Tobias Wrzesinski

Tobias Wrzesinski, Jahrgang 1983, absolvierte nach Abitur und Zivildienst ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Sport­management und Sportmarketing an der SRH Hochschule Heidelberg. Mit dem Abschluss zum Diplom-Betriebswirt (FH) wechselte Wrzesinski im ­Oktober 2008 als hauptamtlicher Mitarbeiter in die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dort war er seit Mai 2007 ­bereits als Praktikant, Werkstudent und Diplomand beschäftigt. Im November 2009 kam er als stellvertretender Geschäftsführer zur DFB-Stiftung Sepp Herberger. Seit Januar 2011 ist er in gleicher Funktion auch für die DFB-Stiftung Egi­dius Braun tätig. Tobias Wrzesinski ist selbst aktiver Fußball-Schiedsrichter und war während des Studiums Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung. An der SRH Hochschule Heidelberg hat Wrzesinski einen Lehrauftrag im Bereich Sportmanagement.

Weiterführende Informationen:
www.sepp-herberger.de

 

Wer oben ist, darf die unten nicht vergessen

Einblicke in die Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes

 

Die aktuelle Statistik des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) weist rund 6,8 Millionen Mitgliedschaften in bundesweit knapp 26.000 Fußballvereinen aus. Jedes Wochenende sind die ca. 180.000 Mannschaften in rund 90.000 Spielen am Ball. Mindestens eine Million Menschen engagieren sich ehrenamtlich in den Klubs. Der DFB zählt damit als Non-Profit-Organisation des dritten Sektors zu den größten Einzelsportverbänden der Welt.

Die Zahlen unterstreichen, welchen gesellschaftlichen Stellenwert der Fußballsport in Deutschland heute einnimmt. Hinzu kommt, dass sich rund 76 Prozent der deutschen Bevölkerung generell als fußballinteressiert bezeichnen. Aus dieser Bedeutung heraus ergibt sich eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Bereits 1951 gründete der DFB den sogenannten DFB-Sozialausschuss. 1977 wurde gemeinsam mit Alt-Bundestrainer Sepp Herberger die nach ihm benannte DFB-Stiftung gegründet. Ein Novum zur damaligen Zeit.

Sepp Herberger, dessen Ehe mit seiner Frau Eva kinderlos blieb, hatte – getreu seinem Lebensmotto: »Wer oben ist, darf die unten nicht vergessen« – den Wunsch, seinen Nachlass sozialen und karitativen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Die Stiftung hat als Rechtsnachfolgerin neben dem Finanzvermögen auch die von Sepp Herberger über Jahre akribisch gesammelten Unterlagen geerbt: Mehr als 26 Aktenmeter mit insgesamt 361 Aktenordnern bilden den wohl wertvollsten fußballhistorischen Nachlass der Bundesrepublik.

Die Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung gliedert sich in vier satzungsgemäße Schwerpunktbereiche: Resozialisierung von Strafgefangenen, Behindertenfußball, Schule und Vereine sowie das DFB-Sozialwerk. Insgesamt organisiert und finanziert die Stiftung aktuell sechs eigene Projekte und bemüht sich dabei, gesellschaftspolitische Akzente zu setzen. So sind im Bereich des Behindertenfußballs beispielsweise die Schaffung öffentlicher Aufmerksamkeit für die sportlichen Leistungen behinderter Fußballer sowie die Integration beeinträchtigter Menschen in die Strukturen des Fußballs wesentliche Anliegen der Stiftungsarbeit.

»Fußball grenzt ein – nicht aus« und kann beeinträchtigten Menschen in die oft zitierte »Mitte der Gesellschaft« verhelfen. Am meisten hilft beim Transport dieser Idee die Blindenfußball-Bundesliga. Seit 2011 werden die Ligaspiele der europaweit einzigartigen Spielrunde für blinde und sehbehinderte Menschen als Städteserie organisiert. Auf zentralen öffentlichen Plätzen zeigen die Spieler, wie aufregend und faszinierend ihre Facette des Fußballs ist. Die Liga steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und gehört im Jahr 2012 zu den 365 ausgezeichneten Orten der Standortinitiative »Deutschland – Land der Ideen«.

Zur Schaffung nachhaltiger Organisationsstrukturen finanziert die Stiftung in den DFB-Landesverbänden Beauftragte für Fragen des Behindertenfußballs. Damit stehen in den Fußballverbänden erstmals bundesweit Ansprechpartner für Fußballer mit Behinderungen zur Verfügung. Das wichtigste Ziel ist es dabei, möglichst vielen beeinträchtigten Fußballerinnen und Fußballern den Zugang in die Fußballvereine zu ebnen. Die Stiftung kann hier Ideen- und Impulsgeber sein. Bereits heute treiben in vielen DFB-Vereinen beeinträchtigte Fußballer Sport und sind in die Vereinsstrukturen integriert: Der FC St. Pauli hat mit einigem Erfolg eine Blindenfußball-Abteilung in seinen Reihen aufgebaut. Der VfB Gelsenkirchen weiß unter seinen Mitgliedern rund zehn Prozent blinde und sehbehinderte Menschen. Die Werkstatt-Fußballer der Reha-Werkstatt Oberrad kooperieren erfolgreich mit dem Frankfurter Turnverein 1860. Die psychisch-kranken und geistig-beeinträchtigten Menschen nehmen nunmehr sogar am Liga-Spielbetrieb des Hessischen Fußball-Verbandes teil. Im südpfälzischen Offenbach kooperieren die Südpfalzwerkstatt und der FSV Offenbach seit Jahren sehr erfolgreich. Der Fußballsportverein bietet dabei für die Werkstatt-Mitarbeiter einmal pro Woche ein Fußballtraining auf der Klubanlage an. Beispiele von denen man lernen kann, die man fördern, darstellen und zur Normalität machen will. Jedes für sich ein gelungenes und gelebtes Stück »Inklusion«. Die Stiftung wendet etwa ein Drittel ihres Jahresbudgets in Höhe von knapp einer Million Euro in diesem Schwerpunktbereich auf.

Für den Fußball. Für die Menschen.