Samka Graf

Samka Graf ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Mystid OHG, einem deutschen Unternehmen, das sich auf  Entwicklung, Design, Produktion, und Vertrieb von Notebook-Taschen spezialisiert hat. Nach Abschluss ihrer kaufmännischen Ausbildung im Jahr 1991 machte Samka Graf  rasch Karriere im Einzelhandel.  Von der Abteilungsleitung bei Kaufland über den regionalen Vertrieb bis zur Center Leitung in Rottweil vergingen nur wenige Jahre.  Im Jahr 2001 suchte sie nach einer neuen Herausforderung und wechselte zum Metro-Konzern, in die regionale Führungsebene.

Im Jahr  2006 wechselte sie zur Arlt-Computer GmbH, in die Geschäftsleitung. Ausgestattet mit Einzelprokura verantwortete sie die Umsetzung der Umstrukturierung und Neuausrichtung dieses mittelständigen Unternehmens.  Sie sah in der Entwicklung der ‚etwas anderen‘ Notebook Taschen großes Potential, und nutzte dieses. Im August 2010 war die Geburtsstunde des neuen Business-Notebooktaschen Projektes. Seit Beginn des Jahres 2013 setzt sie in ihrer Haupttätigkeit als Geschäftsführerin der mySTid OHG, ihre Passion und ihre Ziele auf ihre nachhaltige Art erfolgreich um.

Für Samka Graf ist es von großer Bedeutung, dass die Produkte zu 95% in Europa handgefertigt hergestellt werden, was enorme Transportkosten und dadurch Ressourcen einspart.  Außerdem werden in wirtschaftlich schwachen Ländern in Osteuropa Arbeitsplätze geschaffen, was den Menschen in diesen Regionen eine neue Perspektive gibt, darauf ist sie besonders stolz.

Wachstum und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch

Interview mit Samka Graf, Geschäftsführerin mySTid, Business- & Notebook-Bags

„Konsum ist etwas Gutes“, bekannte der Vorstandschef von H&M, Karl-Johan Persson im Juli in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Sehen Sie das auch so?

Wenn Herr Persson damit meint, dass Wachstum und Nachhaltigkeit keinen Widerspruch darstellt, bin ich ganz bei ihm. Für uns als kleines Unternehmen war von Anfang an klar, dass wir nur im Einklang mit unseren persönlichen Überzeugungen wachsen wollen. Wir wollen Taschen produzieren, die sich durch eine hohe Funktionalität, ein elegantes Design und einen ideellen Mehrwert auszeichnen.

Wie genau definieren Sie diesen Mehrwert?

Unser ideeller Mehrwert setzt sich aus einer Reihe einzelner Bestandteile zusammen: Wir lassen in Handarbeit fertigen – dadurch ist jede Tasche ein Unikat. Wir stellen unsere Produkte zum Großteil in Europa her – in Polen, Tschechien und in Bosnien und helfen in diesem ehemaligen Bürgerkriegsland damit direkt und vor Ort. Und wir verwenden Eco-Leder, ein feines Kunstleder, für das kein Tier seine Haut lassen muss. Zudem engagieren wir uns für den Erhalt von Korallenriffen. Ein Teil unserer Einnahmen wurde bereits genutzt, um ein künstliches Korallenriff in Landaa Giraavaru auf den Malediven anzulegen. So lässt sich der Zerstörung, der für die Umwelt so wichtigen Korallenriffe, bewusst etwas entgegen setzen.

Nachhaltigkeit bedeutet nach dieser Darstellung also nicht mehr, ein Naturprodukt zu fertigen?

Ganz genau. Wir erleben derzeit, dass die Menschen ihre Definition von Nachhaltigkeit erweitern. Marktforschungen wie die KommunikationsAnalyse von Gruner + Jahr zeigen, dass die Bereitschaft „gezielt umweltfreundliche Produkte“ zu kaufen, nachlässt. Stattdessen achten die Menschen beim Kauf auf nachhaltige, faire Produktionsbedingungen und unternehmerische Verantwortung – eine ganzheitliche Definition von Nachhaltigkeit.

Die Branchen Textilhandel und Telekommunikation landen im aktuellen Ranking des „Sustainability Image Score 2013“ auf den hinteren Plätzen. Wie können Sie sich mit Ihren Produkten davon differenzieren?

In der Vergangenheit galt: Mode und Nachhaltigkeit sind ein Oxymoron. Denn es ging bei der Gestaltung der äußeren Hülle ja gerade darum, immer wieder Neues zu zeigen. Von dem Moment an, als Tom Ford als einer der ersten in den Neunzigerjahren Models mit Handtaschen über den Laufsteg schickte, wurde diese Definition auch auf Taschen übertragen. Die It-Bag war geboren, die spätestens mit jeder neuen Saison ausgetauscht werden musste. Diese Haltung ändert sich gerade: Zum einen sind Notebook- und Sleeve-Taschen mehr als eine Handtasche, zum anderen wächst die Bedeutung dessen, was darin transportiert wird.

Sie meinen, Notebooks, Smart Phones und Tablets haben heute eine andere Wertigkeit als früher?

Das ist definitiv so. Laptops, Smart Phones & Co. haben ihr Image als reine Arbeitsgeräte längst abgelegt. Sie sind Multifunktionsgeräte, die in Arbeit und Freizeit, als mediales Endgerät und Terminkalender, als Fenster zur Welt und digitales Adressbuch funktionieren. Dabei sind sie nicht nur praktisch, sondern auch haptisch. Tragbare Kommunikationstechnologie ist die Nabelschnur, die wir brauchen, um uns angeschlossen, nicht ausgeschlossen zu fühlen.

Was hat diese neue Definition der technischen Endgeräte ausgelöst?

Die Ursachen für die Neubewertung der technischen Geräte sind vielfältig. Sie hängt zum einen mit der Veränderung unserer Arbeitswelt zusammen, in der es für immer mehr Menschen selbstverständlich wird, ihr Arbeitsgerät immer mit sich zu führen – ob sie auf Geschäftsreise sind oder auf dem Weg vom Büro ins Home Office zum Sport und zurück. Zum anderen drückt sich darin jedoch auch eine Neubewertung der Dinge aus, die uns wichtig und kostbar sind. Das neueste iPhone, ein chicer Tablet PC, ist zu einem neuen Statussymbol geworden.

Und auf diese Statussymbole wollen wir besonders gut Acht geben?

In der Tat. Marktstudien belegen, dass etwa Käufer von Apple- Produkten eine ganz besondere emotionale Bindung zu ihren IT-Produkten entwickeln. Doch auch für alle anderen Hersteller gilt: Unsere tragbaren Computer, unsere Telefone, Lesegeräte und Tablet Rechner spiegeln ein Stückweit unsere Seele. Sie speichern unser Wissen, unsere Kontakte und unsere Kommunikation – alles entscheidend im Informationszeitalter. Und sie versprechen Ablenkung und Unterhaltung – schließlich enthalten sie auch unsere Musikdatenbank oder unser Lieblingsbuch.

Wie sieht diese Schutzfunktion bei den mySTid-Taschen genau aus?

Wir setzen bei der Produktion unserer Taschen auf hochwertiges Eko Leder bzw. fleckenresistentes Magic-Material, bei denen Milliarden von Nano-Filmen jedes einzelne Garn umhüllen, so dass Flüssigkeiten einfach abperlen. Zudem sind unsere Taschen so gepolstert, dass technische Geräte perfekt vor Kratzern und Stößen geschützt sind. Trotzdem zeichnen sich die Taschen durch ein geringes Gewicht und extreme Langlebigkeit aus – auch das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsbestrebungen.

Nachhaltiges Wirtschaften impliziert ja immer auch Zukunftsfähigkeit. Wie stellen Sie das in Ihrem Unternehmen sicher?

Zu unserem Verständnis von Nachhaltigkeit gehört das Denken in Kreisläufen: Indem wir Produktionsstätten in Polen betreiben, sichern wir einigen Familien dort vor Ort ihre Existenz. Indem wir an unserem Motto „Das Durchschnittliche gibt den Dingen ihren Bestand, aber das Außergewöhnliche verleiht ihnen Wert“ festhalten, erfüllen wir unsere eigens gesteckten Erwartungen an ein wertiges Produkt. Und indem wir der Zerstörung von Korallenriffen mit dem Wiederaufbau neuer Riffe begegnen, leisten wir einen Teil zum Erhalt einer intakten Umwelt. Unser Vertriebssystem sieht zudem die Möglichkeit vor, unsere Taschen mit unserem eigenen Logo oder aber zusätzlich mit dem jeweiligen Logo unserer Kunden zu versehen und so individuell zu konfigurieren – so stellen wir uns den Nachhaltigkeitsansprüchen unserer B2B-Kunden und Vertriebspartner. Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte lassen sich damit zu einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzept verbinden – für uns ist das langfristig gelebte Nachhaltigkeit.

Das Interview führte Tatjana Kiel