Stefan Behnisch

Stefan Behnisch, geboren 1957 in Stuttgart, studierte Philosophie an der Philosophischen Hochschule der Jesuiten in München, Volkswirtschaft an der Ludwig Maximilians Universität München und Architektur an der Universität Karlsruhe. Nach seinem Diplom 1987 trat er in das von seinem Vater Günter Behnisch geleitete Büro Behnisch & Partner ein und gründete 1989 das Zweigbüro Innenstadt, das 1991 unabhängig wurde und seit 2005 als Behnisch Architekten firmiert. Weitere Büros entstanden in Los Angeles (1999 - 2011), Boston (2007) und München (2008). Unter Stefan Behnischs Leitung wurden in Europa und den USA wegweisende Projekte wie das Institut für Forst- und Naturforschung in Wageningen, NL, ein EU-Pilotprojekt für Nachhaltiges Bauen, und das Genzyme Center in Cambridge, MA, das vom US Green Building Council in die höchste Kategorie für nachhaltiges Bauen, LEED Platinum, eingestuft wurde, realisiert.

2004 erhielt er den „Environmental Champion Award“. 2007 wurde er mit dem „Global Award for Sustainable Architecture“ ausgezeichnet, 2009 mit einem „Good Design, Category People“ Award und 2013 mit dem „Energy Performance + Architecture Award“.

www.behnisch.com


Interview mit Stefan Behnisch:

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie den Begriff „Nachhaltigkeit“ hören?

Als erstes denke ich an die ressourcenschonende Lebensweise und beim Bau an den ressourcenschonenden Umgang. Aber eigentlich hat man ursprünglich erst einmal an die Forstwirtschaft gedacht. Und an das, was die amerikanischen Indianer als 7-Generationen Prinzip beschrieben haben. Daher kommt das ja, nur wird der Begriff inzwischen sehr analog angewendet.

Im Jahr 1952 tauchte der Name Behnisch zum ersten Mal in Zusammenhang mit einem Architekturbüro in der Öffentlichkeit auf. Mit welchen Werten und welchen unternehmerischen Überzeugungen haben Ihr Vater und Sie die Firma geprägt?

Mein Vater hat hier in Stuttgart studiert und obwohl er ursprünglich aus Dresden kommt, ist er in Stuttgart geblieben. Er war sehr stark durch seine persönliche Biografie geprägt und hatte ein humanistisch geprägtes Weltbild. Mein Werdegang wurde beeinflusst durch ihn, aber auch durch die Waldorfschule, die ich besuchte. Meine Großeltern mütterlicherseits kamen damals aus Wien nach Stuttgart wegen Rudolf Steiner. Diese Schule hat meine Biografie zweifellos beeinflusst. Das haben wir beide auch in die Architektur eingebracht. Allerdings waren die Aufgabenstellungen bei ihm damals andere, als bei uns heute. Er hat sehr früh nach dem Krieg zunächst den Systembau vorangetrieben. Zu der Zeit versuchte man, Deutschland schnell aufzubauen und der Systembau schien das richtige Mittel dazu. Irgendwann Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre war der Wiederaufbau dann soweit abgeschlossen. Da kamen plötzlich andere Aspekte hinzu. Mein Vater wandte sich sehr schnell vom Systembau ab, denn die baulich-technische Ordnung ist nicht notwendigerweise eine menschliche Ordnung. Der Systembau hat ihn stets an eine militärische Ordnung und Disziplin erinnert. Das grundlegende Welt- und Menschenbild ist bei uns beiden ähnlich, wir pflegen beide diese Ideale. Nur die Ergebnisse und Schlüsse, die wir daraus ziehen, haben sich unterschiedlich entwickelt.

Wann ist Architektur für Sie nachhaltig?

Architektur als nachhaltig zu bezeichnen ist ja in letzter Zeit gang und gäbe. Wir in Deutschland haben ein sehr quantitativ geprägtes Bild von Nachhaltigkeit. Wir schauen auf Kilowattstunden/pro Jahr, d.h. wir betrachten es rein über den Energieverbrauch. Meiner Meinung nach ist das eine Betrachtung, die zu kurz greift. Wir müssen auch qualitative Aspekte einbringen. Letztendlich beeinflusst jedes Gebäude, das wir bauen unsere Umwelt auch negativ in irgendeiner Form. Und die große Frage am Schluss müssen wir selbst beantworten: War es wert, gebaut worden zu sein? Dieser Aspekt muss in der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Wenn Sie mal überlegen, dass ein Gebäude, das intensiv von ganz vielen Menschen genutzt wird, aber nicht gut isoliert ist und doch eigentlich zu viel Energie verbraucht, trotzdem nachhaltiger sein mag, als eines dieser Passivhäuser, in denen zwei Menschen auf 400 Quadratmetern leben und ganz wenig Energie brauchen. Aber die graue Energie, die in dieses Haus investiert wurde und die mäßige Lebensqualität fallen bei den quantitativen Verbrauchsbetrachtungen nicht ins Gewicht.

Nachhaltigkeit ist demnach ein wiederentdeckter Aspekt in der Architektur?

50 Jahre vor Christus war die Menschheit durchaus schon in der Lage, nachhaltig zu wirtschaften und zu bauen; bis Mitte des letzten Jahrhunderts. Erst als wir billige Energie im Überfluss zur Verfügung hatten, konnten wir uns lösen von den Bedingungen der Natur und  der Umwelt. Ursprünglich bauten wir Menschen steinerne oder hölzerne, manchmal auch erdene Gebäude. Wir konnten diese nicht auf 28 Grad hoch heizen oder kühlen im Winter. Wir mussten über unsere Kleidung reagieren, wir mussten über unsere Lebensverhältnisse reagieren. Und im Sommer, wenn es heiß war, mussten wir auch reagieren. Bestimmte Regionen dieser Erde konnten wir gar nicht kommerziell nutzen und ausbauen. Plötzlich, durch die Erfindung des Dämmmaterials aber auch durch die Erfindung der Klimaanlage, waren wir in der Lage die äußeren Lebensumstände zu negieren und durch billige Energie zu kompensieren. D.h. dieser Aspekt des Bauens, des nachhaltigen Bauens, ist gegen Ende des letzten Jahrhunderts überhaupt erst zum Thema geworden. Anfang der 1970er Jahre mit dem Club of Rome: Grenzen des Wachstums.
Andererseits darf man nicht vergessen, dass die Menschheit aber auch schon sehr früh angefangen hat, Raubbau zu betreiben. Schon die Griechen und Römer hinterließen verödete Landschaften.

Das Institut für Forst- und Naturforschung war Ihr erstes nachhaltiges Projekt? Welchen Einfluss hatte es auf Ihr weiteres Wirken?

Das war in der Tat das erste Projekt, bei dem wir uns wesentlich bewusster mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander gesetzt haben und zwar nicht nur rein auf energetischer Ebene, sondern lebenszyklisch. Hier mussten wir von der grauen Energie bis hin zur Entsorgung des Hauses alles berücksichtigen. Wir haben damals mit dem Fraunhofer-Institut aus Freiburg zusammen gearbeitet. Denn damals, das darf man nicht vergessen, gab es zwar die Debatte allgemein, sie stand im Raum, aber es gab keine Bauteilkataloge oder andere präzise Informationen und Methoden. Graue Energie oder die Entsorgung des Gebäudes haben damals in der öffentlichen Debatte keine Rolle gespielt. Dieses Gebäude hat uns sehr geprägt, weil wir daraus gelernt haben wie man ressourcenschonend bauen kann. Welchen Einfluss das auf die Menschen und ihr Verhalten haben kann. Ich glaube, die damalige Planung war der größte Schritt in diese Richtung. Ein solches Gebäude, welches mit Sorgfalt gebaut wurde und in dem die Nutzer diese Bemühungen und die Sorgfalt der Planung kennenlernen und erkennen, hat großen Einfluss auf deren Verhalten, auch im privaten und im allgemeinen Umgang mit Architektur und dem Thema Nachhaltigkeit.

Wie hat sich das Verhalten von Nutzern und Bauherrn im privaten und im gewerblichen Bereich verändert in den letzten Jahrzehnten?

Sicherlich ist in den letzten Jahrzehnten das Bewusstsein für die Problematik gewachsen. Auch ein Bewusstsein für die Debatte ist gewachsen. Und ich glaube tatsächlich, dass sich das Bewusstsein in der Bevölkerung deutlich besser entwickelt als in der Politik. Wenn ich mir den Koalitionsvertrag anschaue und sehe, dass die NRW-Ministerpräsidentin Kraft mit ihrem Kohleproblem den größten Einfluss auf das Umweltministerium bekommt, so ist das absurd. Die Politik ist zu sehr klientelbehaftet. Aber die meisten von uns haben das Problem erkannt. Es gibt einen großen gesellschaftlichen Wandel, den wir zwar miterleben, aber kaum wahrnehmen. Nur wenn wir in Sprüngen zurückdenken. Als ich Kind war, lagen noch Matratzen, Autoreifen und Kühlschränke im Wald. Heute völlig undenkbar. Jeder hat damals irgendwelche Papierchen auf die Straße geworfen. Meine Söhne kämen heute nie auf den Gedanken. Bei der Energie und dem Umweltbewusstsein verhält es sich ähnlich. Es gibt in der Bevölkerung nicht viele Menschen, die die Energiewende in Frage stellen. Vielleicht müsste man das „Wie“ der Energiewende diskutieren. Das „Ob“ ist doch unbestritten. Und man müsste aufhören, die Debatte mit den Sünden der Vergangenheit zu vermengen und zu belasten.

Das Management der Energiewende durch die Politik gerät in Deutschland immer stärker in die Kritik. Welche Bedeutung könnte dem Gebäudesektor bei diesem Vorhaben zukommen, wenn man Einsparpotentiale effizient nutzen würde?

Der Gebäudesektor ist ein großer Energieverbraucher, deutlich größer als der Verkehr zum Beispiel. An sich hat das Haus aber einen besseren Ruf als das Auto, sollte es eigentlich aber gar nicht haben. Ich glaube nicht mal, dass wir ein Energieproblem bei unseren Häusern haben. Ich glaube, wir haben ein Energiemanagement-Problem. Wenn ich das, was ich in einem Gebäude an Wärme benötige aus dem Abfall der Herstellung anderer Energien nutzen könnte, sähe unsere Bilanz schon viel besser aus. Hitze, oder Wärme ist ein reines Abfallprodukt der Fortbewegung, der Produktion der elektrischen Energie, bei Reibung etc.. Wenn ich Energie bündeln und nutzen könnte, gäbe es eine ganz andere Effizienz. Wir müssen zu intelligenten Systemen kommen, zu diesen Smart Grids zum Beispiel. Ich glaube, dass das Wohl unseres Landes sowohl im ökonomischen als auch im ökologischen liegt, und zwar in den individuellen, dezentralen, kleinen Einheiten und nicht in den großen Monopolen. Davon bin ich absolut überzeugt. Ich meine, dass die Entwicklung in der Regierungszeit Schröder, so gut diese in mancherlei Richtung war, hin zu monopolitischen Energiegiganten völlig falsch war. Tatsächlich haben wir in jedem Haus wahrscheinlich genug Energiepotential zur Verfügung, um unser Land allein aus den Heizungsanlagen zu versorgen, in dem wir die Energie gut managen. Dazu bräuchten wir eigentlich kleine Blockheizkraftwerke in allen Häusern, denn die Abwärme hätten wir ja sowieso. Wenn ich die Kilowatt der Brennkessel z.B. in Stuttgart zusammenzähle, hätte ich eine irrsinnige elektrische Energie zur Verfügung, wenn ich es entsprechend nutzen würde. Eigentlich müsste es ein Infrastrukturministerium geben, bei dem Energie, Verkehr und Internet gebündelt würden. Das Bauen hingegen gehört eigentlich ins Kultusministerium.

Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen wurde Ihnen 2007 der „Global Award for Sustainable Architecture“ verliehen. Welche Bedeutung hat dieser für Sie?

Es ist tatsächlich der dritte Preis, den ich für nachhaltiges Bauen in Frankreich bekommen habe. Die Preise haben für mich eine große Bedeutung, allerdings nicht, um mich damit brüsten zu können. Es ist zwar nett, diese in der Referenzliste zu haben. Es ist jedoch viel wichtiger zu sehen, dass diese Themen auch öffentlich wahrgenommen werden. Die Tatsache, dass es solche Preise gibt heißt, dass es Menschen gibt, die ein solches Verhalten für preiswürdig halten. Das ist das Ermutigende dabei.

Welches sind für Sie die Benchmarks nachhaltiger Gebäude im gewerblichen und privaten Bereich? Was machen diese aus?

Die Benchmarks für Nachhaltigkeit sind schwer zu greifen. Es gibt verschiedene Bewertungssysteme wie DGNB, LEED usw. Wir haben beides angewendet, es ist beides richtig. Sie sagen aber nicht wirklich etwas über die Nachhaltigkeit von Gebäuden aus. Es sagt etwas aus darüber, dass man sich damit beschäftig hat. Ich würde sagen, die Benchmarks eines Gebäudes sind zum einen die energetische Nutzung (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr), aber auch die städtebauliche Qualität, die Nutzbarkeit des Gebäudes. Und können wir es in 50 Jahren noch sehen? Wie flexibel ist es? Ist es umnutzbar? In Melbourne werden zum Beispiel seit 20 Jahren keine Hochgaragen mehr genehmigt, deren Geschosshöhen von denen eines normalen Gebäudes abweichen, eben um sie später für andere Zwecke nutzen zu können; eine intelligente Maßnahme.

Die Bewertungskriterien für Nachhaltigkeit sind komplex. Sie können nicht über ein Ratingsystem alleine erledigt werden.

Weshalb ist es wichtig, Nachhaltigkeit in eine ökonomische Sprache zu übersetzen und zu messen?

Das ist natürlich wichtig, weil das Geld für uns oft ein Entscheidungskriterium ist. Bewertbarkeit ist aber noch wichtiger als Bemessbarkeit. Es kommen auch weiche Faktoren wie Image hinzu sowie Recruiting, Fehlzeiten und Effizienz. Es gab Kunden von uns, deren Investment sich schon nach zwei Jahren rentiert hatten, etwa durch die Reduzierung der Krankheitstage der Mitarbeiter oder die Werbewirksamkeit einer solch nachhaltigen Anlage mit dem entsprechenden Auftritt. Da war die Energie noch nicht einmal eingerechnet. D.h. wenn wir Bewertungsfaktoren diskutieren, müssen wir breitere Faktoren diskutieren, als die rein energetischen. Wir dürfen eines nie vergessen: Umweltschäden werden bei uns sozialisiert. Hätten wir vor 40 Jahren gewusst, welche Folgen und Folgekosten die Atomkraft hat, wäre nie ein Atomkraftwerk gebaut worden. Der Bau eines Atomkraftwerkes verschlingt einen Bruchteil der Kosten, die eine rückstandslose Beseitigung kosten wird, wenn es diese überhaupt geben wird. Eine Hypothek kommenden Generationen fahrlässig aufgelastet.

Nachhaltigkeit bräuchte einen Apple-Effekt, es müsste cool und sexy werden. Die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, Österreich, Schweiz und den skandinavischen Ländern ist da. Es sind eher Politik und Wirtschaft, die bremsen.

Welche deutschen und internationalen Standards für nachhaltiges Bauen sind für Sie besonders relevant?

Ich bin kein Fan von Standards, weil Standards nicht innovationsfördernd sind. Aber sicherlich ist der DBNB-Standard ein Guter. Den Passivhausstandard halte ich für absolut innovationshemmend, weil er nicht ergebnis- sondern methodikorientiert ist. Er sagt uns das „wie“, nicht das „was“. Die Dämmung als Selbstzweck ist umweltpolitisch ein Riesenproblem. Für unser Stuttgarter Bürogebäude, in dem sie gerade sitzen, haben wir acht Löcher im Hof gebohrt für Geothermie. Was sie da oben sehen sind Heiz- und Kühldecken, alles LED-Beleuchtung, neue Fenster und außen in sinnvollem Umfang gedämmt. Unser Energieverbrauch ist um den Faktor 10 nach unten gegangen. Das wäre mit fast jedem Gebäude zu erreichen. Wir wollten beweisen, dass man das auch mit einem alten Gebäude machen kann. Es war kein Passivhausstandard, weil wir Tageslicht und natürliche Belüftung wollen. Unser Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr liegt eigentlich noch unter dem Passivhausstandard.

Sie nehmen für sich in Anspruch „Architektur vom Nutzen und vom Nutzer her zu denken“. Woher beziehen Sie Ihr Wissen? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Lehrtätigkeiten? Was sind die Zukunftstrends in Ihrer Branche?

Tatsächlich entwickeln wir Architektur aus der Aufgabe, aus der Situation, aus dem kulturellen Zusammenhang vom Nutzer her, aus den klimatischen Zusammenhängen, usw. Viele Informationen sammelt man natürlich im Laufe seines beruflichen Lebens an. Uns ist die Diskussion mit dem Bauherrn wichtig. Uns ist auch die Diskussion mit den Nutzern sehr wichtig. Die Lehrtätigkeit ist ein wichtiger Aspekt, die hält mich eher auf dem Boden der Tatsachen und am Puls der Zeit. Weil ich einfach merke, was die jungen Menschen denken und fühlen. Die Lebenspläne der jungen Menschen heute sind ja andere, als es unsere waren. Die Ideale sind andere. Da muss jeder, ob Arzt, Jurist oder Architekt auf dem Laufenden bleiben. Wie entwickelt sich unsere Gesellschaft. Die gesellschaftlichen Entwicklungen wiederum sind der Auslöser für politische Entwicklungen, nicht andersrum. Die Politik glaubt zwar, sie würde unsere Gesellschaft steuern, aber es stimmt nicht. Da hilft die Lehrtätigkeit einem sehr, dran zu bleiben. Was sind die Trends, wohin geht es. Als Beispiel sei die Entwicklung zu den hochkommunikativen Arbeitsplätzen genannt.

Weshalb ist die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit immer auch ein privates Thema, das sich vom beruflichen Engagement nicht trennen lässt? Wie setzen Sie persönlich Nachhaltigkeit im täglichen Leben um?

Ich bin sicher nicht Thomas von Aquin. Natürlich, wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beruflich beschäftigt, möchte man sich auch selber damit austesten. Wo sind die Grenzen des Sinnvollen? Wo sind die Grenzen des Zumutbaren? Aber wo sind auch die spannenden qualitativen Aspekte. Ich habe hier unser Büro beschrieben, das haben wir gemacht um auszuloten, was wir unseren Bauherren empfehlen können. Im privaten Umgang versuche ich schon auf dem Stand der Technik zu sein und möglichst vernünftig zu leben. Ich bin jetzt nicht so, dass ich nur Ferien mit dem Fahrrad im Schwarzwald machen würde. Ich liebe schon den Lebensstandard, den wir haben. Ich bin ja viel unterwegs, gerade auch in USA. Mein CO2-Footprint ist bestimmt nicht so gut, wie der von vielen anderen. Mich reizen so neue Dinge wie Car2Go und solche Themen. Ich fahre viel Zug. Aber es ist nicht so, dass meine ganze Familie mit Jutetasche rumlaufen würde.

Sie sind sehr viel in der Welt unterwegs. Welches sind für Sie die Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltiger lebenden Gesellschaft und wie können wir diese meistern?

Die echten Herausforderungen sind Information und Erziehung für eine nachhaltigere Gesellschaft. So lange wir uns nur mit den Symptomen und nicht mit den Prinzipien beschäftigen, ist es schwierig. Wir müssen an die Prinzipien ran. Und wir müssen aus den Köpfen rausbekommen, dass ein nachhaltigerer Umgang mit unserer Umwelt einen Rückschritt bedeutet. Da komme ich wieder zu dem Apple-Prinzip. Wir müssen dazu kommen, dass die Menschen verstehen, dass es ein Zugewinn an Lebensqualität ist.

Was zeichnet Ihre "Handschrift" aus? Was soll als Botschaft von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Bei uns Architekten ist stark prägend, dass wir, wie vorhin erwähnt, von der Aufgabe, vom Individuum ausgehen. Wir versuchen nicht, ein Behnisch Branding dem Bauherrn aufzudrängen, sondern wir versuchen, eine angemessene Lösung für jede Aufgabe zu finden. Und ein Aspekt, ein wichtiger, aber nicht der Einzige, ist das Thema Nachhaltigkeit.
Wenn dann bleibt, dass die Leute sagen, guck mal, da steht ein Behnisch, dann ist schon viel erreicht.

Das Interview führte Hauke Schwiezer.