Stefan Schulze-Hausmann

Stefan Schulze-Hausmann, Jahrgang 1960, ist Wissenschaftsjournalist und Rechtsanwalt. Er kam schon kurz nach dem Jurastudium und einigen Auslandsaufenthalten zum ZDF und moderiert dort seit 1989 verschiedene Formate. Unter anderem gab er neun Jahre der Technologiesendung »HITEC« und siebzehn Jahre dem Mobilitätsmagazin »Tipps und Trends mobil« auf 3sat ein Gesicht. Seit 1999 präsentiert Schulze-Hausmann das tägliche 3sat-Zukunftsmagazin »nano«. Stefan Schulze-Hausmann ist außerdem Geschäftsführer der Coment GmbH, einer Kommunikationsagentur mit Büros in Düsseldorf und Berlin, die seit 1990 Veranstaltungen in der Schnittmenge zwischen Unternehmen, Verbänden, Politik und Medien produziert und redaktionell betreut. Zu den Projekten gehören neben Corporate Events die öffentlichen Veranstaltungen des Bundesrates (seit 2006) und der Deutsche Umweltpreis (Moderation 2000 bis 2009). 2008 führte er zahlreiche Partner zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis zusammen, der seitdem jährlich an Unternehmen und ab 2012 auch an Städte und Gemeinden vergeben wird. 2009 rief er die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. ins Leben, deren Vorstandsvorsitzender er ist.

 

Wertschätzung ist Wertschöpfung

»Gesichter der Nachhaltigkeit« leisten ihren Beitrag für das, was sie sich für eine bessere Zukunft wünschen. Jeder wo und wie er kann. 2008 habe ich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) initiiert – als Fernsehjournalist geschult darin, eine neutrale Position einzunehmen und Komplexes nachvollziehbar zu erklären, als Moderator über viele Jahre mit Auszeichnungen und ihrer motivierenden Kraft vertraut. Wo eine unabhängige Sicht Not tut, wo möglichst vielen Menschen Schwieriges nahe gebracht werden muss und wo die Inspiration der Akteure hilfreich ist, setzt mein Beitrag an.

Den DNP bekommen Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen in einem aufwändigen Assessmentprozess nachweisen und anschließend eine kritische Jury überzeugen. Ein Fachkongress dient dazu, dokumentierte Nachhaltigkeitsexzellenz in der Fachwelt zu kommunizieren und Akteure zusammenzuführen. Die medienwirksame Preisverleihung bringt einem breiten Publikum anhand von guten Beispielen nahe, was Nachhaltigkeit eigentlich ist. Das Wesen des Preises ist jedoch die Wertschätzung für die Sieger und ihr Handeln. Mich hat überrascht, wie kontrovers diese Frage innerhalb und außerhalb der »Nachhaltigkeitsszene« gesehen wird: Wertschätzung für Nachhaltigkeit?

Man hört: Ökologische und soziale Taten sind doch ethisch-moralisch geboten, daher zwingend und nicht weiterer Ehren wert. Das Wissen, etwas Richtiges zu tun, ist schon Lohn genug und kann als Ansporn doch genügen. Wer sich in Unternehmen für Nachhaltigkeit einsetzt, ist sowieso ein Underdog, dessen Treiben die Firma eher Geld kostet als Gewinn bringt. Warum also Anerkennung? Und umgekehrt: Wer mit Nachhaltigkeit Geld verdient, ist manchem Vertreter der reinen­ Lehre suspekt. Da ist Unternehmensgewinn doch Lohn genug. Wer mit Nachhaltigkeit richtig viel Geld verdient, ist außerdem noch allen ein Dorn im Auge, die das auch wollen, aber nicht so schnell oder so gut sind. Warum noch Ehre? Unternehmen, denen Nachhaltigkeitsthemen nicht oder nur bedingt wichtig sind, haben kein Interesse, Leistungen anzuerkennen, die sie selbst rückschrittlich ausschauen lassen. Und dann sind da noch die grundlegenden Ressentiments der aktiven Kleinen gegen die aktiven Großen, die Wertschätzung für deren (im Verhältnis zur Größe vermeintlich überschaubares) Engagement verhindern. Die Großen wiederum ignorieren die »minimalen« Schritte der Kleinen.

Die Zeit ist reif, diese Haltungen zu überwinden. Ich glaube, dass die Dynamik der Wertschätzung von Leistungen eine nachhaltige Entwicklung voranbringen kann. Um die besten Leistungen zu finden, sind transparente und fachlich abgesicherte Vorgehensweisen wichtig. Die Methodik ist der handwerkliche Teil, der so verlässlich und nachvollziehbar wie möglich diejenigen herausarbeitet, die es zu würdigen gilt. Die folgende öffentliche Anerkennung durch eine Auszeichnung ist geeignet, die Akteure nachhaltiger Entwicklung anzutreiben, sie kreativ zu machen, ihren Ehrgeiz wach zu halten, sie durchhalten zu lassen. In welchem Feld sind motivierte, inspirierte und durchhaltewillige Akteure wichtiger als in diesem?

Der Lichtkegel trifft die Besten und strahlt ab auf alle Akteure. Mir fällt auf, wie stark auch (und gerade) diejenigen, denen es ernst ist, sich abgrenzen und im Tagesgeschäft ihre Unterschiedlichkeit zu anderen Akteuren pflegen. Natürlich ist Reibung wichtig – keine Frage, dass vor allem das Ringen um die bessere Lösung uns voranbringt. Aber das Einende verdient aus meiner Sicht stärkere Betonung. Die Akteure nachhaltiger Entwicklung verbindet eine große Schnittmenge an Zielen. Eine Auszeichnung wie der DNP bietet innerhalb der Community die Möglichkeit, einander wertschätzender gegenüberzutreten. Breit wahrgenommene Anerkennung entfaltet ihre Wirkung im Wettbewerb, setzt Standards, bringt diejenigen unter Zugzwang, die hinter dem bepreisten Leistungsniveau zurückliegen. So kann Nachhaltigkeit weiter aus der Nische in die Breite getrieben werden. Mit Begründung kommunizierte Wertschätzung erreicht alle, die nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen. Und das sind nicht nur die Unternehmen, sondern auch Konsumenten, Zivilgesellschaft, Forschung, Politik.

Alle diese Gruppen holen wir in den DNP. Sie bringen ihre Expertise in das Kuratorium, in die Jury und in den Kongress ein. Sie wirken als Repräsentanten von Meinungen und Strömungen, als Multiplikatoren, in der Mitte der Gesellschaft. Den Besten Anerkennung und Wertschätzung in Form einer Auszeichnung entgegenzubringen, hat somit auch ein politisches und kulturelles Anliegen. Es geht um die Wertschätzung von Nachhaltigkeit, die signalisiert, dass sie sich ändert: Von der Philanthropie hin zu strategischen Unternehmensentscheidungen. Wertschätzung für Nachhaltigkeit gewinnt am Markt an Bedeutung und wird zu einer Herausforderung für das bisherige Denken in den Unternehmen. Eine qualifizierte Minderheit stellt sich dieser Herausforderung, der Mainstream noch nicht. Damit ist ein Preis für Nachhaltigkeit nicht Wertschätzung um ihrer selbst willen oder dazu da, ein gutes Gefühl in der Community zu erzeugen. Sie ist ein Angriff auf den Mainstream.

Der DNP ist in allen Facetten darauf angelegt, Breite zu erreichen. Er will die Netzwerke nachhaltiger Entwicklung stärken, immer mehr Akteuren Zugang zu Thesen, Trends und auch zu den Off-Themen der Nachhaltigkeitsszene verschaffen und diese Szene damit ausweiten. Er will gesunde Konkurrenz schüren, aber auch Chancen für neue Allianzen eröffnen, um gemeinsamen Zielen schneller näherkommen.

Durch die richtige Dynamik aus Begegnungen, Wettbewerb und Lerneffekten wird Wertschätzung zu Wertschöpfung.