Wolfgang Pütz

Wolfgang Pütz, Jahrgang 1965, leitet als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer seit mehr als 20 Jahren unterschiedliche Unternehmen des Sozial- bzw. Gesundheitssektors. Pütz, sozialisiert im elterlichen Groß- und Einzelhandelsunternehmen, studierte im Anschluss an seine Ausbildung zum Industriekaufmann, Betriebswirtschaftslehre an der FH Köln. Dem folgte ein erfolgreich absolviertes Total Quality Management-Studium an der TU Kaiserslautern sowie im Jahr 2013, die Ausbildung zum Zertifizierten Coach (QRC) an der Haufe Akademie.

Heute führt er unter anderem als Geschäftsführer das 480-Mitarbeiter-starke Sozialunternehmen GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn GmbH (www.diekonfektionierer.de), das als Versand- und Konfektionierungsdienstleister für Weltmarktführer wie Haribo, Wirtgen Group, Eaton, GKN Walterscheid oder aber auch für die Bundesregierung und den Freistaat Bayern und andere tätig ist.

Sein gesellschaftliches und auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Engagement rundet Wolfgang Pütz durch Mitgliedschaften im Wirtschaftsrat Deutschland und im Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) ab.

Weitere Informationen: www.diekonfektionierer.de


Soziale Nachhaltigkeit steht Unternehmen gut zu Gesicht

Menschen mit Behinderung brauchen den Mittelstand, der seinerseits in mehrfacher Hinsicht von deren betrieblicher Inklusion profitieren kann.

Mindestens fünf Millionen Deutsche leiden jährlich an einer schweren psychischen Krankheit, was zeigt, dass psychische Erkrankungen keine Randerscheinung mehr sind, sondern die Mitte unserer Gesellschaft erreicht haben. Die Inklusion behinderter oder psychisch kranker Menschen in das Arbeitsleben ist für die Betroffenen oft das wirkungsvollste Instrument einer erfolgreichen Rehabilitation. Sie schafft Selbstwertgefühl und Sinnhaftigkeit für die Betroffenen und verhindert „ein Ausmustern aufs Abstellgleis“.
Der Gesetzgeber fördert diese Integration auf unterschiedlichste Weise und bietet Unternehmen die Möglichkeit, risikofrei gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. So profitieren beispielsweise von der Bereitstellung betriebsintegrierter Arbeitsplätze neben den erkrankten Menschen schon heute viele Unternehmen in Deutschland, vom kleinen Betrieb in der Region bis zum weltweit tätigen Großkonzern. Sie verbinden auf diese Weise die Übernahme sozialer Verantwortung in ihrem Unternehmensumfeld mit wirtschaftlichen Vorteilen bis hin zur Abmilderung der Auswirkungen des voranschreitenden Fachkräftemangels.

Kritik an ausufernden Sozialausgaben greift zu kurz – Unterstützung psychisch kranker und behinderter Menschen gefragt wie nie zuvor

Vielfach wird mit Blick auf die aktuelle Haushaltssituation zu Recht kritisch betont, dass die Ausgaben des Bundes für Soziales und Zinsen höher liegen als die Einnahmen aus Lohn-, Einkommens-, und Mehrwertsteuer zusammen. In der Debatte zu diesem Thema werden häufig „erschlichene“ Hartz-IV Leistungen als Ursache ausgemacht. Die notwendigen und weiter steigenden Ausgaben zur Förderung und Integration psychisch kranker und behinderter Menschen, die unverschuldet in eine Notsituation geraten sind, stellen jedoch die eigentlich Herausforderung für einen Schulterschluss von Wirtschaft und Politik dar.  Kardinal Lehmann kommentierte die sozialen Entwicklungen der vergangenen Jahre mit den Worten: “Wenn sich nichts ändert, wenn alles so bleibt, wie es ist, werden die Schwachen die Leidtragenden sein, weil sie in besonderer Weise auf die Absicherung eines funktionierenden Sozialstaates angewiesen sind.“ Die Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Situation behinderter oder psychisch kranker Menschen werden vom Gesetzgeber vorgegeben. Wie diese ausgestaltet und genutzt werden, ist allerdings eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Betroffenen in einem krisengebeutelten Wirtschaftsumfeld neben der Politik auch Deutschlands Unternehmen stellen müssen.

Verantwortung übernehmen und das Unternehmerbild wandeln

Gierige Banker, Massenentlassungen, Firmenpleiten – in der Wirtschaftskrise hat das Vertrauen der Menschen in eine funktionierende, sich selbst regulierende Marktwirtschaft erheblich gelitten. Dem daraus resultierenden Generalverdacht sehen sich leider auch die mehr als 2,8 Millionen kleineren, familiengeführten Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern ausgesetzt. Unter diese Definition fallen 80 Prozent aller deutschen Unternehmen. Insbesondere die Verantwortlichen dieser Betriebe prägen aber durch enge persönliche Bindungen und ein hohes Maß an Respekt gegenüber Mitarbeitern und Unternehmensumfeld das Bild vom verantwortungsvollen Unternehmer. Obwohl das Wahrnehmen von Corporate Social Responsibility (CSR), sprich Unternehmensverantwortung, für diese Unternehmer seit jeher selbstverständlich ist, haben es viele schwer, sich in der aktuellen Situation dementsprechend zu positionieren. Angefangen bei der ausschließlichen Nutzung regenerativer Energien bis hin zum Sponsoring des regionalen Sportvereins hat CSR in den Unternehmen vor Ort unzählige Gesichter. Neben diesen „grünen“ Maßnahmen unterstützen Unternehmer vor allem Aktivitäten im sozialen Umfeld ihres Betriebs. Dennoch werden die bereits existierenden Instrumente zur Integration behinderter und psychisch kranker Menschen in das Arbeitsleben noch zu selten genutzt. Und das obwohl die Umsetzung der vielfach erprobten Maßnahmen zu einer Win-win-Situation für Unternehmer, Mitarbeiter und nicht zuletzt die Staatskasse führt.

Arbeit als Brücke in die Normalität

Zur besseren Integration behinderter und psychisch kranker Menschen und damit zur Entlastung der Sozialhaushalte leistet der Gesetzgeber durch Eingliederungszuschüsse, begleitende Hilfen im Arbeitsleben und Unterstützungsleistungen der Integrationsfachdienste einen unverzichtbaren Beitrag. Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sind ein weiterer wichtiger Baustein für die Teilhabe am Arbeitsleben und bieten körperlich, geistig und seelisch behinderten Menschen geschützte Arbeitsplätze. Insbesondere die Zahl der Menschen, die an seelischen Erkrankungen oder Behinderungen leiden, wächst Jahr für Jahr. Auch im Arbeitsleben liegen mögliche Faktoren für eine zunehmende seelische Belastung eines Menschen, die dann mitunter zum Verlust des seelischen Gleichgewichtes über eine psychische Krise bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Krankheit führen können. Als mögliche Auslöser nannten Arbeitsschutzexperten in einer Befragung der Initiative für Gesundheit und Arbeit bereits im Jahr 2004 „Zeitdruck“, „schlechtes Führungsverhalten“ und „Arbeitsplatzunsicherheit“.

Risikofrei für Unternehmer: Betriebsintegrierte Arbeitsplätze

In diesem Kontext stehen vor allem betriebsintegrierte Arbeitsplätze als übergangsfördernde Maßnahme. Sie stellen ein Angebot der Werkstätten dar und ermöglichen, dass Werkstattteilnehmer auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes unter Beibehaltung des WfbM-Rechtsstatus und in Verantwortung der Werkstatt tätig werden können. Unternehmen, die solche betriebsintegrierten Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, können dies tun, ohne arbeits- oder kündigungsschutzrechtliche Risiken befürchten zu müssen. Ziel dieser Maßnahme ist im Idealfall die Übernahme und somit die Vermittlung in ein reguläres Arbeitsverhältnis. Betriebsintegrierte Arbeitsplätze werden von Unternehmen je nach Betriebsgröße und -ausrichtung für einzelne Teilnehmer oder ganze Gruppen angeboten. Der Werkstattträger fungiert dabei vor Ort als Vermittler und berät das kooperierende Unternehmen im Umgang mit dem Beschäftigten. Die Höhe des Arbeitsentgeltes orientiert sich an den jeweiligen leistungsabhängigen Lohnbemessungssystemen der Werkstätten.

Durch die kontinuierlichen Arbeitseinsätze außerhalb der Werkstatt werden insbesondere Selbstständigkeit, Leistungsfähigkeit und Selbstwertgefühl der Mitarbeiter gefördert. Eine Beschäftigung im Rahmen eines betriebsintegrierten Arbeitsplatzes ist somit für einen psychisch kranken oder behinderten Menschen die mit Abstand beste Vorbereitung im Hinblick auf den Übergang in ein normales Arbeitsverhältnis. Dass dieser Integrationsansatz funktioniert, beweisen bereits zahlreiche erfolgreiche Kooperationsprojekte.

„Wirtschaftlicher Erfolg und soziales Engagement – das geht zusammen!“

Eine weitere, darüber hinaus gehende Initiative der Wirtschaft ist in der Gründung von Integrationsunternehmen zu sehen. Diese sind per Definition rechtlich selbstständige Unternehmen, die zwischen 25 und im Regelfall 50 Prozent schwerbehinderte Menschen dauerhaft in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen beschäftigen. Das Spektrum der Branchen, in denen Integrationsunternehmen tätig sind, reicht marktweit von sozialen Dienstleistungen über Industrie, Handel, Handwerk, Hotel- und Gaststättengewerbe bis hin zu Multimedia- und IT-Firmen. Auch hier kann ein Zusammenwirken von Wirtschaft und Politik helfen, Einstiegsschwierigkeiten zu überbrücken.

Über die GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn GmbH - diekonfektionierer:

Als einer der führenden Anbieter von Versand-, Konfektionierungs- und Montagearbeiten im Rheinland erfüllen diekonfektionierer den Auftrag, psychisch kranke Menschen in das Arbeitsleben einzugliedern. Ihren derzeit rund 400 Werkstattbeschäftigten bieten sie Arbeitsplätze sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten  in den Bereichen Versand, Konfektionierung, Elektromontage, Lagerung, Büro- und Hauswirtschaft. Das Unternehmen verfügt über 8.000 Palettenstellplätze, modernstes Adressmanagement, individuelle Lösungen für Konfektionierung und Montage und leistet mehr als 2 Millionen Aussendungen pro Jahr. Zu ihren Auftraggebern zählen regionale Mittelständler genauso wie Weltmarktführer. Neben Haribo, der Wirtgen-Group und dem Deutschen Zentrum für Luft- & Raumfahrt (DLR), lassen auch die Bundesregierung und die bayerische Staatskanzlei ihre Aussendungen durch diekonfektionierer fairpacken und fairsenden.