Volkmar Stein

Dr. Volkmar Stein, geboren in Köln, ist Inhaber der prospero Management Consultants. Nach dem Marketing Studium an der Universität zu Köln lernte er bei der internationalen Werbeagentur Ogilvy & Mather professionelles Marketing in der Praxis. Nach Führungspositionen in Unternehmensberatungen startete er als Leiter des neuen Jugendmarketings bei der Allianz und übernahm kurz darauf die Leitung der neu geschaffenen Stabsabteilung für strategisches Marketing inkl. Planung und Controlling. Gleichzeitig unterstützte er den Vertriebsvorstand bei der Integration der Dresdner Bank und der Vereinten Krankenversicherung. Was es bedeutet, einen Konzern zu verändern lernte er im Projektbüro des Vorstands bei der Gründung der neuen Vertriebs AG sowie der Umstrukturierung des deutschen Vertriebs. Mit diesen Erfahrungen startete er eine neue Herausforderung für den Branchenführer in der Energie: Den Aufbau eines eCommerce Vertriebs mit einer neuen Marke (E-WIE-EINFACH). Heute arbeitet er als Berater, Referent und Lehrbeauftragter. Seine Branchenschwerpunkte sind Energie, Finanzdienstleistungen und Automotive.

Weitere Informationen:
www.prospero-group.de

 

Die Entwicklung der Energiewirtschaft ist der Kern der Nachhaltigkeit

Interview mit Dr. Volkmar Stein

Die Entwicklung innovativer Energieträger und –speicher benötigt Zeit. Bis wann ist aus Ihrer Sicht die Energiewende zu schaffen?

Jeder sollte wollen, dass die Menschen die Nutzung fossiler Brennstoffe aufgeben. Wenn wir von einer gegebenen Investitionssicherheit ausgehen, bleibt die Frage nach den Anreizen für Investitionen. Auch hier wird die Politik durch gezielte Förderungen oder Gesetze das Tempo bestimmen, die gesetzten Ziele bis 2050 zu erreichen. Am Ende werden all diejenigen die Energiewende bezahlen, die Strom verbrauchen; aber auch hier stoßen wir bei der Zumutbarkeit schnell an Grenzen. Je mehr uns die Nachhaltigkeit in der Energie wert ist, desto schneller werden wir sie erreichen.

Wie genau ist die Energiewende aus Ihrer Sicht finanzierbar?

Es ist wie mit dem Ziel, im eigenen Haus wohnen zu wollen: ich muss erst mal eins bauen. Es muss uns allen klar sein, dass nachhaltige Energie und energiebezogene Autarkie zunächst Investitionen in die Infrastruktur bedeuten. Wenn wir alle bereit sind, vielleicht 10 Jahre lang einen doppelten Strompreis zu bezahlen, sind wir wahrscheinlich schon sehr weit. Das heißt, die Erreichung dieses Zieles steigt mit der Erkenntnis und dem Willen aller, nachhaltige Energie autark zu nutzen. Das hat viel mit Kommunikation und auch Marketing der Unternehmen zu tun. Die Zahl der Konsumenten steigt ständig, die Wert auf nachhaltig produzierte Waren legen und auch bereit sind, mehr dafür zu bezahlen. Hier müssen die, die sich mehr leisten können und wollen, auch mehr Verantwortung übernehmen.

Können alternative Energien den Energiehunger wirklich stillen?

Die Erzeugungskapazitäten regenerativer Energien wachsen ständig. Aber der Markt funktioniert nach Angebot und Nachfrage. Wenn nachhaltiger Strom auch ohne Subventionen günstiger ist, und mit ihm Geld verdient wird, dann lohnen sich konventionelle Kraftwerke nicht mehr und die Kapazitäten der erneuerbaren Energien werden sich schnell der Nachfrage anpassen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen langfristig deutlich zurückgehen wird, weil nachhaltig erzeugter Strom in Zukunft billiger sein wird, als bspw. der Abbau von Kohle. Die Herausforderung liegt noch in der Speichertechnologie, um die benötigte Versorgungssicherheit darzustellen. Die Entwicklung in diesem Bereich bringt sicherlich bald geeignete Ergebnisse. Gerade die Speichertechnologie stellt für viele EVU ein strategisch relevantes neues Geschäftsfeld dar.

Wie umweltfreundlich sind erneuerbare Energien?

In der Tat muss man hier genau hinschauen und die Gesamtenergiebilanz bzw. weitere Auswirkungen betrachten. So steht bspw. das aus Mais gewonnene Biogas deutlich besser in der CO2 Bilanz da, als fossile Brennstoffe. Wenn aber dafür in Brasilien Anbauflächen durch Brandrodung des Urwalds entstehen oder Anbauflächen für Lebensmittel in Europa wegfallen, ist das zu kurz gesprungen. Hier gilt es die Nachhaltigkeit bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen.

Liegen in Zukunft Energie- und Steuersparen eng beieinander?

In der Tat fördert der Staat gewerbliche Energieeffizienzmaßnahmen vielfältig, nicht zuletzt, weil er durch die europäische Energieeffizienzrichtlinie Einsparziele umsetzen muss. Betriebe, die sich als Energieeffizienzbetriebe zertifizieren lassen, können diese Förderungen auch in Form von Steuererleichterungen beantragen.

Energieeffizienz in Unternehmen ist eine der Schlüsselfragen der Energiewende. Wo liegen hier die Hemmnisse, und wie können sie überwunden werden?

Energieintensive Unternehmen scheuen oft den initialen Aufwand für mehr Energieeffizienz. Natürlich sind hier auch Investitionen nötig, die erst mal zu stemmen sind. An dieser Stelle unterstützen externe Berater bei der Konzepterstellung zum Energiemanagementsystem (EMS), der Implementierung optimierter Prozesse und bei der Vorbereitung zur Zertifizierung. Aber auch diese Kosten fördert der Staat. Energiemanagementsysteme werden individuell auf den einzelnen Fall angepasst, so dass sich der gesamte Aufwand und wann sich Maßnahmen rechnen sehr genau im Vorhinein abschätzen lässt.

Welche Wettbewerbsvorteile ergeben sich, wenn Energie effizienter genutzt wird?

Generell haben energieeffizienz-zertifizierte Unternehmen zum einen den Vorteil geringerer Produktionskosten durch niedrigere Energiekosten. Zum anderen können sie damit werben, dass sie eben etwas für die Umwelt tun, was viele Kunden sicherlich anspricht. Was für die Energieversorger (EVU) im ersten Augenblick wie weniger Umsatz aussieht, stellt jedoch bei genauerer Betrachtung ein lukratives neues Geschäftsfeld dar. Als Energieeffizienzberater können sie ihren gewerblichen Kunden zur Zertifizierung verhelfen und sie damit stärker an sich binden; dies erfolgt zumeist zusammen mit externen Beratern und einer Ingenieursgesellschaft, die das Energiemanagementsystem (EMS) implementiert.

Was bedeutet gesellschaftliche Verantwortung für die Energiebranche?

Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung trägt unmittelbar zum Erhalt unserer heutigen Gesellschaft bei. Man male sich nur aus, wenn wir nur eine Woche keinen Strom hätten. Gleichzeitig ist sie eine der prädestinierten Branchen wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die Energiebranche hat keine geringere Aufgabe, als uns von der Zerstörung unserer Umwelt wegzuführen. Wir alle müssen sie dabei unterstützen.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt