Thomas Baier

Thomas Baier, Jahrgang 1947, ist aufgewachsen in München-Schwabing. Abitur 1968, Wittelsbache Gymnasium München. Von 1968/69 besuchte er die Schauspielschule, danach Otto-Falckenberg Kammerspiele München. Er studierte Lehramt (Grund- und Hauptschule, LMUniversität München). In seiner Lehrertätigkeit unterrichtete er vier Jahre an einer Hauptschule in Unterfranken und war danach sechs Jahre im Schulbuchaussendienst für  den Cornelsen-Verlag tätig. Baier war Niederlassungsleiter für den Schroedel-Schulbuchverlag  in Stuttgart und München (acht Jahre). Seit 1992 ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der CARE-LINE Bildungsprojekte GmbH. Zu den Themenbereichen gehören: Bildung-Erziehung-Gesundheit, Produkte/Angebote: Unterrichtsmaterial, Ratgeber, Kinderbücher, Fortbildungen für Jugendliche, Lehrer, Eltern und Ärzte.

Weitere Informationen:
www.care-line.de

 

Thomas Baier: Nachhaltige Bildung – Wirkung braucht Freude

Nachhaltigkeit und Bildung sind zwei Begriffe, die leider noch immer nicht selbstverständlich zusammenhängen. Die aber unbedingt zusammen gehören, wenn das Thema Nachhaltigkeit wirksam in der Gesellschaft verankert werden soll.

Meine Generation musste sich den Zugang zu neuen Medien wie Internet oder Mobilfunk mühsam erarbeiten. Der Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln ist für viele ältere Menschen bis heute nicht einfach und erst recht nicht selbstverständlich. Jugendliche und junge Erwachsene dagegen sind mit diesen Medien aufgewachsen. Sie nutzen die neuen Kommunikationsmittel intuitiv.

Eine ähnliche Entwicklung wünsche ich mir für den Umgang mit Nachhaltigkeit. Während unsere Generation noch darüber nachdenken muss, was Nachhaltigkeit bedeutet, wie sie erreicht wird und in den Alltag integriert werden kann, sollten nachfolgende Generationen ganz selbstverständlich damit aufwachsen und danach handeln. Ohne darüber nachdenken zu müssen.

Dies kann nur gelingen, wenn die nachwachsenden Generationen über unterschiedliche, aber hoch effektive Wege zum Thema Nachhaltigkeit angesprochen werden. Nur wenn sie begreifen, dass ihr Handeln hier und heute weltweite Auswirkungen hat, die ihre künftige Lebensqualität direkt und indirekt beeinflussen, kann ein nachhaltiger, gesellschaftlicher Sinneswandel gelingen.

Die Herausforderung ist dabei nicht etwa das Thema an sich: Die Jugendlichen von heute sind verantwortungsbewusster und engagierter als die meisten Generationen vor ihnen. Das zeigen alle aktuellen Jugendstudien. Sie sind sozial engagiert, übernehmen Verantwortung. Eine hervorragende Voraussetzung, um das Thema Nachhaltigkeit wirksam in den Köpfen der Jugendlichen zu verankern.

Das Problem ist vielmehr der Zugang zu den Jugendlichen: Junge Menschen haben heute ein ganz anderes Medienverhalten als vor zehn oder zwanzig Jahren. Damals konnte man davon ausgehen, dass zumindest Peer-Groups und damit die Meinungsführer unter den Jugendlichen über klassische Printmedien erreicht werden können. Mit anderen Worten: Damals wurde noch gelesen.

In der Zwischenzeit haben sich die Kommunikationswege zu jungen Zielgruppen radikal gewandelt. Internet und Mobilfunk haben nicht nur das Kommunikationsverhalten junger Menschen verändert, sondern auch die Mediennutzung: Heute wird nicht mehr gelesen, sondern geguckt.

Für jemanden, der Botschaften verankern will, ist dieser Wandel eine große Herausforderung, da die klassischen Kommunikationswege bei Jugendlichen nur noch wenig bewirken. Wer in die Köpfe der Jugendlichen will, der muss sie dort ansprechen, wo sie sich aufhalten: im Internet und in Schulen.

Im Internet, weil sie dort offensichtlich einen Großteil ihrer Freizeit verbringen wollen. In der Schule, weil sie sich dort intensiv mit neuen Themen auseinandersetzen müssen. Genau diese Kombination aus Wollen und Müssen ist denn auch der Schlüssel zu erfolgreicher und nachhaltiger Jugendkommunikation. Wir können für das Thema Nachhaltigkeit im Internet sehr gut Interesse wecken. Und genau diesem Interesse müssen dann in der Schule Inhalte folgen.

Was so trivial klingt, ist in Wirklichkeit leider nicht ganz so einfach: Junge Menschen nehmen neue Themen nur dann gerne an, wenn sie ihnen wichtig sind. Und wenn sie ihnen dort, wo sie nicht immer ganz freiwillig sind, also in der Schule, möglichst schmackhaft präsentiert werden. Mit Unterrichtsmaterial zum Thema Nachhaltigkeit ist es deshalb längst nicht getan. Das Material muss Lehrer und Schüler gleichermaßen faszinieren und motivieren. Es muss einfach verständlich, aber dennoch spannend aufbereitet sein.

So ernst das Thema Nachhaltigkeit auch ist – beim Lernen muss es Freude bereiten: Ohne Freude keine Nachhaltigkeit. Auf diese einfache Formel lässt sich die Wirkung des Unterrichts reduzieren. Und zwar in doppelter Hinsicht: Inhalte, die ohne Freude vermittelt werden, bleiben den Jugendlichen nicht dauerhaft im Gedächtnis. Sie geben keine Denkanstöße und somit erst recht keinen Grund zu Verhaltensänderung. Das Thema Nachhaltigkeit ist zu wichtig, um an dieser Stelle zu scheitern.

Wenn es uns aber gelingt, Kinder und Jugendliche an den Schulen für Nachhaltigkeit zu begeistern, so erreichen wir damit auch noch äußerst wirksam Zielgruppen, die längst nicht mehr in die Schule gehen: Eltern und Großeltern. Sie glauben ja gar nicht, welche Denkanstöße Kinder ihren Eltern geben, wenn sie Themen aus der Schule mit nach Hause nehmen, die sie bewegen. Da wird engagiert diskutiert und sehr genau geschaut, ob Mama, Papa, Oma oder Opa die Grundsätze nachhaltigen Konsums kennen, wenn etwa der wöchentliche Lebensmitteleinkauf ansteht.

Wir treten deshalb ganz gezielt auch an Grundschulen heran, da wir aus unseren vergangenen Projekten wissen, dass über Grundschulen die komplette Familie am intensivsten erreicht wird. Nachhaltige Bildung wirkt in diesem Fall nicht selten bei drei Generationen. Und bei der ersten und wichtigsten noch am allerbesten: Was Kinder vor der Pubertät leidenschaftlich lernen, das behalten sie ein Leben lang.

Nachhaltige Bildung muss deshalb Leidenschaft wecken. Sie muss aufwühlen und Wirkung erzielen. Sie muss Denkanstöße geben und zu Diskussionen führen. In Schulen, in Familien, zwischen Generationen und zwischen Bildungsschichten. Nur so kann gelingen, was Nachhaltigkeit am dringendsten benötigt um dauerhaft und anhaltend zu wirken: Selbstverständlichkeit im Alltag.