Stephan Behringer

Stephan Behringer, Jahrgang 1981, ist studierter Dipl. Betriebswirt und seit fünf Jahren geschäftsführender Gesellschafter einer von ihm gegründeten, international ausgerichteten  Personalberatung mit Sitz im unterfränkischen Würzburg. Nach dem Studium war er mehrere Jahre im internationalen Vertrieb eines multinationalen Telekommunikationskonzerns in Stuttgart tätig, bevor er sich als Handelsagent für mehrere Markenhersteller im Bereich Consumer Electronics selbständig machte. Seit seinem Studienende im Oktober 2006 widmet er sich nebenberuflich seinen beiden größten Leidenschaften Sprachen lernen sowie dem (Welt-)Reisen. So hat  er es innerhalb von nur zehn Jahren geschafft, nicht nur 10 Sprachen zu sprechen, sondern damit auch noch mittlerweile über 100 Länder zu bereisen, was ihm zudem die Aufnahme in den berühmten „Traveler Century Club“ beschert hat. Mit dieser Geschichte veranstaltet er unter dem Künstlernamen „Polyglott meets Wanderlust“ im Herbst 2017 eine sog. Railshow (Behringer fährt nur Bahn, besitzt kein Auto) mit dem Titel „Nebenjob Weltreisen“ in vielen deutschen Großstädten.

Weitere Informationen:
https://nebenjobweltreisen.ticket.io/         
www.pod-personalberatung.de
www.polyglott-wanderlust.de

 

Warum die Generation Y zu geistigen Höchstleistungen fähig ist

Interview mit Stephan Behringer
 

Herr Behringer, Sie gehören mit Ihrem Jahrgang 1981 zu den ältesten Repräsentanten der Generation Y, die die Geburtenjahrgänge zwischen 1980 und 1999 umfasst. Fühlen Sie sich zu dieser viel beschriebenen Kohorte dennoch zugehörig?

Absolut. Ich sehe mich als einen Repräsentanten meiner Generation, deren Stärke im Streben nach persönlicher Entwicklung bei Beibehaltung einer gewissen Work-Life Balance sowie ihrer Anpassungsbereitschaft und Flexibilität liegt. Leider wird uns von Vertretern älterer Jahrgänge oft nachgesagt, dass wir unkonzentriert, ja geradezu sprunghaft seien.

Ich denke, dass dies in Grundzügen sogar stimmt, da heutzutage einfach zu viele Informationen auf zu vielen Kanälen auf uns einströmen. Aber ich erlebe hingegen auch, dass wir flexibler im Denken geworden sind und uns auch neue Wege aneignen, wie wir Dinge lernen und behalten können.

Auf welche Weise tun Sie das?

Dabei greife ich vor allem auf meine Erfahrungen beim Erlernen von mittlerweile elf Fremdsprachen zurück, von denen ich ganze neun in verschiedenen Levels spreche.

Fremdsprachen sind meiner Meinung heutzutage unerlässlich in einer globalisierten und immer enger zusammenwachsenden Welt. Englisch stellt sich für mich sogar als ein absolutes „Must have" dar, ohne dass man im Arbeitsleben eigentlich kaum mehr ein weiterkommen kann. Ohne digitale Hilfsmittel wie email über Telefonate bis hin zu fast „real" stattfinden Hightech-Videokonferenzen und natürlich Geschäftsreisen wäre heutzutage kein Business mehr denkbar.

Aber auch die Möglichkeit, binnen maximal 24 Stunden wohl praktisch an jeden Ort der Welt zu reisen und dort Urlaub zu machen, setzt zumindest die Beherrschung der „lingua franca" voraus.

Was bedeutet Ihnen Sprache?

Sprache bzw. Kommunikation ist für mich das Wichtigste, ein Vertrauen schaffendes Bindeglied in einer Welt, in der scheinbar jeder und alles jederzeit austauschbar erscheint.

Hat jeder Mensch die Fähigkeit, Fremdsprachen „meisterschaftlich" zu lernen?

Ich bin davon überzeugt, dass praktisch jeder von uns die Fähigkeit hat, Fremdsprachen zu lernen und darin auch richtig fließend (meisterlich) zu werden. Ich kann das so selbstsicher behaupten, weil ich nur mit Deutsch aufgewachsen bin und meine Eltern ein für ihre Generation typisches, einfaches Englisch sprachen. Ansonsten hatte ich bis zur Einschulung keinen Kontakt zu Fremdsprachen.

Vielleicht war es aber auch mein Glück, dass ich von der ersten bis dritten Klasse damals auf der Walldorfschule war, wo zumindest spielerisch Englisch und Französisch gelehrt werden. Diese beiden Sprachen haben mich dann auch bis zum Abitur begleitet, sie waren zwei meiner vier Abschlussprüfungen. Danach hat sich allerdings bis Ende 24 nichts mehr mit Sprachen bei mir getan, denn während des Zivildienstes und des anschließenden BWL Studium hatte ich leider keine Zeit.

Und dann?

Mit fast 25 Jahren, nach Ende meines BWL-Studiums beschloss ich, weitere Sprachen zu lernen. Ja, ich entschloss mich sogar zunächst, hierbei nach der Anzahl der Muttersprachler zu beginnen. Von Ende 2006 bis Ende 2007 hatte ich ein Jahr Privatunterricht auf Chinesisch mit einer chinesischen Studentin.

Ich muss zu meiner Entlastung sagen, dass ich damals recht gut sprechen und verstehen konnte, aber bereits nach einer Woche das Thema Zeichensprache ad acta gelegt hatte. Pures Auswendiglernen ohne die Möglichkeit oder Notwendigkeit der sofortigen Anwendung ist einfach nicht mein Ding. Und so ging alles seinen Lauf.

Wie sah der weitere Weg aus?

Ich habe nach Chinesisch noch Spanisch, Russisch, Portugiesisch, Italienisch und später dann noch Schwedisch und Kroatisch gelernt, welches meine zugegebenermaßen schwächsten Sprachen sind momentan. Meine Versuche mit Arabisch und Türkisch waren zudem bisher leider überhaupt nicht von Erfolg gekrönte, aber probiert habe ich es.

Können Sie den Lernprozess detaillierter beschreiben?

Beim Erlernen von Sprachen sind sicherlich gerade am Anfang Konzentration und absoluter Fokus gefragt. Meine Herangehensweise ist das Lernen direkt in einer Eins-zu-eins-Situation mit Muttersprachlern, die einem das Alphabet der jeweiligen Sprache sowie die Aussprache der einzelnen Buchstaben oder Zeichen bzw. Töne sowie die Grundzüge der Grammatik beibringen.

Die schlechte Nachricht - jedenfalls nach meiner Erfahrung - ist, dass ohne dieses Grundgerüst kein Fortschritt möglich sein kann. Natürlich muss ich nicht alle grammatikalischen Zeiten wie z.B. alle 26 im portugiesischen Portugiesisch beherrschen (diese Sprache ist noch am nächsten am Latein). Ich gehe beim Sprachenlernen wie in vielen Situationen im Leben nach dem Pareto-Prinzip vor: Mit 20 % Lernaufwand lerne ich 80 % der im Alltag angewandten Sprache. Alles andere ist für mich ein Ding für Sprachwissenschaftler.

Wie können Sie sich am besten motivieren?

Das funktioniert, wenn ich bereits nach wenigen Tagen Unterricht erste Situationen im täglichen Leben wie Taxi fahren, einkaufen oder nach dem Weg fragen meistern kann. Meiner Meinung scheitern die meisten beim Sprachenlernen, weil sie nie bzw. nicht schnell genug auf ein Niveau kommen, wo sie einfache Dialoge meistern können. Zudem scheitern die meisten, denke ich, an einer Art, die in Deutschland geradezu typisch und von übertriebenem Perfektionismus beherrscht ist:

Ich fange erst an zu sprechen, wenn ich genügend Vokabular kenne und die passenden Zeiten weiß. Das ist ein ewiger Teufelskreis! Ohne das konsequente Sprechen von Anfang an und die dadurch erhaltenen positiven Rückmeldungen der Muttersprachler, die einem zu weiterem Lernen ermutigen, endet meist jeder noch so topmotiviert gestartete Versuch mit der neuen Sprache. Natürlich ergeben sich neben lustigen Versprechern teils auch „ernste" Missverständnisse, die einem jedoch niemals übel genommen werden.

Gibt es dazu eine Anekdote?

Ich habe zum Beispiel einmal zu meiner russischen Bekannten gesagt, dass sie hässlich sei - eigentlich wollte ich attraktiv sagen. Da habe ich mir dann sogar eine gefangen, aber im Nachhinein lachen wir über diese Situation. Ebenfalls ist mir live im spanischen landesweiten Fernsehen ein Fehler unterlaufen, da ich mein Spanisch auf Kuba gelernt habe und das gleiche Wort in Spanien leider eine ganz andere, geradezu obszöne Bedeutung hatte.

Was gehört zum nachhaltigen Erfolg des Sprachenlernens?

Ich bin der festen Überzeugung, dass nur eine regelmäßige Anwendung zum Erfolg führt. Man muss so lange weiter lernen, bis man im täglichen Umgang ausreichend kommunizieren kann. So macht das Ganze Spaß, und man bleibt weiterhin dran. Das Schöne ist, dass nach jeder gelernten Sprache die nächste etwas einfacher fällt - entweder, weil die Wurzeln der Sprache ähnlich sind, oder weil die eigene Methodik und Lernweise auf ein höheres Niveau gesprungen ist.

Ich bin mir deshalb sicher, dass auch unsere Generation Y wichtige Tugenden entwickeln bzw. vorweisen kann, die im Nachhinein auch ausreichend geschätzt und gewürdigt werden sollten. Aber vielleicht ist es einfach der übliche Zeitgeist, bei der jeweils folgenden Generation alles sehr kritisch zu betrachten. Man denke nur an „Generation Z", die unserer Meinung ihre Zeit nur noch am TV, Handy, Internet und Spielkonsole verbringt und bei der Selbstverwirklichung ganz klar vor jedem Karriereziel steht.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt. Es erschien zuerst in der Huffington Post (14.1.2017), http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/generationy-hoechstleistungen_b_14148712.html
 

Literatur:
Alexandra Hildebrandt: Generationenwechsel @: Fragmente und Momente einer Gesellschaft im Übergang. AmazonHier finden Sie die günstigsten Cyberweek-Angebote auf Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

 

Stand: August 2017