Uwe Wagner

Uwe Wagner, Jahrgang 1982, ist seit Anfang 2014 Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH und und verantwortet in dieser Funktion mit seinem Team die Städtische Galerie, die Volkshochschule, die Musik- und Musicalschule sowie über 140 Veranstaltungen mit ca. 70.000 Besuchern jährlich. Der Cellist, Chorsänger und Jazzliebhaber studierte nach dem Musikabitur zunächst Wirtschaftsinformatik in Stuttgart und arbeitete für kurze Zeit als Anwendungsentwickler bei der W&W Informatik GmbH. Die Erfahrungen im Stiftungs- und Eventmanagement eines Finanzdienstleister brachten ihn zum Fachbereich Kulturmanagement, dessen Studium sich in Weimar anschloss. Um darüber hinaus Know-How im Pop-Business aufzubauen, studierte er in Jyväskylä , Finnland,„International Music Management“.
In Hamburg war er mitverantwortlich für die Durchführung eines der größten privatwirtschaftlich finanzierten Literaturfestivals eines international tätigen Unternehmens aus dem Energiesektor, bevor er in Weiterstadt seine Abschlussarbeit über die Jazzförderung der Škoda Auto Deutschland GmbH verfasste. Bei einem der größten klassischen Musikfestivals in Europa, dem Rheingau Musik Festival, wurde Wagner schnell Verwaltungsleiter und konnte so in zentraler Position wichtige Erfahrungen sammeln. Vorträge über Kulturförderung, Sponsoring und Festivalmanagement sowie entsprechende Publikationen in den „Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie“ ergänzen seine Aktivitäten im Kulturmanagement.

 

Ist unternehmerische Kulturförderung nachhaltig -  wird es sie auch übermorgen noch geben? Über die Perspektiven von Kultursponsoring

Unternehmerische Kulturförderung wird auch weiterhin zu einem großen Teil von der wirtschaftlichen Stärke eines Unternehmens und einer entsprechend kulturaffinen Einstellung der Unternehmensführung abhängen. Es ist zu vermuten, dass mäzenatisches Handeln durch Unternehmen immer weniger direkt, sondern häufiger über Unternehmensstiftungen abgewickelt werden wird. Diese Entwicklung wäre einerseits zu begrüßen, da damit eine nachhaltige Sicherung des kulturellen Engagements einhergehen würde. Auch könnte diese Konstellation Synergien in den Unternehmen freisetzen, so dass letztlich durch den gleichen Einsatz de facto mehr Kultur gefördert werden könnte. Andererseits könnte sich dadurch die Gefahr erhöhen, dass diese Thematik aus dem Tagesgeschäft der Unternehmen verschwindet und dadurch an Bedeutung verliert.

Speziell auf die Förderung von Musik eingehend kann angenommen werden, dass diese sich im „Förderkatalog“ der Unternehmen weiterhin behaupten und an Bedeutung gewinnen wird. Ihre Stärke wird dabei vor allem aus einer bereits genannten Charaktereigenschaft von Musik gebildet, die sie für viele Unternehmen für einen Imagetransfer sehr attraktiv erscheinen lässt: Emotionalität. Darüber hinaus wird gerade in einem zunehmend globalisierten Unternehmensumfeld die völker- und kulturenverbindende Funktion von Musik eine große Rolle spielen.

Trotz dieser positiven Aussichten ist das Entwicklungspotential unternehmerischer Kulturförderung begrenzt.1 Das finanzielle Volumen wird in Deutschland auch weiterhin in einem Rahmen zwischen 300 Mio. und 400 Mio. Euro eingeschätzt (Lausberg 2008). Zudem ist der relative Anteil der Kulturförderung am Sponsoring-Gesamtbudget seit Jahren abnehmend. Zu vielfältig sind die Alternativen für Unternehmen, sich gesellschaftlich zu engagieren, vor allem aber ist die Anzahl der erreichbaren Kulturrezipienten begrenzt, auch wenn dieser Umstand durch eine ungewöhnlich hohe Kontaktqualität relativiert wird.

Die Entwicklung unternehmerischer Kulturförderung wird auch davon abhängen, inwieweit Markt und Gesellschaft gesellschaftliches und kulturelles Engagement von Unternehmen  einfordern und honorieren. Doch auch die Haltung der Unternehmen bezüglich ihres eigenen Engagements ist ein entscheidendes Kriterium. Noch erwarten nur 40% der deutschen Unternehmen einen positiven wirtschaftlichen Effekt ihres gesellschaftlichen Engagements – in den USA setzen 63 % aller Unternehmen und 84 % der großen Unternehmen auf eine positive Auswirkung ihres Engagements auf ihre Geschäftstätigkeit (Heuberger 2007: 7; Läsker 2007).

Die im Jahr 2008 aufgekommene Weltwirtschaftskrise (Krugman 2009) wird zeigen, wie ernst es die Unternehmen mit der vielfach schon praktizierten „neuen“, partnerschaftlich orientierten Kulturförderung meinen. Waren im Dezember 2008 noch keine direkten Auswirkungen auf den Bereich der Kulturförderung erkennbar (Wagner 2008), so wird  die Stimmung im Frühjahr 2009 wohl am passendsten mit dem Titel eines Artikels der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieben: „Die Stille vor dem Sturm“ (Spiegel 2009). Für das Jahr 2009 sichern in vielen Fällen Verträge die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kulturinstitutionen. Doch dieses Bild könnte sich mit Beginn des Jahres 2010 drastisch verändern, da viele der für diesen Zeitraum relevanten Verträge im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 abgeschlossen oder im Jahr 2010 auslaufen werden.

Die Frage ist, wie die Unternehmen tatsächlich auf die wirtschaftliche Krise reagieren werden.2 Rein ökonomisch und rational gesehen, ist die zu erwartende Reaktion offensichtlich, wie Gottschalk (2006: 139) verdeutlicht: „Ebenfalls ist zu beachten, dass in wirtschaftlich angespannten Zeiten, die Bereitschaft zur Bereitstellung von finanziellen Mitteln für unternehmerische Kulturförderung deutlich nachlässt, was in vielen Fällen die Kürzung von Fördermitteln zur Folge hat.“ Doch wie diese Ausarbeitung gezeigt hat, sind nicht alle mit Kulturförderung verbundenen Ziele und Intentionen rein rational zu begründen. Daher kann für die Entwicklung über das Jahr 2009 hinaus keine sichere Prognose abgegeben werden.

Der Ausdifferenzierung eines kulturellen Engagements könnte nun eine bedeutendere Rolle zukommen, als dies bislang der Fall war. Es ist nicht zu erwarten, dass reine Kultursponsoring-Maßnahmen durch die Wirtschaftskrise gestört werden, da gerade die differenzierten Marketing-Instrumente in Krisenzeiten gefragt sind (Roßnagl 2009). Dagegen könnten es Kulturpartnerschaften trotz der in dieser Arbeit aufgezeigten Vorteile schwerer haben, die interne Unterstützung in den Unternehmen zu generieren, da der direkte Nutzen für den Unternehmenserfolg nicht unvermittelt ersichtlich ist.3 Ebenso ist von einer deutlichen Reduzierung direkter mäzenatischer Kulturförderung durch Unternehmen auszugehen. Gleichzeitig muss konstatiert werden, dass sich unternehmerische Kulturförderung in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt hat und daher sowohl konzeptionell als auch inhaltlich noch nie so gut aufgestellt war, wie sie es derzeit ist (Wagner 2008). Die Tatsache, dass bis zum Frühjahr 2009 Verträge, Zusagen und Partnerschaften mehrheitlich eingehalten wurden, mag selbstverständlich erscheinen, kann aber auch als Zeichen dieses Fortschritts gewertet werden.
Ein letztlich entscheidendes Kriterium könnte daher auch nicht im Bereich der Unternehmen, sondern in einem größeren Kontext zu suchen sein, wie Max Hollein, Leiter des Frankfurter Städelmuseum, vermutet: „Vieles hängt von dem Stellenwert ab, den eine Gesellschaft der Kultur zuschreibt.“4

Dieser Text ist erschienen im Buch Unternehmerisches Kulturengagement am Beispiel der Musikförderung der Škoda Auto Deutschland GmbH. Weimarer Studien zur Kulturpolitik und Kulturökonomie. Band 6. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag (2010).

1  Die Meinungen über die Zukunft unternehmerischer Kulturförderung divergieren in einem hohen Maße. Stephan Frucht (2008), Geschäftsführung des AKS, geht von einer zunehmenden Bedeutung aus.

2  Abzugrenzen von dieser Frage ist die Situation bei privatwirtschaftlichen Stiftungen, die durch die Finanzkrise mit sinkenden Erträgen aus ihrem Stiftungskapital zu rechnen haben und daher ihre Engagements mit Sicherheit reduzieren werden (Roßnagl 2009; Zimmermann 2009).

3  Es ist anzunehmen, dass dieser Legitimationsdruck speziell bei börsennotierten Unternehmen wesentlich höher ist.

4   Zitiert aus: Spiegel 2009.