Reinhard Kepplinger

Reinhard Kepplinger, Jahrgang 1957, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, Marketing und Betriebsinformatik, war Lehrbeauftragter an der Uni Linz und geprüfter Unternehmensberater. Seit 1985 war er Mitarbeiter der Grünen Erde, seit 1993 ist er geschäftsführender  Gesellschafter und verantwortlich für die strategische Führung, CI und die Möbel-Produktentwicklung.

Weitere Informationen:
www.grueneerde.com

 

Nachhaltigkeit, was bedeutet das heute noch?

Das Wort von der Nachhaltigkeit hat einen Siegeszug um die Welt angetreten – müssen wir fürchten, dass er sich abnützt?

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist international anerkannt und bekannt als „Sustainable development“, „sostenibilità“, „developpement durable“ usw. Es dürfte auch bekannt sein, dass der er aus der Forstwirtschaft stammt, geprägt vor 300 Jahren durch den deutschen Oberberghauptmann Carlowitz. Die Dynamik der frühindustriellen Entwicklung hatte in seiner Zeit zu einem Holzmangel geführt. Daher musste man in dieser Krisensituation über eine andere Art der Forstbewirtschaftung nachdenken. Nachhaltig zu agieren bezeichnet in diesem ursprünglichen Sinn das verantwortungsvolle und zukunftsträchtige Handeln, dem Wald nicht mehr Holz zu entnehmen, als jeweils nachwachsen kann.

In der heutigen Welt kann dieser Begriff natürlich weit umfassender angewendet werden, da deutlich geworden ist, dass grenzenloses Wirtschaftswachstum in einer begrenzten Welt nicht möglich ist. Hier geht es nicht mehr „nur“ um einen zu hohen Holzverbrauch, wir verbrauchen von allem zu viel... Würden alle Menschen heute so leben wie wir in Europa, bräuchten wir fast drei Planeten von der Qualität der Erde. Würden alle gar so leben wollen wie die US-Ameri­ka­ner­Innen, dann bräuchten wir mehr als 5 Planeten (nachzulesen auf www.footprint.at).

Nachhaltig zu agieren würde nach dieser erweiterten Definition bedeuten, dass wir den Raubbau an unserem Planeten beenden und Zerstörungen so gut es geht reparieren. Mit dem aktuellen Lebensstil der „entwickelten“ Länder geht das allerdings nicht. Daher ist es unausweichlich, dieses System grundlegend zu hinterfragen und radikal umzudenken. Wirtschaften muss nach Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.

Wie unterscheidet man tatsächlich verantwortungsvoll agierende Unternehmen von solchen, die den Begriff „Nachhaltigkeit“ benützen, um ihren Umsatz zu steigern? Zwar sind einzelne Projekte zur Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks oder zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs wichtig und begrüßenswert. Wenn aber hinter diesen punktuellen Verbesserungen kein grundsätzliches Umdenken steht, wird sich an der Gesamtsituation nicht viel ändern. Konzerne die rundherum rücksichtslos agieren, die mit ihrer Produktion in Länder ohne soziale Standards und ohne Umweltvorschriften ausweichen, um billigst zu produzieren, steigern dadurch, dass sie punktuell „nachhaltig“ agieren, ihren Absatz und damit die Wirkung ihrer anderen nicht nachhaltigen Vorgehensweisen. So arbeiten sie daran, den Raubbau an der Welt noch ein bisschen zu verstärken.

Kann man den Begriff „Nachhaltigkeit“ vor Missbrauch schützen? Der Kulturhistoriker Ulrich Grober, Autor des Buches Die Entdeckung der Nachhaltigkeit - Kulturgeschichte eines Begriffs“ meint in einem Zeit Interview: „Ich finde es erst einmal großartig, dass der Begriff in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. (...) Die Gefahr liegt eher im Etikettenschwindel. Wo alles „nachhaltig“ wird, ist am Ende nichts mehr nachhaltig.“

Grober verweist auf den Begründer des Begriffs Nachhaltigkeit, Carlowitz, der eine „nachhaltende Nutzung“ der Wälder forderte. Hier treffen schon die beiden Polaritäten: Ökologie (nachwachsen) und Ökonomie (nutzen) aufeinander. Schon für Carlowitz war Nachhaltigkeit der Gegenbegriff zu Kollaps, so Grober. Der Autor trifft die schöne Definition, dass das Subsystem Ökonomie wieder in ein größeres System, die Biosphäre, eingebettet werden muss.

So kann man Spreu vom Weizen trennen: Ist das Ziel des jeweiligen Handelns im Hintergrund doch nur die Steigerung von Profit, oder aber bettet es sich ein in die Bedürfnisse unseres Ökosystems? Ist das jeweilige Handeln danach ausgerichtet, unsere Umwelt und unsere Welt ein bisschen besser zu machen, oder nicht? Danach kann man auch Unternehmen beurteilen. Und nicht nur einzelne Bereiche, sondern ihr Gesamtkonzept. Das Unternehmen Grüne Erde möchte sich gerne danach beurteilen lassen.

Bei Grüne Erde steht die Einhaltung sozialer und ökologischer Grundsätze gleichrangig mit den betriebswirtschaftlichen Zielen und diese Einstellung durchdringt jeden Bereich des Unternehmens und jede Entscheidung die darin getroffen wird.

Wofür wir stehen:

Die große Klammer über das gesamte Produktsortiment der Grünen Erde sind natürliche, nachwachsende, gift- und schadstofffreie Rohstoffe höchster Qualität, der Verzicht auf petrochemisch erzeugte synthetische Materialien sowie eine umweltschonende, strengsten ökologischen Standards entsprechende heimische Produktion.

Möbel, Heimtextilien und Naturkosmetik werden vorwiegend in den Grüne Erde eigenen Fertigungsstätten in Österreich hergestellt. Insgesamt erfolgt die Fertigung dieser Produkte zu weit über 90% in Österreich und Deutschland, ein kleiner Rest in anderen EU-Staaten. Bei Grüne Erde Organic Fashion achten wir - wie bei all unseren Produkten -darauf, dass in kleineren europäischen Manufakturen mit hohem Qualitätsstandard gefertigt wird. In den Bereichen, in denen wir außerhalb Europas produzieren, sichern wir die Einhaltung dieser Grundsätze durch verlässliche Partner und Zertifizierungen:

Alle Fertigungsbetriebe werden durch renommierte externe Prüfinstitute und durch die Fair Wear Foundation, deren Mitglied Grüne Erde ist, regelmäßig überprüft. Die Einhaltung hoher sozial- und arbeitsrechtlicher und ökologischer Standards, faire Entlohnung sowie der Ausschluss von Kinderarbeit sind garantiert.