Ruth Spiller

Ruth Spiller, Jahrgang 1979, ist Founder bei „The Retouch Society“ (zuvor „pixelchic“), Art Direction bei dem Community Projekt „Auf ein Wort“ (für mehr Menschlichkeit und die Vertiefung des Miteinanders www.auf-ein-wort.org), Creative Direction bei „Say No to Faceism“, dem Anti-Rassimuss-Projekt, sowie Co-Founder des Charity-Projekts „Fotohelden“. Seit 2015 publiziert sie zum Thema „Zukunft der Gesellschaft" aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive, neuerdings auch für das Magazin YMAZING.

Innovation muss von Innen heraus kommen

Wie funktionieren Innovationsprozesse?

Wir kommen zur Welt - wachsen auf - werden mehr oder weniger erzogen – bekommen unsere Meme eingepflanzt und prallen auf eine ganze Menge äusserer Reize, die ebenfalls zu unserem Prozess „Mensch“ beitragen, der bestenfalls nach gesamtgesellschaftlichen Ansichten damit endet, einen guten Job gehabt zu haben, wie ein erfolgreiches Leben. Soweit - so linear. So linear läuft es aber meist nicht. Das kann damit anfangen, dass wir feststellen, dass die uns beigebrachten Meme so gar nicht unserem eignen Wesen entsprechen. Ist z. B. das Familien-Prinzip „Leistung/Disziplin“ und stellt man selber fest, dass das eigene Prinzip aber eher ”Leidenschaft/Freiheit“ bedeutet - passt dies schon mal nicht zusammen. Nun haben wir ein neues Element, was im alten System irgendwie nicht implementierter ist. Zudem kommt Angst dazu. Unverständnis vor dem „so anderes tickenden Kind“ von Elternseite aus, wie „Unverständnis“ von Kinderseite aus, hier benannt „neues System - Kind 2.0“. Das es so ist, hat einen Sinn - der nennt sich Weiterentwicklung. Dieser Prozess ist nicht auf zu halten oder steuerbar und wie bereits erwähnt - nicht linear. Heißt: man kann es nicht planen - es passiert, wenn es passieren soll, bzw. muss. Dies bedeutet nicht, dass das System oder Konzept, welches die davor liegenden Generationen verfolgt haben schlecht ist, aber es ist eben nun an der Zeit es an zu passen, da eben auch die Äusseren Umstände ständig transformieren. Nicht linear ist es ausserdem, weil durchaus die besten Dinge aus dem alten System übernommen werden können.

Auch unser Gehirn ist so ein innovatives Ding. Es bildet ständig neue Verknüpfungen, löscht alte & entwickelt sich weiter, wenn wir es füttern und alles gesund ist. Dinge, die wir „können“, landen in den Tiefen auf einer energiesparenderen und platzsparenderen Ebene und sind jeder Zeit abrufbar, wenn wir sie brauchen. Dann ist es zudem auch noch mit einer Gefühlswelt verknüpft, die maßgeblich dazu beiträgt, wie wir uns etwas, wie gut merken.

Sehr komplex und nicht sonderlich linear. Eher abstrakt. Dieser Prozess entsteht immer aus dem „Inneren“ heraus, welches in ständiger Kommunikation mit dem Aussen ist. Kinder sind hierbei besonders kreativ und innovativ.

Wieso versuchen wir also Innovationsprozesse immer linear von oben nach unten an zu gehen? Wieso die Käseglocke, die von oben über das alte System gestülpt werden muss, um es zu reformieren? Wieso nicht mal wirklich innovativ sein und sich den natürlicheren Prozess der Natur zu nutze machen und das ganze mal anders angehen. Was dazu nötig ist? In jedem Falle eine Menge Reflexion. Was kann so eine Nicht-Lineare Innovation am Ende? Sie bringt einen Nutzen für jeden einzelnen Teilnehmer dieses Systems, einen individuellen Wert in diesem zu haben. Und damit sollten die großen Ängste eigentlich bereits beiseite geschafft werden, denn dass ist der Sinn der meisten Menschen, wenn sie zur Welt kommen: das sie für irgendwas gut sind und einen Wert haben, einer der von ihnen aus geht, nicht einen, den sie übergestülpt bekommen. Einen Wert den sie sich selbst erschaffen. Also ist es wichtig, alle an diesem Prozess zu beteiligen. Und das muss Ziel Nr. 1 sein - Innovation an zu kurbeln.

Möglichkeiten schaffen, alle teilhaben zu lassen. Das wäre innovativ.

 

Wie Ruth Spiller zur Nachhaltigkeit kam… und das Digitale zu lieben begann

Von Thomas Otto Schneider

Schon als Kind war Ruth den kreativen Künsten, dem Erfindertum und selbst den ganz großen Fragen zugetan. So ergab sich im Alter von acht Jahren in einem Gespräch mit dem örtlichen katholischen Pfarrer, eine erste Schlüsselfrage, die im Prinzip bereits auf das Thema Nachhaltigkeit verwies. Es ging um den Sinn der Beichte mit dem anschließenden „Vater Unser“. Wenn man sich also falsch verhielt und dann beichtete - bedeutete dies, dass eigentlich alles getan werden durfte, wenn es nur nachher bereut wurde? Wäre es nicht besser, wenn möglichst gut und vorausschauend gehandelt würde, indem man behutsam mit der Umwelt und den Mitmenschen umginge, als später auf die Vergebung von Missetaten hoffen?

So einfach es für Kinderaugen scheint, ist es oft später nicht mehr. Doch Ruth strebte weiter nach Einfachheit – und eben vor allem nach Sinnzusammenhängen. Parallel zu ihrer beruflichen Entwicklung im Modedesign, in Fernsehredaktionen und der Werbebranche, begeisterte sie sich immer wieder für ehrenamtliche Engagements und kam so mit Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und mit spannenden Werdegängen zusammen. 

Durch die oft ernsthaften Konfliktthemen mit denen Ruth konfrontiert wurde, fiel ihr die unterschiedliche Rezeption der Medien dazu auf. Es begannen sich erste Disharmonien heraus zu kristallisieren: Wer oder was ist in den Medien präsent? Was bekommt offenbar kaum jemand mit? Wieso wirkt die Welt oft so düster gezeichnet, wenn doch auch soviel Gutes geschieht und es so viele engagierte Menschen gibt? Wieso wird der Mensch in den Medien und der Werbung so stark typisiert dargestellt, obwohl es doch solch eine Vielfalt gibt?

NACHHALTIGKEIT UND TECHNISCHE INNOVATIONEN

Auch zur digitalen Welt fand Ruth Spiller bereits früh einen Zugang: Im Alter von 17 Jahren entdeckte sie spielerisch die Gestaltungsmöglichkeit von Bildbearbeitungs- sowie Grafikprogrammen und setzte sich einige Zeit später in dem Projekt „MiM - Mädchen in Medien“ der LAG e. V. für die Erschließung technischer Kommunikationsberufe für Mädchen ein.
Was reizt Frauen so, dass sie „Bock auf Technik“ bekommen und diese mitgestalten wollen?
Als Kind einer Familie mit langer akademischer Tradition, aus den Bereichen Bildung und Kultur oder technisch-handwerklichen Berufen (immer „nine to five“ oder im Beamtendienst), war sie von Anbeginn eher ein Freigeist und wollte alles anders machen. So war ihr Zugang zum Thema Innovation vorprogrammiert.

Ruth Spiller war auch die erste in ihrer Familie, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Ihr Pioniergeist begann fortan zu gedeihen und bewies sich ein ums andere Mal. Sie weiß aus Erfahrung, dass zur Innovation vor allem Mut und eine Portion Intuition gehört. Aber es braucht auch Unterstützung und Unterstützer, damit gute neue Ideen Zeit haben zu wachsen. Nur so können nicht mehr in die Zeit passende Formen aufgelöst und erneuert werden. In der Natur findet dies unablässig statt. Der Fortschritt liegt also in unserer Natur, wobei altbewährte und sinnvolle Prozesse immer beibehalten werden. Doch die Natur beutet sich niemals selbst aus. Wir sollten es auch nicht tun.

Stand: Juli 2017