Reiner Hengstmann

Dr. Reiner Hengstmann, Jahrgang 1962, ist seit 2009 Globaler Direktor für den ­Bereich Umwelt- und Sozialstandards sowie Nachhaltigeit bei der PUMA SE. Von Vietnam aus leitet er ein Team, das weltweit die Nachhaltigkeit in der kompletten Lieferkette umsetzt. Nach einem Chemiestudium promovierte er mit einem Thema zu der ubiquitären Verteilung und der Auffindung von ­Dioxinen und Furanen in einer Kleinstadt. Von 1991 bis 1994 war er Laborleiter eines Chemischen Laboratoriums für Umweltanalytik in Halle/Saale. 1994 wechselte Hengstmann an den Lehrstuhl für Umweltverfahrenstechnik der Universität Erlangen. 1995 übernahm er die Position des wissenschaftlichen Direktors dieses Instituts. Seit 1999 ist Hengstmann zuständig für die Bereiche Umwelt und Soziales der PUMA SE; zuerst am Stammsitz in Herzogenaurach und seit 2005 in Manila. Er ist Vorsitzender des Umweltausschusses des Europäischen Verbandes der Sportartikelindustrie FESI. Reiner Hengstmann war verantwortlich für die Durchführung der ersten Umweltbilanzierung, Environmental Profit & Loss, eines global tätigen Unternehmens, in welchem der gesamte Umwelteinfluss der kompletten Lieferkette der PUMA SE als auch der des Unternehmens erstmals finanziell bewertet wurde. Er ist Vater eines Sohnes und lebt in Ho Chi Minh, Vietnam.

Weitere Informationen:
www.puma.com

 

Sportlifestyle und Nachhaltigkeit

»Als nachhaltig kann eine Gesellschaft ganz allgemein dann definiert werden, wenn sie so strukturiert ist, dass sie den Anforderungen der Gegenwart gewachsen ist und dabei nicht die Möglichkeit der nächsten Generationen einschränkt, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.«

In einem im Jahr 1970 im Times Magazine erschienenen Artikel argumentierte der Ökonom Milton Friedman, dass der alleinige Zweck von Unternehmen in der Optimierung des Gewinnes für die Aktionäre liegt. Außerdem behauptete er, dass wenn Unternehmen den Begriff der Verantwortlichkeit adoptieren, sie sich zu sehr binden im Vergleich zu denen, die dieses nicht machen und demnach weniger wettbewerbsfähig werden.

Es ist unumstritten, dass der Sinn eines jeglichen Geschäftsgebahrens die Optimierung des Gewinnes ist; das aber nicht um jeden Preis. Unser Wirtschaftsmodell basiert auf einem Denken, das noch aus den Zeiten der industriellen Revolution stammt. Damals ging man davon aus, dass die Ressourcen der Natur unerschöpflich sind beziehungsweise sich unsere Natur selbst von den Schäden, die ihr zugefügt werden, erholen kann. Diese Art und Weise des Wirtschaftens müssen wir ändern. (PUMA CEO Jochen Zeitz, 2011)

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Anliegen von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Ein Paradigmenwechsel zur Einstellung der Nutzung der natürlichen Ressourcen, zum Klimawechsel ist unumgänglich, um das oberste Gebot der Selbsterhaltung und der Generationengerechtigkeit aufrechtzuerhalten.

Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, ist es unumgänglich, dass wir den Begriff der Nachhaltigkeit eindeutig verstehen. Der Begriff der Nachhaltigkeit fußt auf drei Säulen: Die ökologische Nachhaltigkeit, die die Erhaltung des ökologischen Systems als natürlichen Kapitalstock betrachtet, die ökonomische Nachhaltigkeit, welche sich mit der Erhaltung und Entwicklung des von Menschen geschaffenen Kapitalstocks beschäftigt und die soziale Nachhaltigkeit, die die Erhaltung und Entwicklung des sozialen Kapitals behandelt. Wenn alle drei genannten Faktoren gleichermaßen zur Geltung kommen, können wir von einer wirklichen Nachhaltigkeit sprechen.

Nachhaltigkeit bei PUMA

Nachhaltigkeit ist inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Unternehmensstrategie und dient nicht nur als Maßstab für PUMAs langfristige Geschäftsentwicklung, sondern berücksichtigt auch die Umwelt, in der wir leben und auf die wir alle angewiesen sind. Insofern ist Nachhaltigkeit für das Unternehmen genauso Teil unserer Markenphilosophie wie Sport und Lifestyle.

2008 wurde PUMAs Nachhaltigkeitskonzept PUMAVision eingeführt, das durch vier Schlüsselwerte verkörpert wird: fair, ehrlich, positiv und kreativ. Im Jahr 2010 haben wir dann die nächste Phase unseres langfristigen Nachhaltigkeitsprogramms eingeleitet und ehrgeizige Umweltziele definiert, die wir bis zum Jahr 2015 erreichen wollen. Dadurch wird Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil der DNA von PUMA, die tief in unserer Wertschöpfungskette verankert ist. Das beginnt mit der Beschaffung der Rohmaterialien und reicht von den Arbeitsbedingungen in den Fabriken unserer Lieferanten über die Verringerung der aus dem Transport, Geschäftsreisen und anderen geschäftlichen Maßnahmen herrührenden CO2-Emissionen, die Reduzierung von Verpackungsmaterialien bis hin zur kontinuierlichen Steigerung der Umweltfreundlichkeit unserer Einzelhandelsgeschäfte und Büros.

Im Jahr 2011 haben wir die Verantwortungen unseres Teams, welches bis dahin die Themen der Sozial- und Umweltverantwortung mit gleichen Prioritäten behandelt hat, in zwei relativ gleichstarke Teams mit den jeweiligen Verantwortungen für Ökologie und Humanität aufgeteilt. Dieses gibt uns umso mehr die Möglichkeit, gezielt die Themen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit zu bearbeiten.

2011 hat PUMA seine Produkte von insgesamt 540 Fabriken weltweit bezogen, wobei sich die Mehrzahl davon in Asien befindet. China, Vietnam und Indonesien sind derzeit die drei Länder mit den höchsten Beschaffungsvolumina. PUMA ist sich als international tätiger Konzern der Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitern in seiner Lieferantenkette bewusst und möchte daher sicherstellen, dass bei der Herstellung unserer Produkte faire Arbeitsbedingungen vorherrschen und die Zahlung von Mindestlöhnen eingehalten wird. Das Sportlifestyle-Unternehmen orientiert sich bei seinen Nachhaltigkeitsinitiativen auch stark an den Millenniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, inbesondere im Hinblick auf den Erhalt der Umwelt, die Beseitigung der Armut, die Gleichstellung der Frauen und die Entwicklung globaler Partnerschaften.

Audits

Das Sportlifestyle-Unternehmen hat daher bereits 1993 einen Verhaltenskodex eingeführt, der für alle Zulieferbetriebe von PUMA die Beachtung von Mindeststandards auf Basis der Menschenrechte fordert, jegliche Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren untersagt, Respektierung der Gleichheit verlangt und die Zahlung aller gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne und Zuschläge (z. B. für Überstunden) regelt. Der PUMA-Verhaltenskodex ist Bestandteil unserer Lieferverträge und hängt weltweit bei allen Hersteller-Betrieben sichtbar für alle Arbeitnehmer in der jeweiligen Landessprache aus. Kontaktadressen auf dem Kodex stellen sicher, dass die Mitarbeiter vor Ort PUMA jederzeit direkt kontaktieren können.

Die strikte Umsetzung der Vorgaben des Verhaltenskodex garantieren 14 Auditoren unseres PUMA.Safe-Teams. Deren Aufgabe ist es, weltweit alle für PUMA tätigen Zulieferbetriebe in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Dabei kontrollieren unsere Mitarbeiter nicht nur die Bezahlung der Mindestlöhne, sondern auch die korrekte Vergütung von Überstunden und die Erbringung anderer in dem jeweiligen Land vorgeschriebenen Leistungen wie beispielsweise Beiträge zur Sozialversicherung. Die Bezahlung der Arbeiter richtet sich nach dem landesüblichen Lohnniveau. Die Bezahlung des gesetzlichen Mindestlohns ist durch diese Vorgehensweise auf jeden Fall garantiert. Selbstverständlich werden auch alle anderen Vorgaben unseres Verhaltenskodex überprüft wie beispielsweise die Einhaltung der vorgeschriebenen wöchentlichen Arbeitszeit von maximal 60 Stunden inklusive eines freien Tages pro Woche oder auch Belange der Arbeitssicherheit.

PUMA hat sich verpflichtet, 100 Prozent seiner direkten Zulieferer und Lizenznehmer in Tier 1 mindestens einmal zu auditieren, hauptsächlich durch das interne Kontrollteam. In Abhängigkeit der beim ersten Audit identifizierten Mängel werden die Fabriken alle zwei Jahre (A-Bewertung), jedes Jahr (B+), alle acht Monate (B-) oder alle zwei bis sechs Monate (C oder D) kontrolliert.

PUMAs Verpflichtung zu ethisch verantwortungsvoller Beschaffung zeigt sich in dem Konzept der »World Cat Strategic Supplier«, für das eine A- bzw. B+-Bewertung Voraussetzung ist. PUMAs eigene Beschaffungsorganisation World Cat bezieht 75 Prozent aller PUMA Produkte weltweit von A- und B+-Zulieferern. In der Kategorie Schuhe stammen 67 Prozent aller Produkte aus A- und B+-Fabriken, bei Textilien ca. 79 Prozent, bei Accessoires knapp 89 Prozent. Die Ergebnisse der Audits beeinflussen die Beschaffungsentscheidungen maßgeblich, da eine Fabrik spätestens nach dem zweiten Audit eine B-Bewertung erzielen muss, um überhaupt als neuer Zulieferer für PUMA infrage zu kommen bzw. als bestehende Fabriken weiterhin für PUMA (im vollen Umfang) produzieren zu dürfen.

Die 2009 neu herausgegebenen und 2011 aktualisierten PUMA.Safe-Handbücher bieten unseren Fabriken detaillierte Richtlinien zur Einhaltung unseres Verhaltenskodex. Diese Richtlinien empfehlen einen auf Managementsystemen basierten Ansatz, um die Kodex-Einhaltung nachhaltig und effektiv zu gestalten. Etablierte Managementsysteme sowie operative Richtlinien und Prozesse helfen den Fabriken dabei, Leistungen im Bereich Compliance zu kontrollieren und zu messen und dabei Lösungen für einen bestimmten Bereich zu finden.

Aufgrund des hohen Zuwachses an Vertragsherstellern 2011 und des Wechsels der internen Verantwortlichen nach der Umstrukturierung von PUMA.Safe konnten 2011 nicht alle Vertragshersteller formell auditiert werden. PUMA.Safe legte den Schwerpunkt auf Audits bei neuen Fabriken, bei strategischen Partnern und bei Vertragsherstellern, bei denen grundlegende Mängel aufgetreten waren. Der Fokus liegt vor allem aufgrund von Kapazitätsengpässen auf den Tier 1 Zulieferern. Unter Tier 1 fällt die Fertigung, angefangen beim Zuschneiden bis hin zum Verpacken der fertigen Produkte. Diese Stufe ist die letzte Stufe des Fertigungsprozesses.

Löhne

Falls in einem Zulieferbetrieb die Zahlung von Mindestlöhnen nicht eingehalten wird oder andere schwerwiegende Verletzungen unseres Verhaltenskodex festgestellt werden, fordert PUMA den Lieferanten unverzüglich auf, den Verstoß umgehend zu beheben. Kommt der Lieferant der Aufforderung wiederholt nicht nach, so behält sich PUMA als letzte Konsequenz vor, die Zusammenarbeit mit der betroffenen Fabrik einzustellen. Da PUMA seine Verantwortung in Bezug auf die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards in seiner Lieferantenkette sehr ernst nimmt, hat PUMA in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Zulieferern beendet.

Seit 2004 ist PUMA außerdem Mitglied der Fair Labor Association (FLA), einer gemeinnützigen Organisation, die sich für faire Arbeitsbedingungen in Fabriken weltweit einsetzt. Bestandteil dieser Mitgliedschaft ist, dass PUMA-Fabriken durch unabhängige, dritte Institutionen unangekündigt auf die Einhaltung von Mindeststandards überprüft werden. Die Ergebnisse dieser externen Kontrollen werden auf der Homepage der FLA (www.fairlabor.org) veröffentlicht.

Unseren Kontrollen liegen die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne beziehungsweise die industrieweit gültigen Tarifverträge zu Grunde. Es ist sicher richtig, dass die gesetzlichen Mindestlöhne in manchen Ländern verglichen mit den Lohnniveaus in Europa oder den USA relativ niedrig angesetzt sind. Allerdings muss bei einem Vergleich der Lohnsummen in den Produktionsländern mit hiesigen Standards die unterschiedliche Kaufkraft vor Ort berücksichtigt werden.

Um die Frage fairer Gehälter in der Beschaffungskette angemessen zu behandeln, trat PUMA 2009 mit der Asian Floor Wage Campaign (AFWC) in Verbindung. Vor einiger Zeit nahm PUMA am »Jo-In«-Projekt in der Türkei teil, in dessen Rahmen das Konzept der Gehaltsleiter entwickelt wurde. Diese Leiter wurde als Bezugsgröße herangezogen, um zu messen, wie weit die von PUMA-Zulieferern gezahlten Gehälter von den von der AFWC aufgestellten Werten abweichen. 2010 wurden erste Zahlen für einige der größten Beschaffungsländer erhoben. Hieran zeigt sich die Notwendigkeit, die Debatte über das richtige »Delta« auf die Entwicklung der Fabriken in diesem Bereich auszudehnen.

Zusätzlich hat PUMA als erstes Sportlifestyle-Unternehmen weltweit seine strategischen Produktionspartner dazu verpflichtet, an einer Lohnanalyse durch die FLA teilzunehmen. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ausgewertet und haben gezeigt, dass es viele Bereiche im Lohnspektrum gibt, an denen unsere Zulieferer ansetzen sollten, allem voran aber an der Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Der Lösungsansatz des Fair Wage Network zielt vor allem auf die Verbesserung der Vergütungssysteme ab, die auf einer sogenannten Fair Wage Matrix basieren und welche die industriellen Beziehungen sowie die entsprechenden Tarifvereinbarungen stärken sollen.

Ebenso vielversprechend ist ein Projekt zum Aufbau bzw. Stärkung eines nachhaltigen Personalmanagements. Im Rahmen unserer Kooperation mit Better Work fokussieren wir uns derzeit auf Zulieferbetriebe in Vietnam und Cambodia. Dort sollen Strukturen für eine ganzheitliche Personalabteilung geschaffen werden, die nicht nur Grundanforderungen gerecht wird, sondern qualifizierte Personalmanager ausbildet, die sich voll und ganz auf die Einhaltung gesetzlicher Regelungen und industrieller Standards konzentrieren können.

Ein weiterer möglicher Ansatz zum Aufbau eines fairen und nachhaltigen Lohnsystems ist der Faire Handel (Fairtrade). Fairtrade beinhaltet als einziges Sozial-Siegel eine verbindlich festgelegte Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Die Prämie fließt direkt von jedem Einkauf auf ein separates Prämienkonto der jeweiligen Produzentenorganisation oder der Plantage. Kleinbauern und Arbeiterinnen entscheiden selbstständig und demokratisch darüber, welche Projekte sie mit der Prämie realisieren. Dies können zum Beispiel der Bau von Trinkwasserbrunnen und Schulen, Umstellung auf biologischen Anbau oder subventionierte Arztbesuche sein.

Die Fairtrade-Standards wurden dafür entwickelt, das Leben von Kleinbauern sowie Beschäftigten auf Plantagen, die in den ärmsten Ländern der Welt leben, nachhaltig zu verbessern. Produzenten sollen einen Preis für ihre Rohstoffe bekommen, der ihnen hilft, die Kosten einer nachhaltigen Produktion zu decken. Fairtrade garantiert langfristige Handelsbeziehungen und bessere Einblicke der Produzenten in das Geschehen auf dem Weltmarkt. Durch klare Mindestanforderungen soll sichergestellt werden, dass die Produktionsweise und der Handel aller Fairtrade-zertifizierten Produkte verantwortungsvoll in Hinblick auf Soziales, Ökonomie und Umwelt erfolgen.

Angefangen mit 5000 Fußbällen für die Initiative »Club der guten Hoffnung«, die das Ziel hat in Südafrika Jugendkriminalität zu bekämpfen, führte PUMA 2008 erstmals Fairtrade-Produkte ein. Jetzt hat PUMA eine ganze Kollektion aus Fairtrade-zertifizierter-Baumwolle auf den Markt gebracht: die »Wilderness« Kollektion. Inspiriert durch die Landschaft und das Klima Afrikas, steht die neue Kollektion für Abenteuer verbunden mit verantwortungsbewusstem Konsum, der zugleich höchsten Qualitätsansprüchen genügt.

Das Sortiment reicht von Schuhen bis hin zur Bekleidung und Accessoires. Bisher werden 75 Prozent der gesamten Wilderness-Kollektion aus Fairtrade-Baumwolle hergestellt. Bis 2013 soll jedoch die komplette Kollektion aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle hergestellt werden. Die Wilderness Kollektion soll in Zukunft weiter ausgebaut werden und wird demnächst auch in den deutschen PUMA-Läden zu finden sein. Bisher sind die Textilien in Deutschland über den PUMA Online-Shop erhältlich.

Capacity Building

PUMA fällt allerdings keine reine Auditorenrolle zu, sondern das Unternehmen fungiert auch als Vermittler bei Projekten zum Aufbau von Kapazitäten. Je nach Art der Auditergebnisse und den Beziehungen zu unseren Zulieferern werden diese entweder aufgefordert oder angehalten, sich an diversen Projekten zur Erfüllung der Richtlinien von PUMA.Safe zu beteiligen, damit unmittelbare und tiefer liegende Gründe für die Nichteinhaltung identifiziert werden können.

So unterstützt das Sportlifestyle Unternehmen beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichterstattung seiner Zulieferer. Zu diesem Zweck trat PUMA dem 2006 gestarteten GRI-GTZ (Global Reporting Initiative – Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) Pilotprojekt »Transparency in the Supply Chain« gleich zu Beginn bei. Dieses Projekt sah die Schulung dreier PUMA-Zulieferer in Südafrika in der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor. Die zweite Phase des Projektes schloss zehn Zulieferer in sechs Ländern ein (Bangladesch, China, Indien, Pakistan, Portugal und Türkei), die ihre Nachhaltigkeitsberichte 2010 herausgaben. Ab 2011 haben 18 wichtige Zulieferer in Südostasien und anderen wichtigen Regionen – die zusammengenommen mehr als zwei Drittel aller PUMA-Produkte herstellen – eingewilligt, ihre Nachhaltigkeitsberichte vorzulegen.

Des Weiteren organisiert PUMA Runde Tische für seine Zulieferer in China, Vietnam, Indonesien, Kambodscha und Indien. Ziel dieser Plattformen ist die Diskussion über die wichtigsten Themen von sozialem und ökologischem Interesse in den jeweiligen Ländern. Zudem werden die Zulieferer hier über aktuelle Themen in Bezug auf PUMA informiert. Die Runden Tische wurden 2010 von PUMA.Safe ins Leben gerufen, um den Fabriken über eine interaktive Diskussion untereinander Mechanismen zur Problemlösung an die Hand zu geben. Alle Runden Tische werden von PUMA.Safe entwickelt und organisiert und richten sich nach den jeweiligen Bedürfnissen oder Schwachstellen der Fabriken, die während der Audits durch PUMA.Safe identifiziert werden konnten.

Das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit ist ebenso wie die Vereinigungsfreiheit über den PUMA Verhaltenskodex eindeutig geregelt und wird durch die Auditoren von PUMA.Safe auch entsprechend überprüft. Allerdings kann es hier in Ländern wie China zu gesetzlichen Einschränkungen kommen, die nicht im Einflussbereich von PUMA oder den PUMA Lieferanten liegen. In solchen Fällen verlangen wir von unseren Zulieferern, über frei gewählte interne Gremien wie beispielsweise einen Arbeitssicherheitsausschuss oder ein »Worker Welfare Committee« parallele Strukturen der freien Mitarbeitervertretung zu realisieren. Auch in Freihandelszonen erwarten wir von unseren Herstellern die Etablierung von freien Mitarbeitervertretungen.

Unser aller Ziel ist es, die allgemeinen Beschäftigungsverhältnisse bei unseren Zuliefererbetrieben nachhaltig zu verbessern. Daher setzen wir auch konkret auf langfristige Partnerkonzepte, die einen stetigen Planungsprozess gewährleisten und sowohl für uns als auch für unsere Zulieferer gewinnbringend sind. Denn stetige Lieferbedingungen schaffen gegenseitiges Vertrauen und erhöhen die Innovationsbereitschaft.

Umwelt

Als erstes Unternehmen weltweit stellte PUMA 2011 eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (E P&L) fertig. Während die Natur für uns Menschen so viel mehr als ein reines Geschäft ist, haben wir versucht, mit der E P&L eine Antwort auf eine scheinbar einfache Frage zu finden: Wenn unser Planet ein Unternehmen wäre – wie viel würde er für die Dienste berechnen, die er für PUMA erbringt? Welchen Betrag würde er für die Beseitigung des ökologischen Fußabdrucks durch Verschmutzung und Beschädigung, den PUMA hinterlässt, dem Unternehmen in Rechnung stellen?

In Geschäftsberichten wird dieser zur Natur gehörige Wert üblicherweise nicht ausgewiesen. Viele Unternehmen sind der Ansicht, dass für sie lediglich die Finanzzahlen zählen; sie orientieren sich ausschließlich am Gewinn. Glücklicherweise werden sich jedoch immer mehr Betriebe, die das Schicksal unserer Umwelt bislang wenig kümmerte, der Tatsache bewusst, dass die Nachhaltigkeit ihres Geschäfts von den langfristigen Überlebenschancen unserer Ökosysteme abhängt.

Ziel der E P&L ist, alle wesentlichen Umweltauswirkungen abzudecken – von der Rohstoffproduktion bis hin zum Einzelhandelsgeschäft. Aus Gesprächen mit Fachleuten und aus einschlägigen aktuellen Branchen und wissenschaftlichen Publikationen haben wir gelernt, dass sich unsere Aktivitäten am meisten auf die Treibhausgasemissionen, den Wasserverbrauch, die Landnutzung, die Luft und die Abfallproduktion auswirken. Aus diesem Grund sind diese Bereiche in PUMAs E P&L abgedeckt.

Die Ergebnisse von PUMAs E P&L zeigen, dass über die Hälfte (57 Prozent) aller Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit der Produktion von Rohstoffen wie Leder, Gummi oder Baumwolle entlang der Beschaffungskette von PUMA stehen. Wir haben unsere Bemühungen intensiviert, nachhaltigere Materialien für unsere Produkte zu identifizieren, um die weitreichenden Auswirkungen der Rohstoffproduktion und -verarbeitung auf die Umwelt zu verringern.

Im Rahmen seiner langfristigen Zusammenarbeit mit der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) prüft PUMA derzeit die Entwicklung recyclingfähiger Produkte nach dem Cradle to Cradle®-Konzept. Gemäß diesem Konzept erfolgt jeder Materialfluss unter sorgfältiger Berücksichtigung der Ressourcen. In der Regel werden Rohstoffe zu Produkten gemacht, die verkauft und später auf Mülldeponien oder in Müllverbrennungsanlagen landen. Die einzelnen Stoffe gehen dadurch für immer verloren. Anstatt zu versuchen, den linearen Materialfluss und derzeitig genutzte Produktionsmethoden zu minimieren, sieht das Cradle to Cradle®-Konzept die Wiederverwertung von Stoffen in einem nützlichen Nährstoffkreislauf vor, in dem jeder Wert, der einmal geschaffen wurde, für Mensch und Natur erhalten bleibt.

2011 betrug der Anteil von Produkten im Bereich Textilien aus nachhaltigeren Materialien ca. 16 Prozent unserer Gesamtkollektion. Wir haben uns zum Ziel gesetzt diesen Anteil bis 2015 auf 50 Prozent zu erhöhen.

2011 startete die Umweltschutzorganisation Greenpeace die globale Kampagne »Detox«, mit dem Ziel, die Verschmutzung offener Gewässer durch gefährliche Chemikalien zu verhindern. Die Kampagne richtete sich an die Textilindustrie und die großen Sportartikelhersteller. Im Rahmen unseres langfristigen Nachhaltigkeitsprogramms haben wir die dringende Notwendigkeit erkannt, die Einleitung gefährlicher Chemikalien durch Industriebetriebe zu reduzieren bzw. zu stoppen. Gemäß dem Präventions- und Vorsorgeansatz haben wir uns verpflichtet, bis 2020 sämtliche besonders gefährlichen Chemikalien aus dem Lebenszyklus und aus der gesamten Beschaffungskette zu verbannen, die in Verbindung mit der Herstellung und Nutzung von PUMA-Produkten stehen. Unsere Restricted Substances List, die 2007 in Anlehnung an internationale Standards wie z. B. Oeko-Tex 100 entwickelt und seitdem kontinuierlich angepasst wurde, ist hier ein wesentliches Referenzdokument.

Fast die gesamte PUMA-Produktion findet in Fabriken unabhängiger Zulieferer statt. Dennoch nehmen wir bei PUMA die Schaffung einer nachhaltigeren Welt ernst. Dabei spielt die Herstellung unserer Produkte entlang unserer Beschaffungskette eine entscheidende Rolle. Daher sammeln wir seit 2007 Umweltkennzahlen von unseren wichtigsten Zulieferern. Jede der Fabriken, die für PUMA produzierten, ist einzigartig; sie stellen unterschiedliche Produkte her, arbeiten mit unterschiedlichen Prozessen und sind über die gesamte Welt verstreut. Vor diesem Hintergrund haben wir 2011 Enablon eingeführt, eine neue Software zur Erhebung von Umweltdaten, mit der wir unseren Erhebungsprozess wesentlich verbessern konnten. Die Datenerhebung ist und bleibt jedoch ein schwieriges Unterfangen.
Des Weiteren haben wir damit begonnen, dedizierte Umweltaudits zu entwickeln (zusätzlich zu den umweltbezogenen Kontrollen im Rahmen der existierenden PUMA.Safe-Auditprogramme). Diese richten sich an Zulieferer mit besonders hohem Umweltrisiko, was zum Beispiel hier die verti­kalen Textillieferanten, aber auch Gerbereien ­betrifft.

Fazit

In der heutigen Welt muss die Wirtschaft – noch mehr als der einzelne Mensch – vermehrt Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Die Menschheit überbeansprucht die Nutzung der Güter und Dienstleistungen, die uns von der Natur gegeben wurden, bei weitem. Die Welt hat sich verändert. Wir können nicht über Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft reden, wenn sich nicht unser ökologisches und ökonomisches Modell, in welchem wir leben und nach welchem wir handeln, radikal ändert.

Wie Einstein einmal sagte: »Wir können Probleme der Welt nicht mit den Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben.« Wir müssen lernen, in unserem Handeln über den Tellerrand hinauszuschauen. Wir müssen lernen, mit der Natur anstelle gegen sie zu arbeiten. Das ist das neue Paradigma, das wir brauchen, um unsere Zukunft und die Zukunft unserer Unternehmen zu sichern.

Das aktuelle Wirtschaftsmodell, das in der industriellen Revolution vor etwa mehr als einhundert Jahren enstanden ist, muss radikal verändert werden. »Ein neues Business-Modell ist notwendig und damit einhergehend eine Transformation der Unternehmensberichterstattung. Wir brauchen ein Wirtschaftsmodell, das mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet.«

PUMA will das begehrteste und nachhaltigste Sportlifestyle-Unternehmen werden. Wir haben uns hiermit ein sehr ambitioniertes Ziel gesetzt, sind aber der Meinung, dass wir dieses Ziel langfristig erreichen werden.