Rolf Merchel

Rolf Merchel, Jahrgang 1957, ist seit mehr als 20 Jahren Geschäftsführer der GILDE-Wirtschaftsförderung GmbH in Detmold. Zuvor war er Innovationsberater der Universität Kassel. Unmittelbar nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften war er bei einem Gewerkschaftsunternehmen und anschließend bei einem Unternehmensverband tätig. Gelernt hat er Industriekaufmann in einem mittelständischen Bauunternehmen. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

 

CSR: Ein Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung!

Die Förderung von Unternehmen ist das Ziel der GILDE-Wirtschaftsförderung für den Standort Detmold. Das machen wir, indem wir sehr unterschiedliche Instrumente einsetzen. Zum Beispiel entwickeln und vermarkten wir neue Gewerbegebiete, stellen Kontakte zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen her, betreiben ein Gründer- und Innovationszentrum und führen Projekte durch, die zu neuen Arbeits- oder Ausbildungsplätzen führen.

Dabei ist es wichtig, nicht nur das tägliche Geschäft im Auge zu behalten, sondern auch über den Tellerrand zu blicken und Entwicklungen bzw. Trends zu erkennen, die für die Unternehmen in der Zukunft von Bedeutung sind. Unser Klientel sind insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen KMU geprägt, die häufig keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten besitzen, mittelfristig wirkende gesellschaftliche Veränderungen zu erkennen, die Einfluss auf deren Wettbewerbsfähigkeit haben.

CSR und Mittelstand

Als wir uns im Jahr 2006 zum ersten Mal intensiv mit CSR beschäftigten, hatten wir den Eindruck, dass dieses Thema auch für KMU in einigen Jahren eine große Relevanz erlangen kann. Gestärkt wurde diese Vermutung durch ein seinerzeit von der EU gefördertes Projekt, in dem z.B. CSR-Best-practice-Beispiele gesammelt, Unternehmen zu CSR beraten und Informationsveranstaltungen durchgeführt wurden. Hauptgegenstand des Projektes war allerdings die Durchführung einer Primäranalyse. Hiermit wurde der CSR-Entwicklungsstand von mittelständischen Unternehmen in Frankreich, Polen und Deutschland ermittelt.

Neben unterschiedlichen Ergebnissen waren in den beteiligten Nationen auch einheitliche Ergebnisse feststellbar: So erwarteten grundsätzlich deutlich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, dass die Bedeutung von CSR für ihr Unternehmen in Zukunft zunehmen wird. Gleichzeitig wiesen die Unternehmen aber auch auf Hemmnisse hin, die die stärkere Nutzung von CSR-Strategien für insbesondere mittelständische Unternehmen einschränken.  Hierzu gehörten in erster Linie nicht die mit einer CSR-Strategie eventuell verbundenen Kosten sondern vielmehr wurden als Hemmnis-Faktoren fehlendes CSR-Know-how und nicht vorhandenes qualifiziertes Personal genannt.

Die Projektergebnisse sind unter www.csr-mittelstand.de  dokumentiert.

CSR-Weiterbildung für den Mittelstand

Die Resultate des CSR-Mittelstandsprojektes waren Auslöser für die Entwicklung eines CSR-Qualifizierungskompendiums. Das CSR-Kompendium besteht aus gut 80 Lernbriefen und vier filmischen Beiträgen in denen erfolgreiche CSR-Unternehmen aus Groß-Britannien, Portugal, Ungarn und Deutschland präsentiert werden. Auch dieses Projekt wurde von der EU gefördert, wiederum trat die GILDE-Wirtschaftsförderung als Konsortialführer für die beteiligten nationalen und internationalen Projektpartner auf. Das CSR-Kompendium vermittelt Inhalte zu CSR und zu verwandten Themenfeldern. Darüber hinaus liefern die meisten Lernbriefe auch methodisches Wissen und zeigen durch Übungen oder Planspiele, wie mit CSR begonnen werden kann und wie die einzelnen Schritte zum CSR-Unternehmen erfolgreich absolviert werden können.

Die Projektergebnisse sind unter www.csr-training.eu dokumentiert.

Auf der Basis des CSR-Kompendiums führen wir federführend seit 2012 im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales das Projekt „CSR unternehmen!“ durch. Betriebsübergreifend qualifizieren wir in Deutschland KMU zu CSR-Unternehmen. Das Angebot ist vierstufig aufgebaut. Es besteht aus einer CSR-Impulsveranstaltung, einem CSR-Intensivseminar, einem CSR-Praxisworkshop und einem CSR-Erfahrungsaustausch. Das Programm setzen wir um, indem wir uns Kooperationspartner suchen, z.B. andere Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Kammern oder Verbände, die Interesse haben, CSR ihren Kunden oder Mitgliedern näher zu bringen.

Nähere Informationen zu dem Projekt: www.csr-unternehmen.de .

Standortentwicklung mit Hilfe von CSR

Unser Gesellschaftszweck ist die Förderung der Wirtschaft in Detmold. So steht es schon im 1. Satz dieses Beitrags. Die genannten Projekte ziehen allerdings einen Aktionsradius, der deutlich über die „Lippische Metropole Detmold“ hinausgeht - wie das zusammenpasst?

Zunächst beziehen wir in den Projekten auch immer Unternehmen aus unserer Region ein. So findet sich auf der CSR-Training-Seite als eines der vier Best-practice-Beispiele aus Europa das Unternehmen Hanning & Kahl aus Lippe wieder. Entscheidend ist allerdings, ob die heimischen Unternehmen auch direkt aus den Projekten heraus Nutzen ziehen können.

Das lässt sich bei unseren CSR-Aktivitäten eindeutig mit JA beantworten. Bereits mit Start unseres CSR-Mittelstandsprojektes konnten wir einen unserer Mitgesellschafter, die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold von den Chancen, die CSR den Unternehmen aber auch einer ganzen Region bieten kann, überzeugen. Von Anfang an richteten wir gemeinsam unser Augenmerk darauf, möglichst vielen Unternehmen in unserer Region die Chancen, die mit CSR verbunden sind, zu vermitteln. Im Jahr 2009 nahmen wir die Gelegenheit wahr, Lippe als Verantwortungspartner-Region zu entwickeln. Die Bertelsmann Stiftung unterstützte diesen Prozess. Nachwievor arbeiten ca. 50 lippische Unternehmen unter dem Dach der Verantwortungspartner in vier Arbeitsgruppen an den Herausforderungen unserer Region. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Fragen wie z.B. der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund besser in die Unternehmen integriert werden kann; wie der Übergang von der Schule in den Beruf zu verbessern ist; wie Angebote zur Betreuung von Familienangehörigen der Beschäftigten organisiert werden können oder wie älter werdende Belegschaften länger produktiv im Unternehmen eingesetzt werden können. Zahlreiche Lösungen konnten in der Zwischenzeit realisiert werden.

Nähere Informationen zu den Verantwortungspartnern Lippe: www.verantwortungspartner-lippe.de

Fazit: Für Wirtschaftsförderungen stellt CSR eine Chance dar, den Unternehmen am Standort ein strategisches Instrumentarium zu vermitteln, das vielfältige Aktivitäten eines Unternehmens im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung konzeptionell zusammenfasst. Gerade der Mittelstand engagiert sich traditionell am Standort, für soziale oder ökologische Zwecke und stellt somit für CSR eine ideale Zielgruppe dar. Wirtschaftsförderungen können darüber hinaus einen Beitrag leisten, das gesellschaftliche Engagement mehrerer Unternehmen an einem Standort zu bündeln und zielgerichtet für die Entwicklung der Region zu nutzen.