Rohde 2013, S. 10).

Quellen:

BMAS (2016): Was ist CSR?, unter: http://www.csr-in-deutschland.de/DE/Was-ist-CSR/Grundlagen/grundlagen.ht... (Zugriff am 30.03.2016)

DIN ISO 26000 (2011): Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung (ISO 26000:2010), Berlin.

Elkington, J. (1997): “Cannibals with Forks: the Triple Bottom Line of 21st Century Business”,Capstone.

EU Kommission (2016): Richtlinie 2014/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen unter: http://ec.europa.eu/finance/company-reporting/non-financial_reporting/in... (Zugriff am 07.04.2016)

EU Kommission (2011): Mitteilung „Eine neue EU-Strategie (2011-14) für die soziale Verantwortung der Unternehmen (CSR)“, KOM(2011) 681 endgültig, unter: http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sustainable-business/corporate-s... public-consultation/index_de.htm, abgerufen am 12.01.2015.

Fabisch, N. (2013): Compliance und Corporate Social Responsibility. In: Behringer, S. (Hrsg.): Compliance kompakt. Best Practice im Compliance-Management, 3. durchgesehene und wesentlich erweiterte Aufl. , Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 347 – 365.

Fabisch, N. (2004): Soziales Engagement von Banken. Entwicklung eines adaptiven und innovativen Konzeptansatzes im Sinne des Corporate Citizenship von Banken in Deutschland. Diss. München, Mering.

Loew T., Rohde F. (2013): CSR und Nachhaltigkeitsmanagement. Definitionen, Ansätze und organisatorische Umsetzung im Unternehmen, Berlin.

Loew, T.; Braun, S. (2009): CSR - Handlungsfelder – Die  Vielfalt  verstehen. Ein Vergleich aus der Perspektive von Unternehmen, Politik, GRI und ISO 26000. Berlin, München.

Loew, T.; Ankele, K.; Braun, S.; Clausen, J. (2004): Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion für Nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen mit Fokus Berichterstattung, Endbericht Münster und Berlin.

Nachhaltigkeitsrat (2016): Was ist Nachhaltigkeit?
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/nachhaltigkeit/ (Zugriff am 29.03.2016)

UPJ 2016: Über UPJ, unter: http://www.upj.de (Zugriff am 07.04.2016)

Auszug aus dem Artikel:
Fabisch, N. (2017): CSR 4.0 und neue Arbeitswelten – (auch) eine Frage der Haltung, in: Spieß, B.; Fabisch, N.: (Hrsg.) (2017): CSR und neue Arbeitswelten. Perspektivwechsel in Zeiten von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Industrie 4.0, Springer Gabler, S. 3-26

Stand: April 2017