Renée Rauchalles

Renée Rauchalles lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt München. Sie studierte an der Meisterschule für Graphik mit Diplomabschluss, Schauspiel und Operngesang, war einige Jahre am Theater tätig, u.a. Residenztheater München. Schon während des Studiums hatte sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten eine kleine Galerie in München, in der sie zahlreiche Künstler ausstellten. Arbeitete als Grafikerin und Illustratorin in vielen verschiedenen Bereichen. Regelmäßige Ausstellungen mit eigenen Werken im In- und Ausland. Kunstdrucke von ihren Bildern finden internationale Verbreitung. Unterrichtet Malerei, Schauspiel und Gesang. 1998 Gründung der ZEITfürKUNST-GALERIE (Produzentengalerie), wo sie seitdem zahlreiche DichterInnen (vorwiegend Frauen) aus verschiedenen Epochen in fortlaufenden, selbst konzipierten Lyriklesungen vorstellt. Veröffentlicht Lyrik und Prosa in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien, sowie Sachliteratur. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift „Literatur in Bayern“. 2001 erscheint in Zusammenarbeit mit dem Moraltheologen Prof. Dr. Bernhard Sill das Buch „Die Kunst des Sterbens“, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, mit Abbildung ihres Bilderzyklus Versöhnung; 2011 ihr Buch „Mir träumte meine Mutter wieder – Autorinnen und Autoren über ihre Mütter“.  

Weitere Informationen: www.renee-rauchalles.com


Gedanken zur Schöpfung


“Die Schöpfung, so scheint es liegt heute durch Technologie, Biotechnologie und Genforschung in der Hand der Forscher und Wissenschaftler. Je mehr sie diese Bereiche erfassen und in den Bauplan des Menschen eingreifen können, umso klarer wird, dass sie die Schöpfer unserer Zukunft, unserer Welt und wahrscheinlich auch des Menschen von morgen sind, denn diese Revolution bedeutet einen Eingriff in die Gestaltung des Menschen, dessen Evolution zukünftig durch die Bio- und Gentechnologie bestimmt wird.   


Forschung lässt sich nicht aufhalten, Entwicklung nicht stoppen. Vor allem dann nicht, wenn sie ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung hat, die wir ihr selbst in die Hand geben und durch die Forschung und Wissenschaft eines Tages als stärkster und machtvollster Wirtschaftszweig über die Gesellschaft und ihre Politik bestimmen können. Forschung tut Not, die Frage ist nur, wie weit darf sie gehen, muss sie gehen. Und wie weit wird sie gehen mit ihren Eingriffen in die Natur, ohne dass wir ausreichend informiert werden? ...


Ich denke, dass uns da noch manche Überraschung bevorsteht. Wir dürfen uns nicht nur dem Neuen hingeben. Altes und Neues müssen zuerst in Balance gebracht und stabilisiert werden, bevor weitere Entwicklung möglich ist. In vielerlei Hinsicht werden wir heute mit den Grenzen des Fortschritts unüberhörbar konfrontiert, zahlen wir einen zu hohen Preis. ...”



Autorenbeitrag aus: “Die Kunst des Sterbens”, von Sill/Rauchalles, Pustet Verlag, Regensburg 2001.


Gedanken zum Selbstwertgefühl


“ ... Bemerkungen wie “Ich hätte dich doch abtreiben sollen” trugen sicher zu diesem Schuldkomplex bei und führten gewiss nicht zu einem stabilen Selbstwertgefühl. Wie tief muss sich der Mangel des Angenommenseins, des für die Mutter nur Belastung sein, in die Seele des Kindes eingegraben haben (ganz offensichtlich auch über den Tod der Mutter hinaus), wenn Christine Busta in der Umkehrung des Mutter-Tochter-Verhältnisses als Verantwortliche für den Schutz der Mutter zeichnet. ...”

Autorenbeitrag aus: “Mir träumte meine Mutter wieder - Autorinnen und Autoren über ihre Mütter”, mit biografischen Texten von Renée Rauchalles (Hrsg.), Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2011.

Scheinwelt und Geschichte

“In dieser Scheinwelt wusste Hitler die Jugend zu begeistern, ihren Gemeinschaftssinn zu animieren. Mit der Hitler-Jugend wollte der Diktator den Übermenschen, die Herrenrasse heranziehen. Dabei spielte blinder Gehorsam und körperliche Ertüchtigung ... eine übergeordnete Rolle. Bis 1938 gehörten der HJ sieben Millionen Jugendliche an. Sie sollten “flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl” sein. ... Ohne jemals zusammenzubrechen.”


Auch Hans und Sophie Scholl waren zunächst in der HJ bzw. BDM, bevor sie sich dem Drill und der Manipulation der Nazidiktatur als Mitglieder der Weißen Rose, einer studentischen geheimen Widerstandsgruppe, die um sie herum an der Münchner Universität entstand, widersetzten. Fast täglich kam ich einige Jahre in meiner Kinder- und Jugendzeit am Geschwister-Scholl-Platz und somit an der Uni vorbei, ohne zu wissen, dass hier die schreckliche Tragödie der Geschwister Scholl begann, als sie am 18.2.1943 beim Auslegen ihres sechsten Flugblattes gegen die Nazi-Herrschaft vom Hausschlosser der Universität entdeckt, bei der Gestapo denunziert und bereits vier Tage später wegen ihres mutigen und selbstlosen Widerstands im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet wurden. Sophie starb mit 21, Hans Scholl mit 24 Jahren.



Autorenbeitrag zu Bildern von Rinaldo Hopf aus seinem Buch “Trickster” (Kunstbuch), Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2013:

Fluss der Veränderung

Es ist eine Art bewusstes Verlangsamen, eine Verzögerung, die allerdings auch Stillstand nach sich ziehen kann. Entscheidend ist die spürbare Wirkung aus einer Fokussierung auf die Mitte, kraftvoll, energiegeladen und doch unspezifizierbar. Lebensspendende Energie (wie bei „Accordo perfetto“) verbleibt zwar im Ungefähren, doch nimmt dies nichts von der erlebbaren Wucht dieses Rausches, sondern vermittelt allein aufgrund der reinen Annährung (und nicht der klaren Analyse) eine Ahnung von der Größe der nicht messbaren Dimension dieser Kraft. Es ist eine Kraft, die jeder Mensch besitzt, die in seiner Seele verankert ist - und welche die Kü̈nstlerin auch in ihren Werken anschaulich umschreibt, wie zum Beispiel im Werk „Animato“ (italienisch für „beseelt sein“ oder „belebt“). Es ist gerade dieses Unausgesprochene und Unaussprechliche, das wir in uns tragen und uns mit einer unaufdringlichen Lebendigkeit erfüllt. Das Leben ist eine ständige Quelle der Aktivität und der Ruhe. Trotz Gegensätzlichkeit bleiben sie trotzdem unverzichtbar für die ungemein reiche emotionale Vielfalt und den unendlichen Facettenreichtum des menschlichen Geistes. Es ist ein stetiges und unaufhörliches Wechseln von Spannung und Entspannung, von Wachstum und Verwerfung, von Historie und erahnter Zukunft. Veränderung und Stillstand.


Nur wenn es uns gelingt, diesen Kräften sinnvoll zu begegnen, sie zu nutzen, sie anzunehmen und mit ihnen zu wachsen, so wachsen wir auch in unserem Menschsein. Und dies malerisch, künstlerisch zu erfassen, zu deuten und uns Betrachtern bewusst zu machen - dies ist die wunderbare, schwierige, dankenswerte und unverzichtbare Aufgabe der Künstlerin.



Kleiner Ausschnitt aus einem Artikel “Fluss der Veränderung” zur Kunst von Renée Rauchalles aus ARTProfil, 2012, von Michaela Buchheister.

Aus einem Interview mit “Kulturkanal” im Jahr 2004:



Kultur-Kanal: Ihre letzte Ausstellung lief unter dem Namen "Körperströme". Was hatte es bei der Namensgebung auf sich?



Rauchalles: Meine abstrakten Bilder, die ich in dieser Ausstellung zeigte, bilden das Übergewicht in meinem Zyklus "Zwischen Dunkelheit und Licht" und sind deshalb ein starker und lichtvoller Gegenpol zu meinen realistischen Bildern, in denen es um Macht, Gewalt, Umweltzerstörung und Tod geht.

“...

Ein Gegenpol ergibt sich für mich beispielsweise dadurch, dass ich von außen nach innen gehe, indem ich mich mir selbst nähere, an mir selbst arbeite, um dadurch mit der Realität besser fertig zu werden, Abhängigkeiten loszulassen und somit eine selbstbestimmtere und selbstverantwortlichere Haltung einzunehmen. Wir sind so daran gewöhnt, uns ständig mit äußeren Dingen zu beschäftigen und diese zu verändern, dass wir dabei ganz vergessen, dass wir einen großen Beitrag zur positiven Veränderung in der Welt leisten könnten, indem wir uns selbst ändern. Wenn wir unsere eigenen Schatten nicht erkennen wollen und können, wie sollen wir dann heilenden Einfluss ausüben oder friedlich miteinander leben können? ...”


Stand: Mai 2014