Wolfgang Watzke

Wolfgang Watzke, Jahrgang 1952, ist Geschäftsführer der 2001 gegründeten DFB-Stiftung Egidius Braun für Soziale Integration, Kinder in Not und ­Mexico-Hilfe. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Jura (M.A.) begann er 1980 als Jugendsekretär und Pressereferent beim Fußball-Verband Mittelrhein in Köln und übernahm 1986 ehrenamtlich die Koordination der Mexico-Hilfe. 2009 wurde ihm zusätzlich die Geschäfts­führung der DFB-Stiftung Sepp Herberger übertragen. Seit 2010 ist Wolfgang Watzke­ für den Bereich Soziale Verantwortung in der Nachhaltigkeitskommission des Deutschen Fußball-Bundes verantwortlich.

www.egidius-braun.de

 

Fußball – Mehr als ein 1:0!

Die Idee der DFB-Stiftung Egidius Braun als Sozialstiftung des Deutschen Fußball-Bundes

 

»Manches, was wir hier gesehen und erlebt haben, diese wunderbaren Menschen, die uns geliebt haben – das können wir nicht vergessen – da können wir nicht einfach weggehen«, so begründete Egidius Braun nach seiner Rückkehr von der Fußball WM in Mexico 1986 die Gründung einer Hilfsini­tiative für Kinder in Not. 15 Jahre später wurde die Mexico-Hilfe zentrales Standbein der 2001 gegründeten DFB-Stiftung Egidius Braun. Bis heute haben unzählig viele Kinder in Kindergärten, Waisenhäusern und Bildungseinrichtungen davon profitiert. Ihr Leben wurde verändert. Das unsere übrigens auch.

Egidius Braun war es auch, der nach dem Zerfall der Sowjetunion in zahlreichen sich neu formierenden Staaten Osteuropas dem Fußball beim Neuaufbau half. Kein Wunder, dass es wieder die Kinder waren, die Hilfen erfuhren. Seit den 1990er Jahren gibt es Projekte in vielen Ländern, die folgerichtig in der Stiftung weiter betreut werden. Die polnischen und ukrainischen haben sogar Kontakte mit der Nationalmannschaft während der EM 2012 gehabt, Freude für arme Kinder weit über den Tag hinaus.

Ist die Mexico-Hilfe bis heute ein Hilfswerk, das sich ausschließlich aus Spenden und Benefizaktivitäten finanziert, hat der DFB die Unterstützungen in Osteuropa, Afrika und natürlich auch in Deutschland mit einem alle zwei Jahre stattfindenden Benefizländerspiel, das die DFB-Stiftung Egidius Braun durchführt, hervorragend ausgestattet. Ein Großteil der unvermeidlichen Verwaltungskosten wird zudem durch Anteile an Strafgeldern, die jedes Jahr anfallen, abgedeckt, sodass die Philosophie der Stiftung »Jeder gespendete Euro kommt ohne Abzüge im Projekt an« leicht durchgehalten werden kann.

Das alles ist die Basis für das operative Handeln. Und wie wird gehandelt?

 

Dazu gibt es Wertmaßstäbe. Allen voran die Zielgruppe Kinder. Selbstverständlich gibt es Situationen, wo es um die einfachsten Bedürfnisse geht. Selbstverständlich kommt man irgendwo hin, wo man Kindern einfach nur eine Freude macht, einen schönen Tag. Das ist gut und richtig. Aber das kann nicht alles sein. Der Aufbau und der Betrieb eines Vorschulkindergartens in einem Waisenhaus ermöglichen diesen Kindern oft einen besseren Schulstart als manchen Kindern aus intakten Familien. Der Bau einer modernen Schule mitten in einem Elendsviertel gibt nicht nur den Kindern eine ungeahnte Chance, sondern bringt einen ganzen Stadtbezirk in Bewegung – Menschen werden neu motiviert, ihr Leben mutig in die Hand zu nehmen.

Straßenkinder aus der Großstadt lernen, in einem Gehöft auf dem Lande zu leben, sich aus dem Land selbst zu versorgen, werden Koch oder Bäcker und finden eine soziale Heimat. Andere haben einen Treffpunkt, wo sie nachmittags musizieren, tanzen, werken, Hilfe finden bei den Hausaufgaben, Vertrauen schöpfen in fremde Menschen, in sich selbst.

Das sind die Ansätze, die wir suchen – oft hilft erst der Fußball, Zugang zu Kindern in ihrer Not zu finden. Dann ist Fußball tatsächlich mehr als ein 1:0. Dann spürt man die Verantwortung, diese Chance des Fußballs auch tatsächlich zu nutzen. Aber bisweilen drückt diese Verantwortung schon sehr: Mal etwas schenken ist nett, bleibt aber unverbindlich. Man bleibt frei.
Investitionen in Vertrauen, soziale Heimat, in Ausbildung müssen zu Ende gedacht werden. Was machst Du mit einem Kind, das aus schlimmsten Verhältnissen mit unserer Hilfe sich durchbeißt, ein glänzendes Abitur macht und eigentlich studieren muss? Schafft man das auch noch? Ab wann geht Hilfe zu weit? Wann kümmert man sich zu viel um einen einzelnen Menschen, obwohl  die Not bei so vielen so groß ist? Wann kommen wir an unsere psychischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Grenzen?

Diese Fragen müssen an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Sie sollen aber zeigen, dass durch Gutes tun die Verantwortung wachsen kann und die Folgen des eigenen Handelns, der eigenen Entschlüsse bereits mit dem Start bedacht werden müssen. Das ist schwer genug, weil die Konsequenz manchmal auch ein »Nein« sein muss, das weh tut.

Ein Engagement, wie es die DFB-Stiftung Egidius Braun immer neu anstrebt, kann daher nicht Teil kurzfristiger Strategien sein. Das ist eben charakteristisch für den Gedanken »Stiftung«. Wir reden über Jahre und Jahrzehnte …