Thomas Thumann

Thomas Thumann, Jahrgang 1965, ist Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Neumarkt. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen. Nach Referendariatszeit und zweitem Staatsexamen gründete er eine Rechtsanwaltskanzlei, ehe er 2005 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Er ist seit 2002 Kreisrat und Mitglied der Kreistagsfraktion der Freien Wähler/UPW. In seiner Amtszeit hat er die Kommunalpolitik in Neumarkt verstärkt auf die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energieeinsparung ausgerichtet. So hat Neumarkt in Brüssel mit vielen anderen Städten den „Convent der Bürgermeister“ unterzeichnet und sich damit zu den hohen Zielen bei der Reduzierung des CO2-Verbrauchs bekannt. Inzwischen wurde die Stadt Neumarkt bereits zum vierten Mal von der UNESCO als „Stadt der Weltdekade“ ausgezeichnet, zudem hat Neumarkt im Jahr 2012 den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ erhalten. Zahlreiche weitere Auszeichnungen und Würdigungen in diesem Bereich bestätigen die nachhaltige Ausrichtung Neumarkts.

Weitere Informationen:
www.neumarkt.de

 

Neumarkt i.d.OPf. Nachhaltigste Stadt Deutschlands mittlerer Größe 2012

Als ich im Dezember 2012 im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages aus den Händen von Prof. Dr. Klaus Töpfer den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für unsere Stadt entgegen nehmen durfte, war dies ein bewegender Moment für mich. In diesem Augenblick war ich so stolz wie nie zuvor auf unsere Stadt Neumarkt und ihre tüchtigen, engagierten Bürgerinnen und Bürger. Mich freut dieser Preis deshalb so sehr, weil er eine Auszeichnung für alle darstellt, die in Neumarkt an einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung unserer Stadt mitwirken.

Die Auszeichnung würdigt aus meiner Sicht vor allem den langen Atem der am Nachhaltigkeitsprozess Beteiligten – angefangen vom Stadtrat über Stadtverwaltung bis hin zu den vielen Akteuren in der Wirtschaft, von Verbänden und Einrichtungen - und zeigt, dass die Stadt Neumarkt auf dem richtigen Weg ist. Selbstverständlich sind wir noch lange nicht am Ziel, jedoch werte ich die Auszeichnung als Bestätigung dafür, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stadt in Neumarkt richtig ist. Immerhin ist der Deutsche Nachhaltigkeitspreis die höchste Auszeichnung, die auf Bundesebene im Bereich Nachhaltigkeit erreicht werden kann.

10 Jahre Nachhaltigkeitsprozess in Neumarkt

Im Jahr 2003 hat die Stadt Neumarkt offiziell den Nachhaltigkeitsprozess unter dem Überbegriff „Lokale Agenda 21“ gestartet. Bis heute konnten viele konkrete Ergebnisse und neue Strukturen für eine nachhaltige Stadtentwicklung geschaffen werden. Im Stadtleitbild "Zukunftsfähiges Neumarkt", das im Jahr 2004 zum ersten Mal unter Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger erstellt wurde, ist dieser Nachhaltigkeitsplan für unsere Stadt erstmalig zusammengefasst worden. Im Jahr 2010 wurde das Stadtleitbild mit dem Titel "Neumarkt - Starke Stadt" fortgeschrieben. Das Stadtleitbild hat insbesondere Bündelungsfunktion für Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit und soll Grundlage der Projektumsetzung sein.

Klimaschutz, Fairer Handel und Bürgerschaftliches Engagement

In Neumarkt sehen wir die nachhaltige Entwicklung als zentrales Leitprinzip unseres Handelns, das sich durch alle Bereiche der Stadtentwicklung durchzieht. Dennoch können wir einige Schwerpunkte benennen, in denen wir uns besonders auf die Fahnen geschrieben haben, neue und zukunftsweisende Wege zu gehen. Dies betrifft insbesondere die Themen Klimaschutz, Fairer Handel und Bürgerschaftliches Engagement.

Beim Thema „Klimaschutz“ haben wir bereits mit dem Klimaschutzfahrplan aus dem Jahre 2009 sowie durch Leuchtturmprojekte wie das Faktor-10-Förderprogramm für Gebäudesanierung, das Netto-Plus-Energie-Verwaltungsgebäude der Stadtwerke, die 1,2 Megawatt Photovoltaikanlage an der Bahnlinie im Stadtteil Pölling und die E-Mobilitätskampagne „jelly fish“ sehr gute Voraussetzungen im kommunalen Klimaschutz geschaffen. Erst im Mai 2012 sind wir deshalb in das Modellprogramm „Masterplan 100 % Klimaschutz“ des Umweltbundesministeriums aufgenommen worden. Das ambitionierte Ziel heißt hier, die Weichen dafür zu stellen, bis 2050 die Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen und den Energieverbrauch zu halbieren. Neueste geplante Projekte, die uns einen großen Schritt in diese Richtung weiter bringen werden, sind die Investition der Stadtwerke Neumarkt in die Windkraft mit dem Bau von mehreren Anlagen sowie die Entwicklung und Realisierung von dezentralen Nahwärmeversorgungskonzepten auf der Basis von regenerativen Energien.

Das Thema „Fairer Handel“ hat in den letzten Jahren eine zunehmend größere Bedeutung in Neumarkt erhalten. Eine groß angelegte Öffentlichkeitskampagne mit Einbindung des Einzelhandels und der Gastronomie, der Lernparcours "RundumFair" des Eine Welt Ladens sowie eine eigene "Neumarkter Stadtschokolade" sind nur einige wenige Beispiele dafür, dass wir in Neumarkt großes Gewicht auf eine gerechte globale Entwicklung legen. Die Stadt Neumarkt ist insbesondere 1. Fair Trade Stadt in Bayern und erreichte im Jahre 2011 den 4. Platz beim bundesweiten Wettbewerb "Hauptstadt des Fairen Handels".

Die Bedeutung des "Bürgerschaftlichen Engagements" wird insbesondere durch das Bürgerhaus Neumarkt verdeutlicht, das sich als Servicezentrale, Beteiligungsnetzwerk und Projektschmiede versteht. Jährlich besuchen bis zu 18.000 Menschen rund 400 Einzelangebote. Seit 2007 wird das Bürgerhaus als anerkanntes Mehrgenerationenhaus vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Unter dem Dach des Bürgerhauses ist u.a. die Freiwilligen Agentur und die Bürgerstiftung aktiv. Die Zielgruppen reichen vom Kleinkind bis zum Senior. Auch das „Bündnis für Familie“ ist im Bürgerhaus angesiedelt und fungiert als Ansprechpartner für Familien.

Eigenes Förderprogramm „Nachhaltigkeit neu lernen“

Hervorzuheben sind schließlich unser Programm "Nachhaltigkeit neu lernen" sowie die Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz. Mit „Nachhaltigkeit neu lernen“ haben wir als Stadt Neumarkt ein eigenes Förderprogramm entwickelt und fördern damit gezielt Mikroprojekte für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung. In den Jahren 2011 und 2012 haben wir durch Zuschüsse mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 45.000 Euro 19 Projekte mit 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefördert. Dieses Engagement hat dazu beigetragen, dass Neumarkt bereits vier Mal mit dem Preis der Deutschen UNESCO-Kommission „Stadt der Weltdekade – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde, zuletzt im Dezember 2012 in Frankfurt.

Die Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz haben wir bisher fünf Mal veranstaltet und konnten regelmäßig hochkarätige Gäste begrüßen, darunter z.B. Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker oder den Träger des Alternativen Nobelpreises René Ngongo. Im Jahr 2014 setzen wir die Reihe der Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz mit dem Thema „Neue Wege in der Mobilität“ fort.

Nachhaltig handeln bedeutet für mich, an die Zukunft zu denken und diese aktiv im Sinne der nachfolgenden Generationen zu gestalten. Um die Wichtigkeit dieses Leitprinzips unseres Handelns in der Stadt Neumarkt zu verdeutlichen, haben wir im Mai 2012 ein eigenes „Amt für Nachhaltigkeitsförderung“ bei der Stadtverwaltung eingerichtet. In Neumarkt können nach 10 Jahren Nachhaltigkeitsprozess erste Früchte geerntet werden – immerhin war die Auszeichnung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis mit 35.000 Euro dotiert. Dieses Geld – wie kann es anders sein - werden wir für neue Nachhaltigkeitsprojekte in unserer Stadt verwenden.