Walter Schmidt

Walter Schmidt, geboren 1967 in Weilburg (D), ist seit 2003 Mitglied der Geschäftsführung, von ista International, seit 2004 ihr Vorsitzender. Er verfügt wie kaum ein zweiter über eine langjährige internationale Expertise auf dem Gebiet des Submeterings. So begann er seine Karriere 1986 bei der Techem AG, bei der er zuletzt als Vorstandsmitglied die Bereiche Finanzen und Rechnungswesen, Controlling und Revision, Investor Relations, Einkauf und Logistik, Infrastruktur/DV-Netze verantwortete. Er besitzt umfangreiche Erfahrung mit Leveraged-Buyouts (LBO) und hat ista International in den vergangenen zehn Jahren zu einem international führenden Energiedienstleister weiter entwickelt. Seit 2010 ist er Präsident der E.V.V.E., des europäischen Branchenverbandes für Submetering-Dienstleister.

Über ista

ista ist eines der weltweit führenden Unternehmen bei der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich. Mit unseren Produkten und Services helfen wir, Energie, CO2 und Kosten nachhaltig einzusparen. ista hat sich dafür auf das Submetering spezialisiert, also auf die individuelle Erfassung, Abrechnung und transparente Visualisierung von Verbrauchsdaten für Mehrfamilienhäuser und gewerbliche Immobilien. Als Grundlage nutzen wir ein Portfolio modernster Hardwarekomponenten zum Energiedatenmanagement. Dazu gehören funkbasierte Heizkostenverteiler, Wasserzähler, Wärmezähler sowie entsprechende Montagesysteme. Das Unternehmen beschäftigt in 24 Ländern weltweit mehr als 4.700 Menschen und unterstützt rund zwölf Mio. Nutzeinheiten (Wohnungen und Gewerbeimmobilien) bei der Einsparung wichtiger Ressourcen. Darüber hinaus leistet ista mit funkbasierten Rauchwarnmeldern sowie der Trinkwasseranalyse einen wesentlichen Beitrag zur Mietersicherheit. 2014 erwirtschaftete die ista Gruppe einen Umsatz von 781,2 Mio. Euro.

Weitere Informationen: www.ista.com

Warum wir eine Wärmewende brauchen

Interview mit Walter Schmidt, CEO Ista International

Weshalb muss die Energiewende auch eine Wärmewende sein?

Die Diskussion über die Energiewende ist stark vom Thema Strom geprägt. Der Wärmebereich kommt dabei in der öffentlichen Debatte bisweilen zu kurz. Dabei ist das Effizienzpotenzial bei der Wärme wesentlich höher als beim Strom. 85 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts entfallen auf Heizung und Warmwasser. Wenn die Energiewende erfolgreich sein soll, muss dieses enorme Einsparpotenzial innerhalb des Gebäudes stärker berücksichtigt und genutzt werden.

Welche Bereiche sind von ihr unmittelbar betroffen?

Neben der Gebäudedämmung und der Modernisierung von Heizungssystemen geht es vor allem darum, dem Verbraucher wesentlich mehr Möglichkeiten zum Energiesparen zu geben. Die Frage ist doch, wie man bewusster mit Energie umgehen kann, ohne dafür große Investitionen beispielsweise in die Gebäudehülle tätigen zu müssen. Und dieser Punkt betrifft nicht nur die Hauseigentümer, sondern insbesondere auch die Mieter. Letztere können mit ihrem Verbrauchsverhalten einen großen Beitrag zur Energiewende leisten – dazu muss man sie aber auch aktiv in Lösungen und Effizienzmaßnahmen miteinbeziehen.

Heizwärme und Warmwasser machen in Deutschland 35 Prozent des Energieverbrauchs aus. Weshalb werden Einsparpotentiale in diesen Bereichen noch nicht ausreichend genutzt?

Aus unserer Sicht ist bei dieser Frage ein Thema ganz entscheidend: Transparenz über den persönlichen Energieverbrauch. Seitdem es in Deutschland die jährliche verbrauchsabhängige Abrechnung für Heiz- und Warmwasserverbräuche gibt, konnten dadurch zwischen 15 bis sogar 30 Prozent Energie eingespart werden kann. Das ist ein extremer wirtschaftlicher, aber vor allem auch ökologischer Erfolg. Die EU fordert nun mit der Energieeffizienz-Richtlinie (EED), dass dieses deutsche Erfolgsmodell auf alle Mitgliedsstaaten ausgerollt werden soll.
In diesem Bereich ist aber noch viel mehr möglich:  Der nächste sinnvolle Schritt ist deshalb, die Verbrauchstransparenz weiter zu erhöhen, beispielsweise durch eine monatliche Verbrauchsinformation über den persönlichen Wärmeverbrauch. Aus technischer Sicht ist das längst abbildbar, die Lösungen dazu sind marktreif.  Erfreulich ist, dass die Bundesregierung die monatliche Verbrauchsinformation in den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) aufgenommen hat. Bis Mitte 2016 soll geprüft werden, ob sie tatsächlich umgesetzt wird. Nach dem politischen Scheitern des Steuerbonus für die energetische Gebäudesanierung kann die Regierung nun zeigen, dass sie es mit der Energieeffizienz wirklich ernst meint.

Sie haben eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben. Womit beschäftigt sie sich, und was ist das Ergebnis?

Die Forsa-Umfrage, die wir 2014 durchgeführt haben, hat ein ganz eindeutiges Ergebnis: Die deutschen Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz und Kostenkontrolle bei ihre Heizkostenabrechnung. Denn rund drei Viertel können die eigenen Heizkosten nicht genau beziffern. Rund zwei Drittel der Deutschen geben an, dass sie aktuelle unterjährige Informationen zum Heizenergieverbrauch nutzen würden. Mehr als die Hälfte davon will sogar monatlich oder häufiger über ihren Verbrauch unterrichtet werden. Der Nachholbedarf für mehr Transparenz ist also groß.

Gemeinsam  mit der dena, dem Deutschen Mieterbund und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit (BMUB) starteten Sie im Herbst 2013 das „Modellvorhaben Bewusst heizen, Kosten sparen“. Was verbirgt sich dahinter, und wer profitiert davon?

In dem Modellprojekt – das vor kurzem mit dem Deutschen CSR-Preis ausgezeichnet wurde –  werden seit Herbst 2013 etwa 140 Haushalte in Berlin, München und Essen über ein Webportal und eine Smartphone App über ihren monatlichen Wärmeenergieverbrauch informiert. Durch diese erhöhte Transparenz sparten die Teilnehmer neun Prozent Energie ein – und das mit vergleichsweise niedrigen Investitionskosten. Wir gehen davon aus, die monatliche Verbrauchsinformation für ein bis zwei Euro pro Monat und Haushalt anbieten zu können. Bei jährlichen Energiekosten von 800 bis 1.000 Euro pro Wohnung und Einsparungen von rund neun Prozent rechnet sich das für die Mieter sofort. Wir reden hier also über ein Modell, das zeitnah flächendeckend in Mehrfamilienhäusern ausgerollt werden kann, einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leistet und Frage der Wirtschaftlichkeit zugunsten des Verbrauchers beantwortet.

Was tun Sie, um den Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zu stärken?

Neben der Visualisierung der Energiedaten bieten wir eine Energieberatung an, die den Mietern dabei hilft, auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten das eigene Verbrauchsverhalten gezielt zu verbessern. Dabei geht es natürlich immer um die Frage, was kann ich tun, ohne mich erheblich einschränken und auf Komfort verzichten zu müssen. Unsere Erfahrung zeigt, dass bereits einige kleine Verhaltensänderungen und ein gewisses Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Energie große Wirkung erzielen. Neben der Transparenz ist daher auch der Vergleich des persönlichen Energieverbrauchs mit dem Durchschnittsverbrauch einer Liegenschaft wichtig. Dadurch sehen die Bewohner, wie sie in Sachen Energieeffizienz im Vergleich mit ihren Nachbarn abschneiden. Wie man aus anderen Forschungsprojekten weiß, hat dies einen nachweislich motivierenden Effekt.

Die Bundesregierung möchte mit ihrem „Zukunftsdialog“ den Bürgern helfen, gut zu leben und orientiert sich dabei an der Strategie des „nudging“: „anstupsen“ zum richtigen Verhalten. Vielfach wird kritisiert, dass es sich dabei um politischen Paternalismus handelt, und dass es besser sei, wenn der Staat Bedingungen schafft, die ein individuelles gutes Leben ermöglichen.  Braucht die Wärmewende solche „Stupser“?

Ja, unbedingt. In den USA und Großbritannien lassen sich die Regierungen schon länger von Wissenschaftlern in der Frage beraten, wie man den Verbraucher motivieren kann, zu seinem eigenen Vorteil, zugleich aber auch zum Vorteil der Gesellschaft und Umwelt zu handeln. Wie aus den Medien zu entnehmen war, folgt nun auch Kanzlerin Merkel diesem Beispiel. Wichtig ist hierbei aber, das richtige Maß zu finden: Niemand möchte sich vorschreiben lassen, wann und wie er Energie spart. Jeder sollte aber die Möglichkeit dazu haben. Schließlich wollen viele Menschen Energie sparen und dadurch einen persönlichen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten, wissen aber nicht, wie einfach das mithilfe moderner Technologien geht. Genau hier man muss ansetzen und die Position des Verbrauchers als wichtigen Stakeholder einer erfolgreichen Energiewende stärken. 

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt
Quelle:  http://www.huffingtonpost.de/.

Stand: Mai 2015