Rudolf Seiters

Dr. Rudolf Seiters, Jahrgang 1937, katholisch, ist verheiratet mit Ehefrau Brigitte, hat drei Töchter und wohnt in Papenburg/Ems. Nach dem Abitur am Gymnasium Carolinum in Osnabrück studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Münster und wurde nach der 1. und 2. Juristischen Staatsprüfung Regierungsassessor beim Regierungspräsidenten in Osnabrück. Seit 1958 Mitglied der CDU, war Rudolf Seiters unter anderem Landesvorsitzender der Jungen Union Niedersachsen und stellvertretender Landesvorsitzender der Niedersächsischen CDU und wurde 1969 erstmalig in den Deutschen Bundestag gewählt, in acht weiteren Bundestagswahlen als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter bestätigt. Viele Jahre war er Mitglied im Präsidium der CDU Deutschlands, mehrere Jahre Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1989 Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Kanzleramtes, 1991 Bundesminister des Innern (Rücktritt am 4. Juli 1993), danach stellvertretender Fraktionsvorsitzender und von 1998 - 2002 Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Seit 2003 ist Rudolf Seiters Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, ferner Kuratoriumsvorsitzender der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Er erhielt unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz, das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, das Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion und das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich. Er ist Ehrendoktor der Bundeswehr-Universität München und Ehrenbürger der Stadt Papenburg.

 

Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit

Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

In den letzten Jahrzehnten haben weltweite Erfolge in der Entwicklung neuer Technologien, in der Gesundheitsversorgung und ein verbesserter Zugang zu Bildung zu einer erhöhten Lebenserwartung geführt, und die Zahl der auf der Welt in absoluter Armut lebender Menschen hat sich glücklicherweise reduziert. Eine weitere Reduzierung der Armut soll zudem durch die Umsetzung der sogenannten Millennium Entwicklungsziele bis 2015 erreicht werden, welche im Jahr 2000 von 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet worden sind.

Allerdings befinden wir uns heute an einem Punkt, in der die Erreichbarkeit dieser Millenniumsziele fragwürdig erscheint und eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit vor enormen Herausforderungen steht. Die Finanzkrise, Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, lang anhaltende Konflikte und Krisen in zahlreichen Ländern der Welt gefährden eine weitere Reduzierung der Armut und eine nachhaltige Entwicklung. Der Klimawandel verschärft zahlreiche Probleme noch weiter und führt zu einer Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Starkniederschlägen, Überschwemmungen, Hitzwellen und zum Anstieg des Meeresspiegels. Dadurch steigt vor allem die Katastrophengefahr für Menschen in weniger entwickelten Ländern. Die Handlungsmöglichkeiten der Menschen in Entwicklungsländern, sich an diese Bedrohungen anzupassen, sind aufgrund der vorherrschenden Armut besonders stark eingeschränkt.

In Anbetracht dieser globalen Herausforderungen ist es daher sehr wahrscheinlich, dass es auch in Zukunft zu humanitären Krisen und Katastrophen kommen wird. Die derzeit bestehenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme betreffen sowohl heutige als auch zukünftige Generationen. Diese Tatsache unterstreicht die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit, um diese Probleme zukünftig bewältigen zu können.

Das weltweite und langfristige Engagement des Deutschen Roten Kreuzes

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist Teil der weltumfassenden Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und ist international aktiv, um in Krisen und nach Katastrophen schnelle und wirkungsvolle Hilfe für in Not geratene Menschen zu leisten. Das DRK kooperiert hierbei immer mit der Nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft im jeweiligen Land, um den Betroffenen von Katastrophen und Opfern von Konflikten nach dem Maß der Not zu helfen und die besonders hilfsbedürftigen Bevölkerungsgruppen bei der Schaffung besserer Lebensverhältnisse zu unterstützen.

Das DRK ist der Meinung, dass es nicht ausreicht, erst im Katastrophenfall aktiv zu werden. Das Rote Kreuz ist zwar vor allem für seine Maßnahmen der Nothilfe in Krisen und Katastrophen bekannt, engagiert sich aber seit vielen Jahren neben der akuten Katastrophenhilfe auch in der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit und zwar in erster Linie in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Nur durch langfristige Entwicklungsprozesse kann es gelingen, dass die Menschen in den besonders katastrophenanfälligen Regionen, einen nachhaltigen und damit dauerhaften Zugang zu einer Basisgesundheitsversorgung, zu sauberem Wasser, zu Nahrungsmitteln und zu Einkommen erlangen.

Nach einer Katastrophe ist es von großer Bedeutung, dass die betroffenen Menschen möglichst schnell auch wieder eine langfristige Perspektive entwickeln können. Insofern ist es wichtig, Maßnahmen der akuten Katastrophenhilfe zeitnah mit Planungen für den Wiederaufbau und einer sich anschließenden längerfristigen Entwicklungszusammenarbeit zu verknüpfen. Die Arbeit des Roten Kreuzes ist vielschichtig und im Mittelpunkt der langfristigen Zusammenarbeit stehen die Themen Katastrophenvorsorge, Basisgesundheit, Wasser und Hygiene sowie einkommenschaffende Maßnahmen.

Nur programmatische Ansätze sind langfristig erfolgversprechend

Da die Katastrophenanfälligkeit der besonders gefährdeten Bevölkerungs­gruppen in Entwicklungsländern unterschiedliche Ursachen hat, müssen die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte der Entwicklungszusammen­arbeit im Sinne der Nachhaltigkeit in programmatischen Ansätzen zusammengeführt werden. Es bedarf also vor allem einer ganzheitlichen Planung, in der zum Beispiel Maßnahmen der Gesundheitsversorgung und der Trinkwasserversorgung mit Maßnahmen des Katastrophenschutzes und der Armutsreduzierung verbunden werden.

In der Planung und Durchführung entwicklungspolitischer Programme müssen die sozialen, ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen vor Ort berücksichtigt werden, um effizient sein zu können. Entwicklungsprozesse in weniger entwickelten Ländern können nur dann nachhaltig sein, wenn sie gemeinsam mit den Betroffenen und den zentralen Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft vor Ort geplant und durchgeführt werden.

Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen sollten zudem auf den unterschiedlichen aber miteinander vernetzten Ebenen angesprochen werden – auf der individuellen, der lokalen, der nationalen und nicht zuletzt der globalen Ebene. Es ist dabei von großer Bedeutung zu verstehen, welche Relevanz das Wohlergehen jedes Einzelnen für die Entwicklung der Gesellschaft hat, in der er lebt. Gleichzeitig ist es auch wichtig zu erkennen, dass eine nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen ohne die politischen Entscheidungsträger vor Ort nicht wird stattfinden können.

Gerade der gemeinsame Aufbau und die Stärkung von lokalen Kompetenzen der Zivilgesellschaft können in diesem Zusammenhang zu einer dauerhaften Reduzierung der Katastrophenanfälligkeit der Bevölkerung führen. Aus diesem Grund ist dem DRK im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit die Förderung der Nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft ein zentrales Anliegen, da diese Schwestergesellschaften ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur vor Ort sind und vielfältige soziale Dienstleistungen in der Gesellschaft wahrnehmen.

Diese Verknüpfung von humanitärer Hilfe mit Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit, wie sie das Rote Kreuz seit vielen Jahren durchführt,  wird heute und in Zukunft der Schlüssel dafür sein, um auf die komplexen Herausforderungen zu reagieren. Es werden zwar auch noch in Zukunft Krisen ausbrechen und extreme Naturereignisse auftreten. Wenn die betroffenen Menschen dann jedoch in der Lage sind, auf diese Krisen und Ereignisse so zu reagieren, dass daraus keine Katastrophen entstehen, der notwendige Wiederaufbau durch Kapazitäten vor Ort gewährleistet werden kann ohne dabei langfristige Entwicklungschancen zu riskieren, dann war Entwicklungszusammenarbeit tatsächlich nachhaltig.