Thomas Landini

Thomas Landini, Jahrgang 1963, geboren am Meer in Ligurien/ Italien. Nach einer gut 10-jährigen Odyssee durch Meere der Medizin, Malerei, Ozeanografie, Fotografie, Industrie-Design und Schauspielerei landete er schließlich beim Kommunikationsdesign. Zwei schöne Felder, Kommunikation und Design.

Im Bereich des Designs haben es ihm die russische Avantgarde, Le Corbusier und Dieter Rams angetan, im Bereich der Kommunikation konzentrierte sich Thomas Landini in den letzten Jahren auf Menschen, die mit den besonderen Bedingungen einer Beeinträchtung leben. Lebenslanges Lernen, Barrierefreiheit, Teilhabe & Inklusion sind Felder, für die man seine in 17 Jahren aufgebaute Webeagentur auch schon mal hinwerfen, und mit Anfang 50 ein neues StartUp, ein buntes Zebra, wagen kann.

Das bunte Zebra ist so vielseitig wie seine Ideengeber, seine Mitstreiter und das Leben. Verlag, Spiele-Erfinder, Workshop-Geber, Agentur. Auslöser war im Jahr 2009 die Geburt des Sohnes mit Down-Syndrom. Dies veränderte einiges. In den folgenden Jahren hat der Vater vom Sohn schon vieles gelernt. Neue Wahrnehmungsarten, die Unsicherheit anderer im Umgang mit Beeinträchtigung oder das unbändige Ausdrücken von Freude.

Vater und Sohn finden, dass es auch für Menschen mit Beeinträchtigung und ihrem Umfeld professionell und gut gemachte Bücher, Zeitschriften, Apps und Spiele geben sollte.

Das bunte Zebra findet sich in Mainz, einem liebenswerten Großdorf mit Stadtflair am Rhein. Nicht unweit des Flusses arbeiten kreativ engagierte Menschen daran, die Welt ein bisschen schöner, überraschender und vielseitiger zu gestalten. Ideal für ein buntes Zebra und seine vielen Ideen, und schön, dass sich begabte Köpfe, wie z.B. der Illustrator Raimund Frey, anstecken ließen, ihr Talent mit einzubringen.

Weitere Informationen: www.das-bunte-zebra.com

   
Interview mit Thomas Landini

Wer steckt hinter „Das bunte Zebra?"

Vordergründig ich. In Wirklichkeit aber sind es die vielen besonderen Menschen, die mich in den letzten Jahren inspiriert haben. Ganz besonders mein Sohn Raphael.

Ich leitete 17 Jahre lang eine kleine Werbeagentur und kenne mich daher mit Öffentlichkeitsarbeit, Selbst- und Außendarstellung ganz gut aus. Nach Raphaels Geburt setzte ich dieses Fachwissen als erstes für den Elternkreis ein. Inzwischen arbeitet ich aber auch viel mit anderen (Selbsthilfe)Organisationen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zusammen.

Daraus entstand der Gedanke eine neue Agentur zu entwickeln, die sich mit ihren Produkten und Angeboten dem Ideal der Inklusion verschreibt.

Ein weiterer Bereich des bunten Zebras ist die Verlagsarbeit. In enger Zusammenarbeit mit dem PEp in Mainz wird nach und nach das ganze Spiel- und Arbeitsmaterial (u.a. Lesen-, Schreiben-, Rechnen lernen) in professionell und liebevoll gestaltete Produkte umgesetzt - und vertrieben werden. Aber auch andere Produkte sind in der Pipeline. Z.B. ein Fotobuch mit Jenny Klestil, ein Down-Syndrom Kochbuch, ein Musikbuch von Angelika Jekic und ein Buch mit Carina Kühne, in dem sie ihre Erlebnisse während der Dreharbeiten zu Be my Baby beschreibt.

Das bunte Zebra ist ein spannendes und ambitioniertes Projekt, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung viel Freude und Neues bereitstellen möchte.

Hat der Name eine bestimmte Bedeutung?

Es ist ein Bild, von dem ich hoffe, dass es sich gut im Kopf verankert. Einprägsam ist. Auch finde ich es schön eine Stereotype wie „Alle Zebras sind Schwarz/Weiß“ zu karikieren.

Magst Du ein bisschen von Dir/Euch erzählen?

Die Landinis sind zu viert. Neben der besten Ehefrau von allen habe ich natürlich die zwei weltbesten Kinder. Raphael wurde 2009 mit dem Down-Syndrom geboren, drei Jahre später folgte dann Elena. Während ich schon vergleichsweise alt bin ist der Rest der Familie ziemlich jung. Im Durchschnitt ist jeder von uns 15. Das bietet viel innovatives Potential.

Wie kamst Du auf die Idee das Bunte Zebra ins Leben zu rufen?

Natürlich ist der primäre Auslöser die Geburt meines ersten Sohnes Raphael. Ich habe in den letzten 6 Jahren sehr sehr Vieles von ihm gelernt und lerne weiter. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die die Belange von Beeinträchtigten aller Art vertreten ist mir sehr schnell klar geworden, dass da unglaublich viel Wissen und Engagement bereit steht, dieses aber nicht (im „Werbesinne“ oder im Sinne professioneller Selbstdarstellung) gut nach außen dargestellt wird. Wir leben in einer Augen- und Werbewelt. Was nicht lecker verpackt ist, wird als nicht wirklich wertig missverstanden. Egal ob es sich dabei um Fischstäbchen oder ein Lesebuch für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung handelt. So lag es nahe meine Berufserfahrung mit der Erfahrung anderer, beispielsweise dem PEp, zu kombinieren.

Wo findet man Dich/Euch im Internet?

www.das-bunte-zebra.com und auf Facebook.

Wen möchtest Du/Ihr ansprechen mit deinen Produkten?

Im Prinzip alle, die Neugierig werden. Natürlich sind die Produkte „technisch“ so aufgearbeitet, dass sie für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten „funktionieren“. Durch ihre Anmutung und Machart sollen sie aber auch für Regelmenschen attraktiv sein, so dass Situationen auftreten, dass sich z.B. Regelkinder für die PEp-Romane interessieren und die dann gemeinsam mit unseren DS-Kindern lesen oder das Spiel dazu spielen.

Wer oder was inspiriert Dich?

Nicht nur meine Kinder überraschen mich ständig aufs Neue. Vor allem die Wahrnehmungswelten der vermeintlich Beeinträchtigten, die ich inzwischen habe kennen lernen können. Noch vor 7 Jahren hatte ich keine Ahnung dieser unglaublich vielseitigen und inspirierenden Welt. Meine optische- und „emotionale Wahrnehmung“ hat deutlich zugenommen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was bedeutet für dich Glück?

Ruhe, ein gutes Buch und die Gewissheit, dass es allen gut geht. Zu wissen, dass das was man tut gut ist und das man dort, wo man ist, richtig ist.

Was war bisher die beste Entscheidung deines Lebens?

Vater werden zu wollen.

Was steht auf dem bunten Zebra Schreibtisch? Kaffee oder Tee, oder sogar härtere Sachen?

Kaffee steht für Arbeit, Tee für Urlaub. Ich versuche bei der Arbeit öfters mal Tee zu trinken.

Ergänze bitte diesen Satz: „Menschen mit Down Syndrom sind ...“

Menschen.

Oder wie André Zimpel es formuliert: „Menschen, die mit den besonderen Bedingungen einer Trisomie 21 leben.“

Welche 3 Dinge würdest Du auf die berühmte einsame Insel mitnehmen?

Meine Familie.

Das Interview führte Jolina Noelle.

Quelle: http://jolina-noelle.blogspot.de/2015/10/das-bunte-zebra-im-interview.html

Stand: April 2016