Riccardo Wagner

Riccardo Wagner ist seit 2004 Inhaber der Kommunikations- und Strategieberatung BetterRelations mit den Schwerpunkten PR, Stakeholderdialog, Content Marketing und Storytelling, u.a. für die Fachthemen CSR & Nachhaltigkeit. Er ist gelernter Chemisch-Technischer-Assistent und Bankkaufmann, hat Geschichte (B.A.), Politik und Literaturwissenschaft sowie Corporate Communications (M.A.) studiert. Nach einem Volontariat als Finanz- und Wirtschaftsjournalist arbeitete er mehrere Jahre als Autor, Redakteur- und Chefredakteur im Bereich Print, Online, TV-& Multimedia. Er ist geprüfter PR-Berater (DAPR), zertifizierter Unternehmensberater (IBWF).

In den letzten Jahren war und ist er zusätzlich in verschiedenen Positionen und Ämtern tätig, u.a. Initiator und Leiter für das Projekt „CSR-Initiative Rheinland (IHK/BMAS)“, geschäftsführender Vorstand eines Branchenverbandes in der Assekuranz und Projektgutachter des BMBF zum Thema Finanzsystem & Gesellschaft.
Er arbeitet seit etwa 15 Jahren als Journalist, ist Buchherausgeber sowie Autor diverser Buch- und Zeitschriftenartikel und Studien im Bereich Kommunikation und CSR. Seit 2009 leitet er den gemeinsamen Arbeitskreis „CSR-Kommunikation“der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) und ist seit 2009 ehrenamtlicher Pressesprecher und stellv. Vorsitzender des Hilfsvereines "Aktion HelpDirect e.V. - das erste deutsche Spendenportal im Internet“. Da ihm die Zukunft, der Nachwuchs und die Qualtiät der PR wichtig sind, engagiert er sich als Prüfer für die PR-Berater und Social-Media-Manager-Prüfung (PZOK) und ist Lehrbeauftragter für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Fachhochschule des Mittelstandes und für Medien- und Kommunikationsmangement an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Weitere Informationen: http://www.betterrelations.de

 

Nachhaltigkeit und Verantwortung durch Kommunikation
 

Ich bin Journalist und Kommunikationsexperte aus Überzeugung. Warum? Weil es einfach Spaß macht und ich glücklich bin, durch meinen Beruf mit so vielen spannenden Themen und inspirierenden Menschen in Berührung zu kommen. Aber es gibt natürlich auch einen tiefer gehenden Grund: Ich bin fest davon überzeugt, dass unter den meisten Umständen ein mehr an guter Kommunikation und damit ein mehr an Dialog, ein mehr an Transparenz und Verständlichkeit, ein mehr an Emotionen und Empathie effektiv zur Lösung von persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen beiträgt. Doch was ist gute Kommunikation?

Die Antwort darauf ist in gewisser Weiße so vielfältig wie die möglichen Anlässe zur Kommunikation. Dennoch gibt es ein Element, dass ich vor allem für die Förderung von Nachhaltigkeit von ganz besonderer Bedeutung halte: Storytelling.

Warum? Weil wir Menschen von Kindes Beinen an vor allem durch Geschichten lernen. Und Geschichten erzählen ist das, was gute Kommunikatoren im Kern tun. Sie unterhalten, informieren, interessieren und bewegen – zum Nachdenken und hin und wieder auch zu verändertem Handeln.

Ich möchte Geschichten erzählen und Informationen produzieren, die den Weg zum Dialog ebnen, die Licht ins Dunkel bringen und die Beteiligten klüger und verständnisvoller macht. Niemand, auch ich nicht, kann Verhaltensänderung und Einsicht erzwingen. Aber Kommunikation ist ein wesentlicher Schlüssel, um Einsichten zu transportieren, die wiederum zu Einsicht werden können.

Doch gute Kommunikation ist schwer herzustellen, nicht immer gewollt und damit auch nicht immer finanzierbar, was eine professionelle Tätigkeit erschwert.

Hier liegt im Themenfeld Nachhaltigkeit eine der wesentlichen Herausforderungen für alle Medienschaffenden, sei es auf Seiten der Medien und Verlage, der Journalisten oder auf Seiten der PR-Schaffenden und Unternehmen. Denn Fakt ist: Wir brauchen eine vollständig andere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander umzugehen, wenn wir diese Erde mit neun oder zehn Milliarden Menschen friedlich bevölkern wollen.

Wir brauchen eine dynamische kulturelle und soziale Evolution – hin zu einem Bewusstsein für Veränderung, das auch Taten nach sich zieht. Dieser Bewusstseinswandel wird ohne Kommunikation auf personeller aber auch auf massenmedialer und sonstigen professionellen Ebenen nicht eintreten. Zumindest, wenn wir nicht warten wollen, bis auch wir in Deutschland unter den Auswirkungen der globalen Probleme wirklich leiden.

Und genau das bedeutet für mich Nachhaltigkeit in der Kommunikation. Es bedeutet, für dieses Ziel mit meinen Fähigkeiten Verantwortung zu übernehmen.

Wir alle brauchen einander und hängen voneinander ab und genau hier wirkt der Zauber der Kommunikation.

Welche Beziehungen wollen wir zueinander?

Es ist kein Zufall, dass ich, gemeinsam mit meinem Kollegen Marcus Eichhorn, unter dem Namen BetterRelations firmiere. Eine der Kernfragen, die sich jeder Mensch und jedes Unternehmen nicht nur beim Thema Nachhaltigkeit stellen muss ist: Welche Beziehung möchte ich zu meiner Umwelt und zu meiner Gesellschaft, egal ob Menschen, Flora oder Fauna.

Es geht dabei zunächst darum, Egoismen hinten an zu stellen und nicht zu entscheiden, wie viele Fernreisen ich machen, Fernseher ich nutzen oder Flugmangos und Filetsteaks ich essen möchte. Oder als Unternehmen festzulegen welche neuen Produkte und Dienstleistungen ich in den nächsten Monaten anbieten möchte.

Die Frage ist: Wie wollen wir miteinander leben? Nach welchen Werten? Wie sollen unsere Beziehungen aussehen? Um dies zu erörtern, auszuloten und zu verhandeln braucht es gute Kommunikation.

Keine friedliche und produktive Beziehung ohne Kommunikation

So müssen Unternehmen entscheiden, wie sie sich in die Gesellschaft einfügen, welchen Nutzen sie erbringen, welchen Schaden sie anrichten, welche Abhängigkeiten und welche Verantwortung sie tragen. Dieses Verorten ist bereits ein aktiver und dialogischer Kommunikationsprozess, der nur dann verantwortlich ist, wenn auch offen und transparent darüber kommuniziert wird. Denn Verantwortung heißt Antwort geben. Ohne das Bekenntnis zur eigenen Verantwortung und auch zur Kommunikation, keine Unternehmensstrategie, die wirklich nachhaltig ist.

Nachhaltigkeit heißt Weiterentwicklung

Dafür braucht es als Basis einen gewissen Mut zur Weiterentwicklung. Wer Besitzstand wahren will, hat es nicht verstanden. Wer als Maxime des eigenen Handelns nur ökonomische Betrachtungen und Wachstumsphantasien zulässt, ebenso wenig. Wer die Gesellschaft für blöd hält, weil diese das komplexe Thema Nachhaltigkeit ohnehin nicht versteht und selbst nur den eigenen Nutzen optimieren will, noch viel weniger.

Der vermutlich größte Unsinn, der jemals die heiligen Hallen der Wissenschaft verlassen hat, ist der Homo Oeconomicus  - wenn er jemals wirklich gelebt hätte, so wäre er jetzt tot. Er wäre besser im WiWi-Turm geblieben, als das was er immer wahr: eine behelfsmäßige Rechengröße.

Leider haben Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern, Managern und Journalisten diese Rechengröße zum Ideal erhoben und damit über Jahrzehnte unser Denken und Handeln verseucht. Erst langsam und nach mehreren schweren Krisen verstehen wir und kommunizieren das auch: Wir sind keine rationalen Maschinen, die Nutzenoptimierung als oberstes Prinzip verfolgen! Wäre dem so, wäre unser Zusammenleben als Menschheit unmöglich.

Wenn wir von diesem Denken wegkommen wollen, brauchen wir Unternehmen, Medien, Organisationen, Parteien und ihre Menschen, die für ein neues Denken fundiert, glaubwürdig und leidenschaftlich in die Bresche springen und sich vor grundsätzlichen Fragen nicht scheuen. Auch hier brauchen wir eine völlig neue Kommunikation unter Experten, in der Öffentlichkeit und zum Verbraucher.

Nachhaltigkeit ist in erster Konsequenz kein Konsumthema und Debatten, ob ein Tesla oder ein herkömmliches Auto der richtige Kauf ist, verstellen den Blick auf die grundlegenden Fragen.

Nicht Ausstieg, sondern Umstieg

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht mir nicht um Asketismus, radikalen Konsumverzicht etc. Auch ich konsumiere, genieße und nehme am gesellschaftlichen Leben teil. Doch ich vermisse im Diskurs um Nachhaltigkeit immer öfter die richtigen Fragen und ich vermisse eine Kommunikation, die es schafft für das Leben der Menschen relevant zu sein. Technisch getriebene KPI-Frameworks und darauf aufgebaute Reportings sind hier auf jeden Fall nicht der allein selig machende Weg.

Kein Fußbreit der Nachhaltigkeitsmüdigkeit

Und was noch viel schlimmer wiegt, ich spüre aller Orten eine gewisse Nachhaltigkeitsmüdigkeit. Ich kann kaum mehr zählen, wie oft ich allein in den letzten Monaten gehört habe: „Ich kann das Wort Nachhaltigkeit nicht mehr hören.“ Das ist gefährlich und ebenfalls wieder die Schuld fahrlässiger Kommunikation, die ohne Scham alles mit Nachhaltigkeitsclaims überzieht, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Auch hier sind wir Kommunikatoren in der Verantwortung. 

Nachhaltigkeit darf kein Buzzword sein, mit dem man im Büro das Bullshit-Bingo gewinnen kann. Wenn wir für Nachhaltigkeit und eine verantwortungsvolle Wirtschaft werben wollen, brauchen wir engagierte, unterhaltsame, ehrliche und authentische Geschichten, die Menschen berühren und Mut machen zu einem Weg, der positiv, spannend und lohnenswert ist und bei dem Mann nur einen Fehler machen kann: Nicht loszugehen.

Stand: August 2014