Sabine Nixtatis

Sabine Nixtatis wurde am 29. Dezember 1982 in Düsseldorf geboren und ist seit 2002 bei der DKV Mobility Services Group tätig. Nach ihrer Ausbildung zur Informatikkauffrau absolvierte sie parallel ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing-Kommunikation an der WAK in Köln. Innerhalb des Unternehmens war sie zunächst verantwortlich für die Planung Steuerung des gesamten Marketingbudgets, die strategische Ausrichtung und Steuerung des „Eco Performance Awards“, Europas führenden Nachhaltigkeitsaward der Transport- und Logistikbranche, inkl. aller Kommunikationsmedien, Planung und Umsetzung aller Veranstaltungen sowie Konzeption und Durchführung des internationalen Marketings. Bereits 2014 hat S. Nixtatis mit der Leitung des Projekts „Go Green“ für die Unternehmensgruppe erste Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt. Schwerpunktthemen waren hier neben dem klimaneutralen Firmensitz inkl. CO2-Bilanz die Einführung der klimaneutralen Tankkarte, die Etablierung einer einheitlichen Kommunikationsstrategie sowie erste Maßnahmen zur CO2-Reduzierung.
Seit der Spezialisierung zum CSR-Manager Ende 2015 bei der IHK Bonn besetzt S. Nixtatis seit dem 01. Januar 2016 innerhalb der Unternehmensgruppe die Funktion des Expert CSR.

 

Was die Generation Y in Nachhaltigkeitsberufen macht

Interview mit Sabine Nixtatis

Frau Nixtatis, was gehört für Sie zu den derzeit wichtigsten Herausforderungen Ihrer Branche?

Vor dem Hintergrund der Globalisierung und Digitalisierung gehört die Überführung von Technologien. Strategien, Führungsstrukturen und Prozessen ins digitale Zeitalter für uns heute zu den wichtigsten Herausforderungen.

Die sich verändernde Arbeitswelt führt auch zu einer verstärkten Nutzung digitaler Technologien. Was bedeutet das für den Güter- und Personentransport auf der Straße?

Im Rahmen der digitalen Entwicklung ergeben sich hier neue Möglichkeiten und Lösungsansätze zur Bewältigung der zunehmenden Transportströme. Zugleich führen Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit zu einem Umdenken in der gesamten Branche.

Die Position des CSR Expert wurde im Januar 2016 neu geschaffen. Haben Sie sich auch schon vorher in diesem Bereich engagiert?

Ja, bereits 2014 leitete ich das Projekt „Go Green" für die Unternehmensgruppe und setzte erste Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit. Schwerpunktthemen waren hier neben dem klimaneutralen Firmensitz inklusive CO2-Bilanz die Einführung der klimaneutralen Tankkarte, die Etablierung einer einheitlichen Kommunikationsstrategie sowie erste Maßnahmen zur CO2-Reduzierung.

Was sind Voraussetzungen für einen effizienten und umweltfreundlichen Transport und wettbewerbsfähige Industrien?

Dazu gehören - um nur einige Beispiele zu nennen - die Zunahme von Digitalisierung, transportvorauseilende und - begleitende Informationsflüsse sowie die Weiterentwicklung von alternativen Fahrzeug- und Antriebstechnologien im Verbund mit vernetzten Assistenzsystemen.

Weshalb nehmen in der Logistikbranche und im Transportsektor ökologische Aspekte heute und in Zukunft einen hohen Stellenwert ein?

Deutschland gehört aufgrund seiner sehr guten Infrastruktur und zentralen Lage in Europa weltweit zu einem der bedeutendsten Logistikstandorte. Der Verkehr bezieht hier seine Energie zu über 90 Prozent aus Erdöl und ist für rund ein Fünftel des deutschen Treibhausgasausstoßes verantwortlich.

Viele Experten gehen davon aus, dass die Beachtung des CO2-Ausstoßes künftig bei der Gestaltung von Transportketten ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein wird, da das Bewusstsein über die ökologischen Zusammenhänge und die Nachfrage nach „Grüner Logistik " stetig zunimmt.

Was muss getan werden, um die globalen Klimaziele zu erreichen?

Dazu ist es notwendig, dass alternative Energieträger neben dem Energiesektor auch im Transportsektor gefunden werden müssen. Erforderlich dafür sind umfangreiche verkehrs- und energiepolitische Maßnahmen sowie technologische Veränderungen. Ein wichtiger Schritt zum Klimaschutz liegt beispielsweise in der drastischen Reduktion der Nutzung fossiler Kraftstoffe wie Benzin und Diesel.

Aus einer Studie der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Dervices SCI geht hervor, dass CSR-Maßnahmen von Logistikdienstleistern im Bereich Fuhrpark und Transport derzeit häufig nur punktuelle und oft unkoordinierte Einzelmaßnahmen sind, die ohne strategische Verankerung umgesetzt werden. Können Sie das bestätigen?

Dies ist vielfach zu beobachten: Zu Einzelmaßnahmen gehören beispielsweise Fahrerschulung, die Wahl einer anderen Bereifung, Maßnahmen der Transportplanung, verbesserte Routenplanung und Vermeidung von Leerfahrten.

Wichtig ist allerdings, dies auch strategisch zu verankern, denn erst aus einer umfassenden CSR- bzw. Nachhaltigkeitsstrategie lassen sich entsprechende Maßnahmen und Ziele ableiten. Aus diesem Grund geben wir in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2015 heraus, der sämtliche Aktivitäten zusammenfasst.

Er bildet die Grundlage für eine nachprüfbare Messung der nachhaltigen Unternehmensaktivitäten. Damit werden die gestiegenen Informationsbedürfnisse seitens der Stakeholder befriedigt, indem sich das Unternehmen an Kriterien wie Transparenz, Offenlegungspflichten und Selbstverpflichtungen orientiert.

Welchen Sinn macht Nachhaltigkeitsberichterstattung für Sie?

Ein solcher Bericht bildet die Grundlage für eine nachprüfbare Messung der nachhaltigen Unternehmensaktivitäten und einen Fahrplan für die Zukunft. Damit werden die gestiegenen Informationsbedürfnisse seitens der Stakeholder befriedigt, indem sich das Unternehmen an Kriterien wie Transparenz, Offenlegungspflichten und Selbstverpflichtungen orientiert.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die neuen Medien?

Sie führen heute zu einem kontinuierlichen Wandel im kommunikativen Umfeld von Organisationen und Unternehmen und sind deshalb von zunehmender Bedeutung für die Reputation eines Unternehmens. Zudem spielen sie insbesondere für die strategische Einbindung der Stakeholder eine wichtige Rolle.

Warum?

Immer mehr Anspruchsgruppen hinterfragen kritisch, wie Organisationen ihrer gesellschaftlich-sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen und entsprechende Risiken managen. Im Rahmen der CSR- bzw. Nachhaltigkeits-Strategie ist der Stakeholderdialog neben dem Nachhaltigkeitsbericht eines der wichtigsten Instrumente der Unternehmenskommunikation. Erst das Zusammenspiel von transparenter Berichterstattung und der Dialog mit der Öffentlichkeit bilden eine vollständige CSR-Strategie.

Damit CSR langfristig den Unternehmenserfolg befördert, bedarf es neben einer strategischen Ausrichtung in den Unternehmenszielen auch eines ganzheitlichen Verständnisses und einer Handlungskompetenz für die praktische Umsetzung. Wie ist dies bei Ihnen gelöst?

Dafür braucht es zunächst Menschen, die CSR-Management als eine langfristige Schnittstellenaufgabe begleiten und abteilungsübergreifend denken und arbeiten: Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Manager.

Um die Maßnahmen unseres Unternehmens noch besser aufeinander abzustimmen, wurde zum 1. Januar 2016 die Position einer CSR-Beauftragten im Bereich Marketing geschaffen, die als Kommunikator, Vermittler und Verstärker des Gesamtthemas agiert.

Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Unser Nachhaltigkeitsverständnis ist eng mit unseren Unternehmenswerten verbunden: verantwortungsvoll und innovativ zu sein und an der Zukunftsfähigkeit der modernen Gesellschaft mitzuarbeiten.

An welchen Maßstäben richten Sie sich aus?

Orientierung, Stärke und Stabilität geben uns unsere Werte. Zudem besteht ein positiver Zusammenhang zwischen ethischen Standards und gesellschaftlicher Akzeptanz, Produktqualität sowie der Gewinnung guter Mitarbeiter.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, und wie reagieren Sie darauf?

Gründe liegen zum Beispiel im Zuzug vom Land in die Städte und den Wirkungen auf die urbane Logistik in den Städten und den umliegenden Gemeinden. Wir haben deshalb vier Handlungsfelder für uns definiert, die unsere nachhaltige Unternehmensführung betreffen: Markt, Umwelt, Mitarbeiter. Als viertes Handlungsfeld - unabhängig von den genannten Megatrends - ist uns das Feld Gesellschaft wichtig.

Welche Megatrends beeinflussen die Transportbranche?

Zurzeit sind es - global betrachtet - vor allem vier Megatrends, die sich als Herausforderungen für nachhaltiges Handeln und Wirtschaften in der Transportwirtschaft darstellen: der Klimawandel, die Globalisierung, Ressourcenknappheit sowie der demographische und strukturelle Wandel in der urbanen Logistik.

Was ist im Bereich Umwelt eine besonders wichtige Herausforderung?

In diesem Handlungsfeld steht besonders die Reduzierung der betrieblichen CO2-Emissionen um 10 % auf unserer Agenda - bei überproportionalem Wachstum. Das bedeutet, dass wir bis zum Jahr 2020 in Summe 500 t C02 einsparen werden. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das wir aber erreichen wollen.

Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?

Wir möchten recyclingfähige Produkte entwickeln wie zum Beispiel Tankkarten oder der Mautboxen, ein Eco-Fahr-Training für unsere Kunden entwickeln. Zudem soll ein nachhaltiges Lieferantenmanagements durch Leitlinien und Selbstbeurteilungen implementiert werden. Ebenso gehört die Einführung eines Umweltmanagements mit der Zertifizierung nach ISO 14001 dazu. Darüber hinaus soll ein strategisches Innovationsmanagement implementiert und der Einsatz und die Unterstützung von Projekten rund um die eMobilität gefördert werden.

Quelle: Huffington Post (11.6.2016),  http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/generation-y-nachhalt...

Stand: Juli 2016