Theo Zwanziger

Dr. Theo Zwanziger, Jahrgang 1945, gehört zu den einflussreichsten Sportfunktionären weltweit. Seine berufliche Karriere begann er als Steuerinspektor des Landes Rheinland-Pfalz, danach folgte das Studium der Rechtswissenschaft in Mainz. 1975 promovierte er in Steuer- und Verfassungsrecht. Von 1976 bis 1980 war Zwanziger Dezernent der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur, 1980 bis 1985 Verwaltungsrichter in Koblenz, 1985 bis 1987 Abgeordneter des Landtages Rheinland-Pfalz und von 1987 bis 1991 Regierungspräsident in Koblenz. Von 1991 bis 2004 war er als Rechtsanwalt tätig. Zwanziger war von 1996 bis 2003 Verwaltungsratsmitglied der damaligen SPORT-TOTO GmbH Rheinland-Pfalz, seit 1997 als Vorsitzender des Verwaltungsrates. Stationen seiner Verbandslaufbahn: Vorsitzender des Fußball-Verbandes Rheinland sowie Beauftragter für soziale Integration (1992 bis 2001), Geschäftsführender Vorsitzender des DFB-Sportfördervereins (1995 bis 2001), Schatzmeister des DFB, Präsidiumsmitglied des DFB sowie Vorsitzender des Kuratoriums der DFB-Stiftung Egidius Braun (2001 bis 2004) und OK-Vizepräsident (seit 2003). Ab 2004 lenkte Zwanziger in einer Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder die Geschicke des Deutschen Fußball-Bundes. 2006 wurde er einstimmig zum (alleinigen) DFB-Präsidenten (bis 2012) gewählt. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Weiterführende Informationen:
www.theo-zwanziger-stiftung.de

 

Warum brauchen wir Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist vor allem eine persönliche Grund- und Geisteshaltung, ein innerer Kompass, der mit der tieferen Ebene des persönlichen Gewissens verbunden ist. Alles, was als Voraussetzung gilt, wenn Maßstäbe und Spielregeln überhaupt eingehalten werden sollen.

Der Sport, bei dem es um mehr als nur um die Beachtung von »Regeln« geht, weil er mit seiner großen symbolischen Kraft Nationen, Kulturen und Religionen verbindet, steht zugleich für den Geist und die Werte der Nachhaltigkeit, die immer wieder neu ins Bewusstsein gerufen werden müssen: Augenmaß, Menschenwürde, Glaubwürdigkeit, Teamfähigkeit und Fairness, die sogar biblische Grundlagen hat, und zwar in der sogenannten Goldenen Regel: »Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen« (Mt 7,12).

In der gegenwärtigen Nachhaltigkeitsdiskussion wird oft der Ursprung des Nachhaltigkeitsgedankens vernachlässigt: So nimmt Gott den Menschen schon im Paradies in die Pflicht, der Erde mit Ehrfurcht zu begegnen und schonend mit ihr umzugehen. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. Mit diesem Gebot ist ein Urtext von Nachhaltigkeit in der Bibel formuliert, in der viele weitere Texte für eine kluge Haushalterschaft werben: Das, was den Menschen von Gott an materiellen Ressourcen anvertraut ist, soll nicht gehortet, sondern zur Sicherung und Pflege des eigenen Lebens und zum Nutzen aller in wirtschaftlicher Weise eingesetzt werden.

Deshalb ist es wichtig, nachhaltige Werte immer wieder neu ins Bewusstsein zu rufen – angefangen in Familie, Kindergarten und Schule. Nachhaltigkeit ist auch ein Erziehungsbeitrag, der Orientierung vermittelt und zur Bildung und Stärkung der eigenen Identität und Persönlichkeit beiträgt. Dafür brauchen Kinder und Jugendliche Anerkennung, Bestätigung, Erlebnis- und Spielräume, in denen sie erfahren, was sie können und was nicht. Darüber hinaus können und müssen sie die Folgen ihrer Entscheidungen tragen lernen und in der Lage sein, Verantwortung für sich selbst und ihre Umwelt zu übernehmen. Denn auf die Fragen des Lebens kann nur antworten, wer auch für das eigene Leben nachhaltig Verantwortung übernimmt und es in Beziehung setzt zu dem, was in der Welt geschieht.

Kraftreserven der Gesellschaft

Wie nur wenige Berufene verkörpert Dr. Theo Zwanziger das, was Nachhaltigkeit neben den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales auch ist: eine Energie, die in die Zukunft wirkt, weil sie stärker ist als die Kraft der Gegenwart. Denn sie kommt von innen, ist unverbraucht und mitreißend wie der Sport. Ohne Menschen wie ihn wäre die Nachhaltigkeits- und Wertedebatte um vieles ärmer, denn sie braucht das lebendige Wort und Wesen, weil Nachhaltigkeit erst dadurch ein unverwechselbares Gesicht erhält, ohne das sie nicht begriffen werden kann.

Kommentare zur Nachhaltigkeit von Theo Zwanziger

(Kölner Sportrede 2010):

»Insbesondere in Zeiten der unaufhaltsamen Kommerzialisierung entsteht durch Nachhaltigkeitsmodelle die große Chance, die gesellschaftliche Aufgabe für kommende Generationen zu prägen. Kommerzialisierung und soziales Engagement sind dynamische Begriffe und definieren sich im Zusammenhang der Zeit stets neu.«

»Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen.«

»Bereits unter den 17-jährigen Mädchen sind ganz erstaunliche junge Persönlichkeiten, die häufiger in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Sie können für diese Gesellschaft Vorbildcharakter entwickeln.«

Persönliche Ehrungen

2004 Goldene DFB-Ehrennadel
2005 Bundesverdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2008 Preis »Gegen Vergessen – Für Demokratie«
2009 Leo-Baeck-Preis
2012 Großes Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland