Timothy C. Vincent

Timothy C. Vincent, Jahrgang 1966, ist in Wakefield (UK) geboren. Nach Abschluss der Realschule 1984 begann er eine  Ausbildung zum Feinmechniker, anschließend machte er das Fachabitur in Hagen auf der Cuno-Schule für Technik. An der Fachhochschule in Dortmund schloss er seine Ausbildung mit dem Diplom für Werkstofftechnik mit Schwerpunkt Oberflächentechnik/Korrosion erfolreich ab. In den nächsten fünf Jahren war er im Ruhrsandsteinbruch in Herdecke/Ruhr angestellt.

Die Liebe zum Stein und zur handwerklichen Auseinandersetzung mit dem Naturstein bewog ihn, eine Ausbildung zum Steinbildhauer zu beginnen (Abschluss im Jahr 2000). Nach drei Gesellenjahren in verschiedenen Bildhauereien machte er sich selbstständig.

Die Gedanken darüber, wie das Handwerk in Zukunft als Versorger in der Region bestehen kann, hat ihn dazu bewofgen, die Initiative "Handwerk mit Verantwortung" 2014 ins Leben zu rufen. Aus ihr ging 2015 der gemeinnützige Verein "Handwerk mit Verantwortung e.V." hervor. Vincent ist Vorstand dieses Vereins und Mitbegründer einer Regionalgruppe der GemeinwohlÖkonomie.

Weitere Informationen
www.ewigkeitsbrunnen.de
www.im-andenken-verbleiben.de
www.handwerk-mit-verantwortung.de

 

Nachhaltigkeit im Bestattungswesen

Wir lassen heute hinter uns, was im Zuge des kulturellen Fortschreitens "nicht mehr benötigt" wird: Dazu gehören u.a. große Gruften mit großen Grabmalen, vererbte Gräber mit langen Pflegezyklen, tradierte Friedhofsgänge. Das hatte vor allem damit zu tun, dass ein Grab früher zum Besitzstand gehörte, was heute kaum mehr der Fall ist. Trauer hat sich in private Räume zurückgezogen, ist nicht mehr öffentlich.

Mit dieser Entwicklung verbunden sind auch alternative Bestattungsformen wie Baumbestattungen, Tier-Mensch-Bestattungen, anonyme Bestattungen auf Wiesen, Gemeinschaftsgräber, Kolumbarien, aber auch Obskures wie Verstreuungen der Asche aus dem Heißluftballon oder das Schießen der Urne ins Weltall.

Durch die zunehmende Nachfrage nach Einäscherung des Leichnams ist der Platzbedarf für die Bestattung von Urnen geringer gegenüber der Körperbestattung, die Gräber werden in der Fläche kleiner. Dies bedingt kleinere Grabgestaltungen aus Stein, oder die Beisetzung geht in die Vertikale (Kolumbarien), wobei hier zu beachten ist, das diese Form eine reine Aufbewahrung ist.

Nach Ablauf der Ruhezeit müsste die Urne noch bestattet werden, dies geschieht im günstigsten Fall still irgendwo auf dem Friedhof. Da aber die Urnen nach Ablauf der Ruhezeit keinen postmortalen Würdeschutz mehr genießen, kann mit diesen auch nach Gutdünken verfahren werden. (Das war der Grundgedanke zur Erfindung des Ewigkeitsbrunnens. Als Weiterentwicklung dieses Gedankens ist es natürlich sinnvoll, die Bestattung der Urnenasche direkt im Ewigkeitsbrunnen vorzunehmen.)

Um bei den verbleibenden Grabstellen, für die noch ein Grabmal nachgefragt wird (Einzelgrab, Doppelgrab, Gräber ohne Gestaltung bzw. sogenannte "Halbanonyme", Urnengemeinschaftsgräber), eine Beschriftung vorzunehmen, ist es sinnvoll, ein "nachhaltiges" Grabmal zu gestalten, das unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten hergestellt wurde.

Dazu gehören beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte, Vermeidung von umweltschädlichen Emissionen, kurze Lieferwege, gerechte Löhne oder gesetzeskonforme Arbeitsbedingungen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer:

Der Preis für ein Grabmal, gefertigt in Fernost (China, Indien, Vietnam) liegt weit unter dem eines in Europa oder gar in Deutschland aus regionalem Gestein hergestellten. Wenn man ganz gehässig formuliert, werden in die deutschen Preise neben dem tariflichen Verdienst sämtliche gesetzlichen Auflagen eingepreist. Im Umkehrschluss werden in die Natursteinprodukte aus Fernost keine Standards eingerechnet, z.B. der Transport per Containerfrachter (265 kg CO2/to Naturstein, Quelle: DNV).

Hierbei entstehen hohe SO2-Emissionen: Die Frachter fahren mit Bunkeröl, dem Abfallprodukt der Raffinerien - dieses muss auf ca. 100° C erhitzt werden, damit es fließfähig ist. Ein Frachter emittiert so viel SO2 wie 50 Millionen Fahrzeuge, 20 Frachter so viel wie alle Fahrzeuge auf dieser Welt, es fahren 60.000 Frachter auf unseren Weltmeeren. Weitere Daten und Fakten finden sich in der ARD-Reportage "Seeblind" (auf youtube heißt die Dokumentation "Der sterbende Planet"). https://www.youtube.com/watch?v=ANsgf2vXke8

Man kann sich vorstellen, dass in einem Land wie Indien, welches weder Mindestalter (ILO 138) noch die schlimmste Form von Kinderarbeit (ILO182) ratifiziert hat, die  Arbeitskosten entsprechend gering ausfallen.

Diese Zustände sollen hier nur exemplarisch für die tolerierte Verantwortungslosigkeit stehen, die uns begegnet, wenn wir über den Kauf eines Grabmales nachdenken.

Daraus folgt, dass ein nachhaltiges Grabmal nicht Teil einer solchen Wertschöpfungskette ist. Und ja, nachhaltige Grabmale werden verkauft, aber weniger nachgefragt, denn um diese beschriebenen Implikationen weiß der Konsument oft nichts. Mitunter hat er mal von Kinderarbeit gehört. Aber das war es auch schon.

Es ist leider so, dass der Steinverkäufer (ich sage hier extra Händler, denn ca. 70-80 % der Grabmale auf den Friedhöfen stammen fertig aus dem Handel, aus dem Import) nur noch den Stein beschriftet und ausliefert. Sandstrahlen oder Schrift aufdübeln ist allerdings keine Kerntätigkeit eines Steinmetzes!
Jedem Interessierten möchte ich die Leitprinzipien des Vereines Handwerk mit Verantwortung e.V. empfehlen. Sie geben die Gewähr dafür, dass ein Kunde ein nachhaltiges Grabmal erhält.

Die Motivation, weder mittelbar noch unmittelbar an Menschenrechtsverletzungen beteiligt zu sein und zudem die Umwelt zu schützen, gehört durchgängig zur Grundlage aller betrieblichen Entscheidungen und für die Strategieplanung.
Inzwischen haben sich viele Unternehmen und Organisationen freiwillig auf den Weg der Nachhaltigkeit gemacht. Dazu beigetragen hat auch der DNK, mit dem der Rat für Nachhaltige Entwicklung seit 2011 für eine freiwillige Berichterstattung gemäß seiner 20 Prinzipien wirbt. Gegenüber den umfangreichen Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (GRI) bietet der DNK mit seinem Raster ein verständliches und kompaktes Rahmenwerk auch für kleine Firmen. Als erstes Unternehmen aus dem Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk haben wir den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) unterzeichnet. http://datenbank2.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/Profile/CompanyProfi....

Eine gekürzte Version erschien am 22.10.2016 in der Huffington Post:    http://www.huffingtonpost.de/../../alexandra-hildebrandt/bestattung-nachhaltigkeit-beedigung_b_12572314.html

Stand: Oktober 2016