Sabuha Ilgaz

Sabuha Ilgaz, Jahrgang 1979, ist seit Mai 2011 Doktorandin in der Professur für Wirtschaftsgeographie der KU Eichstätt-Ingolstadt und promoviert zum Thema „ethisch-nachhaltige Investments“. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie die Marktentwicklung und –dynamik von ökologisch-sozialen und religiös-ethischen Finanzprodukten in Deutschland und der Türkei. Das Projekt wird von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) in Form eines Promotionsstipendiums gefördert.

Vor ihrem akademischen Werdegang absolvierte Frau Ilgaz eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin und holte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg an der Berufsoberschule für Wirtschaft (BOS) in München nach. Seit dem Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftsgeographie an der LMU München arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im universitären Umfeld.

Sabuha Ilgaz ist aktives Mitglied von Geld mit Sinn e.V., der sich für nachhaltig orientierte Informations- und Bildungsarbeit in der Geldanlage einsetzt.


Gutes Tun und dabei Rendite erwirtschaften

Die jüngsten Finanzkrisen fördern den Trend der Investoren, ihr Geld neben der größtmöglichen Rendite auch für einen guten Zweck einzusetzen. Gemeint ist hier die Möglichkeit, durch „ethische“, „nachhaltige“ oder „grüne“ Geldanlagen die klassischen quantitativen Anlagekriterien (Rendite, Risiko/Sicherheit und Liquidität) um eine ökologisch-sozial orientierte qualitative Dimension zu ergänzen. Die Kernidee besteht darin, dass der Anleger einen Zusammenhang zwischen seinen ethischen Prinzipien und seiner Portfolio-Zusammensetzung erkennt und infolgedessen auch dementsprechend handelt.

Transparenz- und Qualitätsprobleme im Markt für ethisch-nachhaltige Geldanlagen

Insbesondere für Privatanleger ist es allerdings nahezu unmöglich, sich ein umfassendes Bild vom Markt für nachhaltige Geldanlagen zu machen, denn nicht selten betreiben einige Produktanbieter, die sich die Label „ethisch“ oder „grün“ anheften, schlicht „Greenwashing“, d.h. durch PR-Methoden versuchen sie, ein umweltfreundliches und gesellschaftlich verantwortungsbewusstes Image in der Öffentlichkeit zu erlangen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt. Grünfärberei liegt vor allem dann vor, wenn Fakten verschwiegen werden, sodass die potentiellen Investoren über die schlechte (Nachhaltigkeits-)Qualität der angebotenen Finanzprodukte kaum Bescheid wissen. Aufgrund der fehlenden verbindlichen Standards zur Ausgestaltung eines Finanzproduktes mit dem Attribut „nachhaltig“ bleibt es daher vor allem dem ernsthaft um Nachhaltigkeit bemühten Teil der Finanzbranche die Aufgabe, sich freiwillig strenge Regeln zur Transparenz- und Qualitätssicherung aufzuerlegen. Einen Versuch dazu stellt das „Europäische Transparenzlogo“ dar. Dieses wird seit Mai 2008 vom europäischen Dachverband für nachhaltige Geldanlagen (Eurosif) für nachhaltige Publikumsfonds vergeben, deren Anlagestrategien und Investitionsinstrumente korrekt, angemessen und rechtzeitig offengelegt werden.

Ethisch-nachhaltiges Investment als Zeichen einer Bewusstseinsveränderung

Ein grünes Anlagekonzept, das hält was es verspricht, versetzt den Anleger in die Lage, unternehmerisches Handeln mit ethischen Zielen zu beeinflussen und somit an einem sinnvollen Wertewandel in der Gesellschaft effektiv mitzuwirken. Vereinfacht gesprochen geht es darum, kontroverse Geschäftsfelder und –praktiken (wie z.B. Kinderarbeit, Arbeitsrechtsverletzungen, Massentierhaltung, Korruption oder unkontrollierte Verbreitung von Rüstungsgütern) zu vermeiden und positive Aspekte des Wirtschaftens (wie z.B. vorbildlicher Umgang mit Mitarbeitern, umweltfreundliche Innovationen, gute Beziehungen zu Gewerkschaften und Transparenz bei der Berichterstattung) zu fördern. Ethisch-nachhaltiges Investment stellt zwar keinen Ersatz für die notwendigen Re-Regulierungsmaßnahmen auf Finanzmärkten dar, aber sie kann als Zeichen einer Bewusstseinsveränderung bzw. als Signal für die Bereitschaft von Anlegern verstanden werden, die notwendigen politischen Reformen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft durch das subjektive Anlageverhalten zu unterstützen.